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Tarlant

Tarlant Mélanie und Benoît

1911 blockierten Winzer die Straßen der Champagne. Mittendrin: Louis Tarlant, Bürgermeister von Œuilly, der gegen die Großhäuser kämpfte, die portugiesische Trauben als Champagner verkauften. Dieser Geist lebt heute bei Champagne Tarlant weiter – in der zwölften Generation führen Benoît und Mélanie ein Weingut, das seit 1687 existiert und seit den 1970er Jahren Champagner ohne jede Dosage produziert. Jahrzehnte bevor Brut Nature zum Trend wurde, verzichteten die Tarlants bereits auf Zucker. 14 Hektar, aufgeteilt in über 55 Parzellen, alle sieben erlaubten Rebsorten der Champagne, ungepfropfte Reben aus den 1880ern – hier verbinden sich Rebellion und Handwerk zu Champagnern von kompromissloser Reinheit.




Mehr über Tarlant

Die Revoluzzer aus Œuilly

Als die großen Champagnerhäuser Anfang des 20. Jahrhunderts Trauben aus ganz Frankreich und sogar Portugal importierten und als Champagner verkauften, reichte es den Winzern. 1911 kam es zur Champagner-Revolution – und Louis Tarlant stand an vorderster Front. Als Bürgermeister von Œuilly organisierte er den Widerstand und erkämpfte die AOC-Grenzen mit. Nach sieben Jahren im Ersten Weltkrieg kehrte er zurück, fand verwüstete Weinberge vor – und schwor, nie wieder eine Traube an die Großen zu verkaufen. 1928 füllte er die erste eigene Cuvée ab. Damals existierten weniger als zehn unabhängige Winzer-Champagner-Produzenten in der gesamten Region.

Zero vor der Zeit

Jean-Mary Tarlant, Vater von Benoît und Mélanie, trieb die Rebellion weiter. Ende der 1970er Jahre begann er, Champagner ohne jede Dosage abzufüllen – zu einer Zeit, als man ihn dafür auslachte. Heute sind 90 Prozent der Tarlant-Produktion Brut Nature. Keine Zuckerzugabe bedeutet: nichts kann korrigiert werden. Der Wein muss aus sich heraus überzeugen. Dazu kehrte Jean-Mary zur Fassfermentation zurück, als alle anderen längst im Stahltank arbeiteten. Die heutige Generation – Benoît im Weinberg und Keller, Mélanie in Vertrieb und Geschäftsführung – hat diesen Weg konsequent fortgesetzt: biologische Bewirtschaftung, wilde Hefen, keine Filtration, keine malolaktische Gärung.

Weinberge von Tarlant in der Vallée de la Marne

Sand, der die Reblaus besiegte

Die Lage „Les Sables“ trägt ihren Namen zurecht. Der Boden ist so sandig, dass die Reblaus dort nie Fuß fassen konnte. Die Tarlants pflanzten hier in den 1880er Jahren ungepfropfte Chardonnay-Reben – via „bent cane method“, bei der ein Trieb vergraben wird, bis er Wurzeln schlägt. Solche Pre-Phylloxera-Reben machen weniger als 0,1 Prozent aller Champagne-Reben aus. Der La Vigne d'Antan ist das Ergebnis: ein Blanc de Blancs von atemberaubender Mineralität, acht bis zwölf Jahre auf der Hefe gereift.

Ebenso bemerkenswert: der La Vigne d'Or, ein reinsortiger Pinot Meunier von Reben aus 1947. In einer Region, die Meunier oft als Füllmaterial betrachtet, zeigt dieser Champagner, welche Tiefe die Sorte erreichen kann.

BAM! – Die vergessenen Trauben

Das Akronym steht für Blanc, Arbane, Meslier – drei fast ausgestorbene Rebsorten der Champagne. Während andere Produzenten auf die klassischen drei Sorten setzen, kultivieren die Tarlants alle sieben erlaubten Varietäten. Der BAM! kombiniert 46 Prozent Petit Meslier mit Pinot Blanc und Arbane – spätreifende Sorten, die Benoît Tarlant als Antwort auf den Klimawandel sieht. „Vielfalt bei den Pflanzen ist der Schlüssel, um widerstandsfähiger zu werden“, erklärt er.

Tarlant Champagner Genuss

Zwölf Generationen, ein Prinzip

Die Tarlants stehen in einer Reihe mit Winzern wie Georges Laval, die bewiesen haben, dass große Champagner nicht aus Marketingabteilungen kommen. Ihre Flaschen fanden sich auf der Karte des Noma in Kopenhagen – fünfmal zum besten Restaurant der Welt gewählt. Was 1911 mit Straßenblockaden begann, ist heute eine stille Revolution in Flaschenform: Champagner, der nichts versteckt und alles zeigt.

Häufige Fragen zu Tarlant

Was bedeutet „Brut Nature“ bei Tarlant Champagner?

Brut Nature bedeutet, dass dem Champagner nach der zweiten Gärung kein Zucker (Dosage) zugesetzt wird. Bei Tarlant sind über 90 % der Produktion Brut Nature – bereits seit den 1970er Jahren, lange bevor dies zum Trend wurde. Das Ergebnis sind Champagner von kompromissloser Reinheit, bei denen Terroir und Traubenqualität ungefiltert zum Ausdruck kommen.

Welche Rebsorten verwendet Tarlant?

Tarlant kultiviert alle sieben in der Champagne zugelassenen Rebsorten: Chardonnay, Pinot Noir, Pinot Meunier sowie die seltenen Sorten Pinot Blanc, Arbane, Petit Meslier und Pinot Gris. Besonders bemerkenswert sind die ungepfropften Pre-Phylloxera-Chardonnay-Reben aus den 1880er Jahren in der Lage „Les Sables“.

Was macht Tarlant Champagner so besonders?

Drei Faktoren heben Tarlant hervor: 12 Generationen Erfahrung seit 1687, die Pionierrolle bei zuckerfreiem Champagner seit den 1970ern, und einzigartige Terroir-Schätze wie ungepfropfte Reben aus dem 19. Jahrhundert. Dazu kommen biologische Bewirtschaftung, wilde Hefen, Fassfermentation und Reifung von 8–12 Jahren auf der Hefe – Methoden, die viele Häuser erst heute wiederentdecken.

Was ist der beste Tarlant Champagner für Einsteiger?

Der Tarlant Zéro Brut Nature ist der ideale Einstieg: Eine Assemblage aus allen drei Hauptrebsorten, die das Tarlant-Profil perfekt verkörpert – präzise, mineralisch und ohne Dosage. Für Liebhaber von Pinot Meunier empfiehlt sich der La Vigne d'Or, für Chardonnay-Fans der La Vigne d'Antan von Pre-Phylloxera-Reben.

Ist Tarlant ein Bio-Champagner?

Ja, Tarlant bewirtschaftet alle 14 Hektar nach biologischen Prinzipien. Benoît Tarlant verzichtet auf Herbizide und synthetische Pflanzenschutzmittel. Die Arbeit im Weinberg orientiert sich an biodynamischen Praktiken, auch wenn das Weingut keine offizielle Zertifizierung anstrebt – für die Tarlants zählt die Substanz, nicht das Label.

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