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Naturwein

Nichts hinzufügen, nichts wegnehmen.

Naturwein ist Wein in seiner ursprünglichsten Form: von Hand gelesene Bio-Trauben, vergärt mit den wilden Hefen des eigenen Weinbergs, weder geschönt noch filtriert, mit wenig oder gar keinem Schwefel gefüllt. Was in der Flasche ankommt, ist der Jahrgang selbst – ungeschminkt, lebendig und so individuell wie der Ort, an dem er gewachsen ist.

Editorial-Collage zum Naturwein: Qvevri-Amphore, wilde Hefen, naturtrübes Glas und Trauben aus Handlese
775
Naturweine am Lager
125
Weingüter aus 7 Ländern
64
Weine ganz ohne Schwefelzusatz
6.000
Jahre Handwerksgeschichte, vom Qvevri bis heute
Aquarell: offene Hände halten eine Traube, daneben ein naturtrübes Glas Wein

Was ist Naturwein?

Jeder konventionelle Wein darf in der EU mit Dutzenden önologischen Hilfsmitteln gemacht werden: Reinzuchthefen, Enzyme, Säurekorrektur, Gelatine zur Schönung, Sterilfiltration. Auf dem Etikett steht davon nichts. Naturwein ist die Gegenbewegung dazu – und ihr Leitsatz passt in fünf Worte: nichts hinzufügen, nichts wegnehmen.

Der Weinberg liefert die Grundlage: biologisch oder biodynamisch bewirtschaftete Reben, von Hand gelesen. Entschieden wird aber im Keller. Dort, wo konventionelle Kellertechnik korrigiert, standardisiert und glättet, lässt der Naturweinwinzer los: Die Trauben vergären mit ihren eigenen wilden Hefen, der Wein bleibt ungeschönt und unfiltriert, und Schwefel kommt spärlich oder gar nicht zum Einsatz. Das Ergebnis ist ein Wein, in dem Traube, Ort und Jahrgang unmittelbar sprechen – mit allem Charme, den Perfektion nie hat.

Die fünf Regeln des Kellers

Bio und Biodynamie regeln den Weinberg. Naturwein regelt, was danach passiert – und vor allem: was nicht passiert.

Aquarell: Hand mit Rebschere bei der Traubenlese
1

Bio-Trauben, von Hand gelesen

Der Weinberg als Fundament

Wer im Keller nicht korrigieren will, kann sich im Weinberg keine Kompromisse leisten. Deshalb beginnt jeder Naturwein mit gesunden, biologisch gewachsenen Trauben – und mit sorgsamer Handlese.

Aquarell: wilde Hefezellen unter dem Mikroskop, tanzende Punkte
2

Wilde Hefen, spontane Gärung

Das Herzstück jedes Naturweins

Statt eines gezüchteten Laborstamms arbeiten hunderte Hefearten, die auf den Beeren und im Keller zuhause sind. Sie geben dem Wein eine aromatische Vielschichtigkeit, die keine Reinzuchthefe erzeugen kann – und machen jede Gärung zum Unikat.

Aquarell: naturtrübes Weinglas mit feinem Schleier
3

Ungeschönt, unfiltriert

Alles bleibt im Wein

Keine Gelatine, kein Bentonit, keine Sterilfiltration. Was Farbe, Textur und Aroma trägt, bleibt in der Flasche. Die feine Naturtrübe vieler Naturweine ist genau das: ein Merkmal von Substanz, kein Schönheitsfehler.

Aquarell: leere Laborflaschen, durchgestrichen
4

Keine Zusätze, keine harten Verfahren

Der Verzichtskatalog

Keine Enzyme, keine Aufzuckerung, keine Säurekorrektur, keine Tannin- oder Aromazusätze. Auch technisch bleibt der Wein unangetastet: keine Umkehrosmose, keine Pasteurisation, keine Kreuzstromfiltration.

Aquarell: Streichholz mit kleiner Schwefelflamme, fast erloschen
5

Schwefel: wenig oder gar nicht

Ein Bruchteil des Erlaubten

Wo konventioneller Wein bis zu 200 mg/l Gesamtschwefel tragen darf, kommen Naturweine mit einem Bruchteil aus – viele ganz ohne Zusatz. Bei uns liegen 64 komplett ungeschwefelte Weine im Regal.

Bio, Biodynamie, Naturwein – was regelt was?

Drei Begriffe, die oft durcheinandergehen. Der Unterschied liegt im Keller.

