Paprika, Schmorfleisch und der richtige Tropfen
Von Saftgulasch bis Gulyás – für jede Variante den passenden Wein
Ob klassisches Rindergulasch mit samtig-würziger Sauce, ungarisches Gulyás als feurige Suppe oder Wiener Saftgulasch mit Semmelknödel – Paprika und langsam geschmortes Fleisch verlangen nach Weinen mit Tiefe und Charakter.
Gulasch ist nicht gleich Gulasch – und der richtige Wein macht den Unterschied. Die langsame Schmorzeit lässt das Fleisch butterweich werden, während sich die Aromen von Paprika, Zwiebeln und Gewürzen zu einer komplexen Sauce verbinden. Entscheidend für die Weinwahl: Wie intensiv ist die Paprika-Würze? Wie reichhaltig die Sauce?
Dabei hat jede Region ihre eigene Interpretation: Das ungarische Gulyás ist eine Suppe, das Wiener Saftgulasch ein Ragout mit seidiger Sauce. Die ostdeutsche Gulaschsuppe – Kantinen-Klassiker der DDR – war oft dünner, mit mehr Paprika und Tomatenmark. Während kräftige Rhône-Weine die klassische Variante perfekt begleiten, braucht das feurige Original würzige Rote mit eigenem Charakter.
Klassisches Rindergulasch – Kräftige Rhône-Weine
Das klassische deutsche Rindergulasch mit seiner samtigen, paprikawürzigen Sauce ist ein Seelenwärmer. Stundenlang geschmortes Rindfleisch, das auf der Zunge zergeht – hier braucht es Weine mit Körper, reifen Tanninen und dunkler Frucht.
Grenache-dominierte Weine aus der südlichen Rhône sind wie gemacht dafür: Die üppige Frucht harmoniert mit dem Paprika, die Würznoten vom Garrigue-Charakter ergänzen die Aromen des Schmorfleischs. Von der unkomplizierten Côtes du Rhône bis zum majestätischen Châteauneuf-du-Pape.
Côtes Du Rhône „No Wine’s Land“ 2020
Grenache und Syrah von Du Coulet. Dunkle Beeren, Garrigue, samtiges Mundgefühl – ein Einstieg in die Rhône mit Charakter. Die würzige Frucht harmoniert perfekt mit der Paprikasauce.
Châteauneuf-du-Pape rouge 2019
Biodynamischer Châteauneuf von Domaine de Marcoux. Kirsche, Lavendel, Kräuter – elegant und komplex. Die seidigen Tannine schmeicheln dem butterzarten Schmorfleisch.
Châteauneuf-du-Pape Rouge 2021
Legendäres Weingut, ikonischer Wein. 14 Rebsorten, alle 13 erlaubten Lagen – Komplexität pur. Brombeere, Tabak, Leder. Für Festtagsgulasch oder besondere Anlässe.
Ungarisches Gulyás – Würzige Rote
Das echte ungarische Gulyás ist keine dicke Sauce, sondern eine würzige Suppe – mit Rindfleisch, Kartoffeln, Csipetke (Teigfleckerl) und reichlich edelsüßem Paprika. Die Würze ist intensiver, die Schärfe präsenter als beim deutschen Pendant.
Hier braucht es Weine, die mithalten können: würzige Rote mit eigenem Charakter. Ein gereifter Garnacha aus dem Priorat-Umland, ein sizilianischer Nero d’Avola – oder für den Einstieg ein unkomplizierter österreichischer Cuvée.
Gluegglich Rot
Unkomplizierter Roter von Loimer. Zweigelt, Blaufränkisch, St. Laurent – fruchtig, saftig, trinkanimierend. Die lebendige Art erfrischt zwischen den würzigen Löffeln.
Tros Negre „Notaria“ 2016
Alter Garnacha von Alfredo Arribas. Acht Jahre Reife bringen Komplexität: Kirsche, Leder, Tabak, mediterrane Kräuter. Die würzige Tiefe steht dem Gulyás in nichts nach.
