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Nikolaihof

Nikolaus Saahs jr. vom Nikolaihof Wachau

Ein Weinkeller, in dem schon römische Legionäre ihren Durst stillten – klingt nach Legende, ist beim Nikolaihof Wachau aber Realität. Das älteste Weingut Österreichs steht auf römischen Fundamenten aus 63 v. Chr. Seit 1894 bewirtschaftet die Familie Saahs diesen Ort, seit 1971 biodynamisch nach Demeter. Auf 22 Hektar reifen Riesling und Grüner Veltliner in großen Holzfässern – manchmal 20 Jahre. Das Ergebnis? Der erste österreichische Wein mit 100 Parker-Punkten.




Mehr über Nikolaihof

Wo römische Legionäre ihre Reben pflanzten

Wer durch das Tor des Nikolaihof tritt, betritt lebendige Geschichte. Unter den Füßen liegen die Fundamente von Favianis, einem römischen Kastell aus dem Jahr 63 vor Christus. Die Kelten verehrten diesen Ort schon lange zuvor als heiligen Platz. Im Innenhof steht noch heute die mittelalterliche Agapitus-Kapelle, während der Weinberg „Im Weingebirge“ als erster urkundlich erwähnter Weinberg Europas gilt – dokumentiert seit dem Jahr 470 nach Christus. Keine Marketing-Geschichte, sondern historische Tatsache.

Historisches Schild am Nikolaihof mit der Geschichte der Familie Saahs

Demeter-Pioniere aus Notwendigkeit

Die Familie Saahs übernahm den Nikolaihof 1894, verlor während des Zweiten Weltkriegs jedoch große Teile des Besitzes. Als Großvater Saahs das Gut 1960 zurückkaufte, starb er im selben Jahr. Sein Sohn stand 1962 vor einem Neuanfang ohne Kapital – und wirtschaftete notgedrungen mit „alten Methoden“. Was als Mangel begann, wurde zur Überzeugung: Als Christine Saahs 1971 einheiratete, brachte sie ihre Erfahrung mit Rudolf Steiners biodynamischen Prinzipien mit. Der Nikolaihof wurde Österreichs erstes Demeter-zertifiziertes Weingut und bleibt bis heute der einzige zertifizierte biodynamische Produzent der Wachau. Als Fred Loimer 2006 im benachbarten Kamptal die Vereinigung respekt-BIODYN mitgründete, war der Nikolaihof längst Vorbild für eine neue Generation österreichischer Winzer.

20 Jahre Geduld im römischen Keller

Smaragdeidechse zwischen den Rebzeilen des Nikolaihof als Zeichen der Biodiversität

Im römischen Gewölbekeller arbeitet eine 350 Jahre alte Baumpresse – ein Monument aus Eichenbalken, das Weine von phänomenaler innerer Struktur hervorbringt. Die Moste vergären spontan in großen slawonischen Eichenfässern, manche lagern hier ein Jahrzehnt und länger. Die legendäre Vinothek-Linie verkörpert diese Philosophie: Der 1995er Riesling Vinothek reifte fast 20 Jahre, bevor er 2014 als erster österreichischer Wein 100 Parker-Punkte erhielt. Christine Saahs‘ Reaktion? Sie bot den raren Wein nur glasweise im eigenen Restaurant an – unter einer alten Linde im Innenhof.

Eleganz statt Konzentration

Während viele Wachauer auf Kraft und Extrakt setzen, wählt Nikolaus Saahs jr. einen anderen Weg. Seine Weine – der mineralische Im Weingebirge Grüner Veltliner oder der komplexe Steiner Hund Riesling – zeigen moderate Alkoholwerte und erstaunliche Langlebigkeit. Die 22 Hektar funktionieren als lebendiger Organismus: Zwischen den Reben wachsen Wildkräuter, Bienen summen, Smaragdeidechsen sonnen sich auf den Steinterrassen. Diese Biodiversität schmeckt man – in Weinen von kristalliner Klarheit und filigraner Struktur.

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