Bio Biodynamie Naturwein
Weinberg Keine synthetischen Pestizide und Herbizide Bio plus Präparate, Kompostwirtschaft und Hofkreislauf Meist bio oder biodynamisch, Handlese
Keller Önologische Hilfsmittel weitgehend erlaubt Eingriffe erlaubt, viele Güter arbeiten zurückhaltend Streng geregelt: keine Zusätze, keine Schönung, keine Filtration
Hefen Reinzuchthefen erlaubt Reinzuchthefen erlaubt Nur traubeneigene Wildhefen
Schwefel gesamt Bis ca. 100–150 mg/l Verbandsabhängig darunter Typisch unter 30–50 mg/l, oft null Zusatz
Status EU-rechtlich definiert, amtliches Siegel Private Verbände: Demeter, Biodyvin, respekt-BIODYN Nicht gesetzlich geschützt – Standards setzen Winzer-Chartas

Biodynamisch heißt also nicht automatisch Naturwein – aber fast jeder Naturweinwinzer denkt biodynamisch. Wie Präparate, Mondkalender und Hofkreislauf funktionieren, zeigt unsere Seite Biodynamischer Weinbau.

Schwefel in Zahlen

„Naturwein“ ist kein geschützter Begriff. Die Maßstäbe setzen die Winzer selbst – und sie sind strenger als jedes Gesetz.

Charta / Standard Maximaler Gesamtschwefel Herkunft
Vin Méthode Nature Ohne Zusatz (bis 20 mg/l natürlich entstanden) oder unter 30 mg/l Frankreich, seit 2020
Naturknall 20 mg/l (Rot) · 30 mg/l (Weiß) Deutschland, erster Naturwein-Verein, Köln 2020
VinNatur 30 mg/l (Rot) · 50 mg/l (Weiß & Rosé) Italien
RAW WINE 70 mg/l International, Isabelle Legeron MW
Zum Vergleich: EU-Bio ca. 100 mg/l (Rot) · 150 mg/l (Weiß) EU-Verordnung

Ganz ohne Sulfite ist übrigens kein Wein der Welt: Jede Gärung erzeugt von Natur aus geringe Mengen. Der Unterschied liegt im Zusatz – und da trennt den Naturwein vom EU-Bio-Wein schnell der Faktor fünf. Wer die härteste Stufe sucht – Weine, denen zu keinem Zeitpunkt Schwefel zugesetzt wurde, auch nicht bei der Füllung –, findet sie bei unseren ungeschwefelten Weinen.

Sechstausend Jahre jung

Naturwein ist keine Mode. Er ist die älteste Art, Wein zu machen – neu entdeckt.

Aquarell: in die Erde eingelassene georgische Qvevri-Tonamphore mit gärendem Wein

In Georgien vergärt Wein seit rund 6.000 Jahren in Qvevri, großen Tonamphoren, die bis zum Rand in der Erde stecken. Trauben, Schalen, Kerne – alles kommt hinein, die Natur macht den Rest. Die UNESCO hat diese Methode 2013 zum immateriellen Kulturerbe erklärt, und sie funktioniert bis heute so gut, dass Winzer auf der ganzen Welt wieder Amphoren vergraben.

Die moderne Naturweinbewegung hat einen präzisen Geburtsort: das Beaujolais. Der Chemiker und Winzer Jules Chauvet zeigte dort ab den 1950er Jahren, dass großer Wein ohne Schwefelzusatz und Kellertricks gelingt, wenn Trauben und Hygiene stimmen. Seine Schüler – Marcel Lapierre, Jean Foillard, Jean-Paul Thévenet und Guy Breton, von ihrem amerikanischen Importeur Kermit Lynch die „Gang of Four“ getauft – machten aus der Idee in Morgon eine Bewegung, die Paris im Sturm nahm.

Den dritten Impuls setzte das Friaul: In Oslavia holten Joško Gravner und Stanko Radikon Mitte der 1990er die Maischevergärung weißer Trauben zurück – die Geburtsstunde des modernen Orange Wine, benannt erst 2004. Heute reicht die Landkarte des Naturweins von der Loire über den Ätna bis nach Österreich, Deutschland und Spanien. Und sie wächst jedes Jahr.

Ein Spektrum, keine Schublade

Naturwein ist eine Machart, kein Geschmack. Er kann wild sein – oder klassischer schmecken, als viele erwarten.

Aquarell: Glas mit bernsteinfarbenem Orange Wine

Orange Wine

Weiße Trauben, vergärt auf der Maische wie ein Rotwein: Das gibt Farbe von Gold bis Bernstein, feines Gerbstoffgerüst und Aromen von Tee, getrockneten Aprikosen und Nüssen. Gut 60 Orange Wines liegen bei uns im Sortiment.

