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Clandestin

Benoît Doussot, Winzer von Clandestin Champagne

Im Sommer 2015 packte Benoît Doussot seinen Abschluss vom Lycée Viticole in Beaune ein und fuhr in die Côte des Bar – nicht um bei den großen Häusern anzuheuern, sondern um etwas Eigenes zu starten. Clandestin war geboren: ein Micro-Négoce-Projekt, das Bio-Trauben von elf Winzern aus der südlichen Champagne zu präzisen, undosierten Champagnern verarbeitet. Sein Lehrmeister? Bertrand Gautherot von Vouette & Sorbée, in dessen umgebauter Scheune die ersten Cuvées entstanden. Heute arbeitet Benoît in seiner eigenen Kellerei in Landreville – gebaut auf zwei Etagen für Schwerkraft-Vinifikation, ausgestattet mit burgundischer Sensibilität.




Mehr über Clandestin

Kimmeridgian und Portlandian: die DNA der Côte des Bar

Die Côte des Bar ist geologisch näher an Chablis als an Reims. Während die großen Häuser im Norden auf jungem Kreidekalk arbeiten, ruhen Benoîts Weinberge auf Kimmeridgian-Mergel und Portlandian-Kalkstein – beide aus dem Jura, reich an Meeresmuscheln und Mineralität. Diese Böden prägen die Champagner von Clandestin: Der BORÉAL stammt von Nordlagen auf Kimmeridgian und zeigt wilde Erdbeeren mit salziger Frische. Der AUSTRAL kommt von Südhängen, ist vielschichtiger, mit mehr Tiefe und gastronomischem Potenzial.

Weinberge von Clandestin in der Côte des Bar

Burgundische Präzision in der Champagne

Benoît wuchs in Beaune auf und lernte bei Jean-Philippe Fichet in Meursault – einem der besten Weißwein-Winzer des Burgunds. Diese Schule prägt seinen Stil: Er bevorzugt größere 500-600-Liter-Fässer statt der klassischen burgundischen Pièces, weil sie die Weine schlanker halten und weniger Schwefel erfordern. „Es bewahrt die Reinheit“, sagt er. Die Spontangärung beginnt temperaturkontrolliert, die Grundweine reifen zwölf Monate im Holz, dann noch einen Winter „en masse“ im Tank. Nach der Flaschengärung lagern die Champagner mindestens 15 Monate sur lattes – alle undosiert, Brut Nature.

Ein Micro-Négoce mit Mission

Clandestin kauft ausschließlich Bio-Trauben von elf Partnerwinzern. Das Besondere: Benoît unterstützt die Winzer aktiv bei der Umstellung auf biologische Bewirtschaftung und zahlt faire Preise – statt ihre Trauben in anonymen Großhaus-Blends verschwinden zu lassen, bekommen sie den fertigen Wein zu schmecken. Seine 2023 fertiggestellte Kellerei in Landreville ermöglicht Schwerkraft-Vinifikation auf zwei Etagen – sanfte Behandlung ohne Pumpen. Ein Projekt, das zeigt: Auch ohne eigene Weinberge kann man Champagne mit Seele machen.

Moderne Kellerei von Clandestin in Landreville

Die Cuvées: Nord, Süd und Einzellagen

Die Struktur ist schlüssig: BORÉAL vereint Nordhang-Pinot Noirs, AUSTRAL die südexponierten Lagen – beide reinsortig, beide Kimmeridgian. Für die Chardonnays gibt es Les Grandes Lignes vom berühmten Portlandian-Lieu-dit Sorbée in Buxières-sur-Arce. Und dann ist da die Linie Les Passagers – „die Durchreisenden“: ephemere Einzellagen-Champagner, die nur für wenige Jahrgänge entstehen. Fiole etwa kommt aus Ville-sur-Arce, straff und salzig mit Mandelnoten. Wer Winzer wie Olivier Horiot aus der Côte des Bar schätzt, ist hier richtig.

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