„FL“ Fossa di Lupo 2022
Nero d’Avola von Arianna Occhipinti. Dunkel, würzig, mit Noten von Pflaume, schwarzem Pfeffer und Vulkanerde. Perfekt zur feurigen Schärfe des ungarischen Originals.
Wiener Saftgulasch – Elegante Begleiter
Das Wiener Saftgulasch ist feiner als seine Verwandten: viel Zwiebeln (mindestens die gleiche Menge wie Fleisch!), edelsüßer Paprika, etwas Essig für die Frische – und eine seidig-samtige Sauce. Traditionell mit Semmelknödel oder Nockerln.
Hier dürfen die Weine eleganter sein: Ein Burgunder-Pinot-Noir mit seiner Finesse, ein österreichischer Pinot von Loimer – oder die Überraschung: Ein gereifter Riesling aus Rheinhessen, dessen Säure die Opulenz durchbricht.
Steiner Riesling 17-22
Solera-Riesling von Schätzel – ein Blend aus mehreren Jahrgängen. Reife Frucht, cremige Textur, lebendige Säure. Die unkonventionelle Wahl, die überrascht und funktioniert.
Bourgogne Rouge „La Taupe“ 2021
Roter Burgunder von Chavy-Chouet. Kirsche, Erdbeere, feine Würze – klassischer Pinot mit Eleganz. Die zarte Struktur schmeichelt dem Wiener Original.
Anning Pinot Noir 2019
Biodynamischer Pinot von Fred Loimer. Sauerkirsche, Kräuter, feine Erde – elegant mit Tiefe. Der österreichische Pinot zum österreichischen Klassiker.
Häufige Fragen
Welcher Wein passt am besten zu Gulasch?
Kräftige, fruchtbetonte Rotweine sind die erste Wahl: Grenache-basierte Weine aus der Rhône, reifer Garnacha aus Spanien oder Nero d’Avola aus Sizilien. Die üppige Frucht harmoniert mit der Paprikawürze, weiche Tannine ergänzen das zarte Schmorfleisch.
Passt Weißwein zu Gulasch?
Überraschend ja – zumindest zum feinen Wiener Saftgulasch! Ein gereifter Riesling mit cremiger Textur oder ein kräftiger Grauburgunder können funktionieren. Die Säure erfrischt zwischen den reichhaltigen Bissen. Zu würzigem Gulyás eher nicht empfohlen.
Was ist der Unterschied zwischen Gulasch, Gulyás und Gulaschsuppe?
Das ungarische Gulyás ist das Original: eine würzige Suppe mit Rindfleisch, Kartoffeln und edelsüßem Paprika. Das westdeutsche Gulasch wurde zum dickeren Ragout. Das Wiener Saftgulasch ist ein Zwischending mit seidiger Sauce. Die DDR-Gulaschsuppe war eine eigene Interpretation: dünner, oft mit Tomatenmark, Paprika und manchmal Nudeln – der Kantinen-Klassiker schlechthin.
Kann man zum Gulasch auch Bier trinken?
In Wien durchaus üblich – ein Märzen oder dunkles Lager passt gut. Aber ein guter Wein hebt das Gericht auf ein anderes Niveau: Die Komplexität von Wein ergänzt die Aromen besser, die Tannine strukturieren die reichhaltige Sauce.
Welcher Wein passt zu Szegediner Gulasch?
Zum Szegediner Gulasch mit Sauerkraut braucht es Weine mit guter Säure, die das Kraut aufgreifen: Ein Zweigelt aus Österreich, ein leichter Blaufränkisch oder – mutig – ein trockener Riesling. Die Säure verbindet Kraut und Wein.
Welcher Wein zu Gulaschsuppe?
Bei dünnerer Gulaschsuppe – ob nach DDR-Art oder klassisch ungarisch – sind leichtere, fruchtige Rotweine ideal: Ein unkomplizierter Zweigelt oder Blaufränkisch, ein frischer Gamay oder unser Gluegglich Rot. Die Würze der Suppe braucht keine schweren Weine, sondern Frische und Trinkfreude.
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