Orange Wines entdecken →

Aquarell: Pét-Nat-Flasche mit Kronkorken und feiner Perlage

Pét-Nat

Pétillant Naturel: Der Wein wird noch während der ersten Gärung gefüllt und perlt in der Flasche zu Ende – eine einzige Gärung, Kronkorken statt Korken, oft mit feiner Hefetrübung. Das unkomplizierteste Glas der Naturweinwelt.

Pét-Nats entdecken →

Aquarell: klares Weinglas mit hellem Weißwein, ruhig und klassisch

Die stillen Klassiker

Viele Naturweine schmecken näher am klassischen Ideal, als ihr Ruf vermuten lässt: klarer Riesling, geradliniger Chardonnay, feingliedriger Blaufränkisch. Nur eben mit mehr Leben im Glas – und ohne doppelten Boden.

Alle Naturweine entdecken →

Orange und Pét-Nat sind häufig Naturweine, aber nicht zwingend – entscheidend bleibt die Arbeit im Keller. Umgekehrt gibt es Naturwein in jeder Farbe: bei uns 374 rote, 303 weiße, 54 orange und 34 roséfarbene.

Aquarell: eingeschenktes Glas mit lebendig-trübem Wein, daneben Karaffe

Wie schmeckt Naturwein – und wie trinkt man ihn?

Das erste, was auffällt, ist die Lebendigkeit: Naturweine haben Zug, Saftigkeit und einen Trinkfluss, der ein zweites Glas zur Selbstverständlichkeit macht. Wildhefen bringen Aromenschichten, die ein einzelner Zuchtstamm nie liefert; die Naturtrübe trägt Textur und Substanz. Und ja: Manche Naturweine haben Ecken – ein Hauch Hefe, ein wilder Duftton. Gut gemachter Naturwein bleibt dabei immer sauber und klar gezeichnet. Genau dafür kuratieren wir: Jeder Wein in unserem Sortiment stammt von Winzern, die ihr Handwerk beherrschen.

Drei Tipps für den Anfang: Weiße und orange Naturweine nicht eiskalt servieren (10–14 °C, dann zeigen sie alles), rote gern eine Spur kühler als gewohnt (14–16 °C). Etwas Luft in der Karaffe hilft fast jedem Naturwein auf die Sprünge. Und das Depot? Mitschwenken oder stehen lassen – beides ist richtig, Geschmackssache.

Neun Weingüter, ein Handwerk

125 Weingüter in unserem Sortiment machen Naturwein. Diese neun zeigen, wie weit sein Spektrum reicht.

Arianna Occhipinti in ihren Weinbergen bei Vittoria
Sizilien, Italien

Occhipinti

Arianna Occhipinti startete 2004 mit einem Hektar bei Vittoria – heute sind ihre Frappato und Nero d’Avola Ikonen des italienischen Naturweins.

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Weingut Foradori im Trentino
Trentino, Italien

Foradori

Elisabetta Foradori hat den Teroldego neu erfunden: biodynamische Reben, Gärung in spanischen Tonamphoren, Weine von seltener Klarheit.

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Nikolaus Saahs vom Nikolaihof in der Wachau
Wachau, Österreich

Nikolaihof

Seit 1971 biodynamisch, damit Pionier weltweit: Riesling und Grüner Veltliner, die jahrelang im großen Holzfass ruhen – mit minimalem Schwefel.

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Weingut Odinstal über Wachenheim in der Pfalz
Pfalz, Deutschland

Odinstal

350 Meter über dem Pfälzer Wald, Basalt im Boden, Ochsen im Weinberg: Rieslinge von kühler Strahlkraft, spontan vergärt und pur gefüllt.

Entdecken
Johannes Zillinger im Weinviertel
Weinviertel, Österreich

Johannes Zillinger

Amphore, altes Holz und radikale Konsequenz: Zillingers Revolution-Linie gehört zum Aufregendsten, was Österreichs Naturweinszene füllt.

Entdecken
Champagne Georges Laval in Cumières
Champagne, Frankreich

Georges Laval

In Cumières seit 1971 biologisch – länger als fast jeder andere in der Champagne. Handverlesene Winzerchampagner mit kaum spürbarer Dosage.

Entdecken
Jean-Michel und Romain Stephan in der Côte-Rôtie
Côte-Rôtie, Frankreich

Maison Stephan

Syrah von Steilterrassen über der Rhône, ganze Trauben, null Schwefelzusatz: Jean-Michel Stephan macht Naturwein auf Grand-Cru-Niveau.

Entdecken
La Soufrandière / Bret Brothers im Mâconnais
Mâconnais, Frankreich

La Soufrandière

Die Brüder Bret in Vinzelles: biodynamisch zertifizierter Chardonnay, der beweist, dass Naturwein und burgundische Feinheit dasselbe sein können.

