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Jérôme Blin

Jérôme Blin mit Arbeitspferd im Weinberg in Vincelles

Seit 1671 betreibt Familie Blin Weinbau in Vincelles – heute mit Pferden statt Traktoren. Heute bewirtschaftet er 6 Hektar in der Vallée de la Marne nach biodynamischen Prinzipien: zwei Kaltblüter pflügen die Weinberge, ein Schaf hält das Gras kurz. 70 Prozent der Reben sind Pinot Meunier, die unterschätzte Traube dieser Region. Champagne Jérôme Blin zeigt, was sie kann: Champagner ohne Dosage, die trotzdem nie hart wirken.




Mehr über Jérôme Blin

Vom konventionellen Betrieb zur Biodynamie

Als Jérôme 2007 das Familienweingut übernahm, war der Betrieb konventionell – wie fast alle in der Champagne. Doch der junge Winzer spürte, dass etwas fehlte. Die Böden waren müde, die Reben anfällig, die Weine austauschbar. 2012 begann er mit der Umstellung auf biologischen Anbau, 2018 kam die biodynamische Zertifizierung. Der Wandel war radikal: Weg mit den Herbiziden, weg mit den synthetischen Düngern, weg mit den Traktoren. Stattdessen kamen Naya und Quartz – zwei Comtois-Kaltblüter, die seither die Weinberge pflügen. Und ein Schaf namens Chouquette, das zwischen den Rebzeilen grast.

Biodynamischer Weinberg von Jérôme Blin in Vincelles mit Wildblumen

Weingut Jérôme Blin in Vincelles, Champagne

Vincelles und die Vallée de la Marne

Vincelles liegt am Südufer der Marne, etwa 20 Kilometer westlich von Épernay. Hier dominiert der Pinot Meunier – eine Rebsorte, die lange als Arbeitspferd der Champagne galt, gut genug für die Assemblage, aber selten für Einzellagen. Jérôme sieht das anders. Seine 6 Hektar verteilen sich auf zahlreiche Lieu-dits mit unterschiedlichen Bodentypen: Ton, Kalk, Sand, Feuerstein. Jede Parzelle wird separat vinifiziert, jeder Wein erzählt seine eigene Geschichte. Die Cuvée Meunier sur Sable zum Beispiel stammt von sandigen Böden und zeigt eine fast burgundische Eleganz. In der Nachbarschaft, wenige Kilometer östlich in Œuilly, arbeitet Tarlant nach ähnlicher Philosophie: ebenfalls Zero Dosage, ebenfalls Lieu-dit-fokussiert, ebenfalls der Überzeugung, dass die Champagne mehr kann als nur Marken-Schaumwein.

Die Philosophie der Null

Zero Dosage ist bei Jérôme Blin keine Marketing-Entscheidung, sondern logische Konsequenz. Wenn die Trauben gesund sind, wenn die Gärung spontan mit wilden Hefen verläuft, wenn der Wein Zeit hat, sich auf der Hefe zu entwickeln – dann braucht er keinen Zucker, um rund zu wirken. Die La Pouillote mit ihren 3 Gramm Dosage ist bereits sein „üppigster“ Champagner. Die meisten anderen kommen komplett ohne aus. Das Ergebnis sind Champagner von fast beängstigender Präzision: straff, mineralisch, mit einer Säure, die schneidet wie ein Skalpell – und einer Frucht, die trotzdem da ist, nur eben nicht kaschiert von Restzucker.

Einzellagen statt Assemblage

Während die großen Häuser Champagner aus hunderten Parzellen assemblieren, geht Jérôme den umgekehrten Weg. Jeder seiner Champagner stammt von einer einzigen Lage, oft von alten Reben, immer spontan vergoren. Die Les Ports ist eine Complantation – ein historischer Gemischter Satz aus Meunier, Pinot Noir und Chardonnay, gemeinsam angebaut und gemeinsam geerntet. Die Les Caillasses stammt von steinigen Böden, die La Haute Cirrière von den höchsten Parzellen. Wer Champagne Jérôme Blin trinkt, trinkt nicht eine Marke – er trinkt einen Ort.

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