Zum Inhalt springen

Domaine Zind-Humbrecht

Olivier Humbrecht - Domaine Zind-Humbrecht

Wenn ein Winzer seine Biodynamik-Kenntnisse durch das Studium von Kuhmist entwickelt, ahnt man: Hier wirkt jemand mit unkonventionellen Methoden. Die Domaine Zind-Humbrecht gehört zu jenen seltenen Weingütern, die Wissenschaft und Intuition zu einer eigenen Sprache verbinden. Olivier Humbrecht, erster Franzose mit Master of Wine-Titel, bewirtschaftet 42 Hektar mit derselben Präzision, mit der er einst Londoner Buslinien studierte – dort lernte er seine schottische Frau Margaret kennen. Das Ergebnis sind Weine, die das Elsass in seiner ganzen geologischen Vielfalt widerspiegeln.




Mehr über Domaine Zind-Humbrecht

Der Mist-Student von London

1989 kehrt Olivier Humbrecht mit 26 Jahren aus London zurück – bewaffnet mit dem prestigeträchtigsten Weinabschluss der Welt und einer ungewöhnlichen Obsession. „Ich lernte über Biodynamik durch Mist“, erklärt er mit typisch trockenem Humor. Was als wissenschaftliche Neugier begann, revolutionierte das Familienweingut: 1996 stellte er die ersten fünf Hektar um, 2002 folgte die Demeter-Zertifizierung. Vater Léonard hatte bereits 1981 als erster Winzer Frankreichs Kühlsysteme in Holzfässer installiert – der Innovationsgeist liegt in der Familie. Heute arbeiten wieder Pferde in den steilsten Weinbergen Europas, während im Nachbardorf die Domaine Albert Mann ebenfalls biodynamische Pionierarbeit leistet.

Grand Cru Rangen de Thann

Vulkanfeuer am Steilhang

Der Grand Cru Rangen de Thann thront mit 68 Grad Neigung als steilste Weinbergslage des Elsass über dem Städtchen Thann. Hier, auf 5,5 Hektar vulkanischen Gesteins, entstehen Weine von mineralischer Intensität, die ihresgleichen suchen. Der Gewürztraminer Rangen de Thann zeigt, wie Vulkangestein Würze und Eleganz verbindet. Insgesamt bewirtschaftet das Weingut sechs Grand Cru Lagen auf 11,5 Hektar – jede ein geologisches Universum für sich. Der Brand bei Turckheim bringt granitische Mineralität, während Hengst und Goldert kalkgeprägte Finesse liefern.

Wenn Geduld zum Prinzip wird

Kein Wein verlässt den Keller vor ein bis zwei Jahren Reifezeit – ein Luxus, den sich nur wenige Produzenten leisten. Mindestens sechs Monate Hefekontakt verleihen den Weinen jene Textur, die Riesling vom Brand oder Pinot Gris aus dem Clos Windsbuhl zu Meisterwerken der Geduld macht. Die Erträge von nur 30-40 Hektolitern pro Hektar sind Programm. Émile Zind hatte bereits 1947 begonnen, seine Weine direkt an das Hôtel de Paris in Monte Carlo zu liefern – Qualität als Visitenkarte.

Olivier Humbrecht im Weinberg

Generationenwechsel mit Kontinuität

Seit 2019 arbeitet Pierre Émile Humbrecht als elfte Generation im Familienbetrieb mit. Die Humbrechts sind seit 1620 Winzer – eine Kontinuität, die in der modernen Weinwelt selten geworden ist. Der Riesling Brand Grand Cru zeigt exemplarisch, wie sich Tradition und Innovation ergänzen: klassische Rebsorte, moderne biodynamische Bewirtschaftung, zeitlose Eleganz. Olivier Humbrecht beschreibt Biodynamik als „Therapie für die Reben, Stress zu vergessen“ – ein Ansatz, der in jedem Glas spürbar wird. Das Monopol Clos Windsbuhl und weitere Einzellagen wie Clos Häuserer und Clos Jebsal komplettieren ein Portfolio, das das Elsass in seiner ganzen Komplexität abbildet.

de_DEDE