Entdecken
Francesco Cirelli mit Amphoren in den Abruzzen
Abruzzen, Italien

Cirelli

Trebbiano und Montepulciano aus der Amphore, dazu Oliven und Gänse auf demselben Hof: Francesco Cirellis Bauernhof-Weingüter-Ideal, pur im Glas.

Entdecken

Häufige Fragen zu Naturwein

Was ist Naturwein?

Naturwein ist Wein aus biologisch angebauten, von Hand gelesenen Trauben, der im Keller ohne Eingriffe entsteht: spontan vergärt mit wilden Hefen, ohne Zusätze, ohne Schönung, ohne Filtration und mit wenig oder gar keinem zugesetzten Schwefel. Das Leitmotiv: nichts hinzufügen, nichts wegnehmen.

Ist Naturwein automatisch Bio-Wein?

Praktisch immer wachsen die Trauben biologisch oder biodynamisch, oft auch ohne formales Zertifikat. Der Unterschied liegt woanders: Bio regelt den Weinberg, Naturwein zusätzlich den Keller. Ein Bio-Wein darf Reinzuchthefen, Schönung und Filtration nutzen – ein Naturwein nicht.

Enthält Naturwein Sulfite?

Geringe Mengen ja, denn jede Gärung erzeugt von Natur aus Sulfite. Zugesetzt wird aber wenig bis nichts: Naturwein-Chartas erlauben je nach Verband 20 bis 70 mg/l Gesamtschwefel, während EU-Bio-Weißwein rund 150 mg/l tragen darf. In unserem Sortiment kommen 64 Weine komplett ohne Schwefelzusatz aus.

Warum ist Naturwein oft trüb?

Weil er nicht filtriert und nicht geschönt wird. Die feine Trübung besteht aus Hefe- und Fruchtpartikeln, die Aroma und Textur tragen – sie ist ein Qualitätsmerkmal des Handwerks und völlig unbedenklich. Wer klaren Wein bevorzugt, lässt die Flasche einfach ein paar Tage stehen.

Schmeckt Naturwein anders als konventioneller Wein?

Meist ja: lebendiger, saftiger, mit mehr Zug und aromatischer Vielschichtigkeit durch die wilden Hefen. Das Spektrum reicht dabei von wild und kantig bis klassisch und geradlinig – Naturwein ist eine Machart, kein einheitlicher Geschmack.

Ist Naturwein gesünder?

Naturwein enthält deutlich weniger Zusatzstoffe und Schwefel als konventioneller Wein – wer sensibel auf Sulfite reagiert, fährt damit oft besser. Ein Gesundheitsprodukt ist aber auch Naturwein nicht: Er bleibt ein alkoholisches Getränk, das man bewusst und mit Freude genießen sollte.

Was ist der Unterschied zwischen Naturwein und Orange Wine?

Naturwein beschreibt die Machart (minimale Eingriffe im Keller), Orange Wine eine Technik: weiße Trauben, die auf der Maische vergären wie ein Rotwein. Viele Orange Wines sind Naturweine, aber nicht alle – und Naturwein gibt es in jeder Farbe, von Weiß über Rosé bis Rot.

Was ist ein Pét-Nat?

Pét-Nat steht für Pétillant Naturel, hergestellt nach der Méthode Ancestrale: Der gärende Most wird in die Flasche gefüllt, wo die eine und einzige Gärung zu Ende läuft und die Kohlensäure einfängt. Anders als beim Champagner gibt es keine zweite Gärung und keine Dosage – dafür puren, oft hefetrüben Trinkspaß unter Kronkorken.

Wie lagert und serviert man Naturwein?

Kühl, dunkel und liegend, wie jeden guten Wein – viele Naturweine reifen auf ihrer Feinhefe sogar bemerkenswert stabil. Beim Servieren gilt: Weiß und Orange bei 10–14 °C statt eiskalt, Rot gern leicht gekühlt bei 14–16 °C, und fast jedem Naturwein hilft etwas Luft in der Karaffe.

Warum gibt es kein offizielles Naturwein-Siegel?

„Naturwein“ ist EU-rechtlich nicht definiert. Die Standards setzen private Winzervereinigungen wie Vin Méthode Nature in Frankreich, VinNatur in Italien oder Naturknall in Deutschland – mit Regeln, die weit über jedes gesetzliche Bio-Niveau hinausgehen. Georgien hat 2026 als erstes Land eine gesetzliche Definition eingeführt.

775 Naturweine. 125 Weingüter. Null Kompromisse.

Von der Amphore aus den Abruzzen bis zum ungeschwefelten Riesling aus der Pfalz: Unser Naturwein-Sortiment ist handverlesen – jedes Weingut persönlich ausgewählt.

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