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Lacourte-Godbillon

Géraldine und Richard Lacourte-Godbillon mit Team

Die Urgroßeltern füllten 1947 den ersten eigenen Champagner, die Großeltern gaben dem Haus 1968 seinen Namen – und 2008 kehrten Géraldine und Richard aus der Großstadt zurück, um alles noch einmal neu zu denken. Champagne Lacourte-Godbillon steht heute für biodynamischen Weinbau in der Petite Montagne de Reims: 8,5 Hektar Premier Cru in Écueil und Les Mesneux, dominiert von alten Pinot Noir-Reben auf reinem Kalkstein. Die neunte Generation Winzer, die dritte mit eigenem Etikett.




Mehr über Lacourte-Godbillon

Vom Büro in den Weinberg

2006 war das Jahr der Entscheidung. Géraldine arbeitete im Marketing, Richard im internationalen Industrievertrieb – beide in Paris, beide gut situiert. Doch als die Frage kam, wer das Familienweingut weiterführen würde, gab es nur eine Antwort. Sie kündigten, zogen nach Écueil, holten 2007 das Önologie-Diplom nach und übernahmen 2008 die Reben. Keine sanfte Übergabe, kein Teilzeit-Winzern: Der Bruch mit dem alten Leben war radikal. Die Urgroßeltern hatten 1947 den ersten Champagner unter eigenem Namen gefüllt, 1968 gaben die Großeltern dem Haus seinen heutigen Doppelnamen. Jetzt, in der neunten Generation, war es Zeit für den nächsten Schritt.

Das Team von Lacourte-Godbillon im Fasskeller

Lacourte-Godbillon Champagne Keller mit Fässern

Der Wald von Écueil

Écueil liegt im Herzen der Petite Montagne de Reims, eingeklemmt zwischen Kalksteinhängen und einem kleinen Wald. Dieser Wald ist mehr als Kulisse: Die Eichen, aus denen die Fässer im Keller stammen, wachsen hier – wenige hundert Meter von den Reben entfernt. Holz aus dem eigenen Terroir, eine Seltenheit selbst in Burgund. Die Böden sind reiner Kalkstein, die Exposition meist südlich, das Mikroklima durch den Wald geschützt. 85 Prozent der 8,5 Hektar sind mit Pinot Noir bepflanzt, der Rest mit Chardonnay – eine ungewöhnliche Dominanz für die Champagne. Die Reben in den besten Lagen – Chaillots, Monts Âme, Migerats – sind zwischen 40 und 70 Jahre alt.

Demeter im Champagnerland

Die Umstellung auf biologischen Anbau begann sofort nach der Übernahme, 2012 kam die EU-Bio-Zertifizierung, seit 2020 ist das Weingut Demeter-zertifiziert – die strengste Form der Biodynamie. Kein Pestizid, kein Herbizid, Präparate aus Brennnessel, Schachtelhalm und Baldrian statt synthetischer Chemie. Die Handlese ist selbstverständlich, ebenso wie die spontane Vergärung mit wilden Hefen. Im Keller dominieren Stahltanks und die Eichenfässer aus dem Wald von Écueil, die den Weinen Struktur geben ohne sie zu überlagern. Unweit von hier, im Nachbardorf Chamery, arbeitet Bonnet-Ponson nach ähnlicher Philosophie: Auch dort hat die junge Generation auf Bio umgestellt, auch dort dominiert Pinot Noir, auch dort zählt Terroir mehr als Technik.

Drei Champagner, drei Philosophien

Der Terroirs d’Écueil ist das Fundament: 85% Pinot Noir, 15% Chardonnay, Extra Brut mit nur 3 Gramm Dosage. Er zeigt, was der Kalkstein von Écueil kann – mineralisch, straff, mit feiner Zitrusfrucht und einer salzigen Note im Abgang. Die Chaillots Hautes Vignes geht einen Schritt weiter: Ein reinsortiger Pinot Noir von den höchsten Parzellen, vinifiziert im Eichenholz aus dem Wald von Écueil, mindestens 60 Monate auf der Hefe. Und dann ist da M.A.M. – Monts Âme-Migerats, benannt nach zwei historischen Parzellen mit 70-jährigen Reben, Brut Nature ohne jede Dosage. Wer Champagner jenseits der großen Namen sucht, findet hier Tiefe ohne Schnörkel.

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