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Chiara Boschis - E.Pira & Figli

1994, mitten in der Nacht, schlich Chiara Boschis durch ihre Rebzeilen. Sie schnitt grüne Trauben ab – heimlich, damit die Nachbarn es nicht sahen. E.Pira & Figli war damals ein Experiment.
Heute ist sie die Grande Dame des Barolo. Als einzige Frau der legendären Barolo Boys revolutionierte sie den Wein: kürzere Maischezeiten, Barriques, frühere Zugänglichkeit. Ihr erster Jahrgang 1990 gewann den Tre Bicchieri.
Neun Generationen Weinbau. Seit 2010 führt sie das Weingut mit Bruder Giorgio.
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Die Rebellin im Cannubi
Als Gigi Pira 1981 ohne Erben starb, kaufte die Familie Boschis das traditionsreiche Weingut im Herzen von Barolo. Chiara, damals Studentin der Wirtschaftswissenschaften in Turin, überzeugte ihre Eltern, ihr Haus zu verpfänden. 1990 übernahm sie die Leitung – als erste Frau, die ein Weingut in der Langhe besaß und führte.
Was folgte, war eine stille Revolution. Gemeinsam mit Elio Altare, Domenico Clerico und anderen jungen Winzern brach sie mit den Traditionen: Grünernte zur Ertragsreduzierung, kürzere Maischegärung, Ausbau in französischen Barriques statt in großen Holzfässern. Die Weine wurden früher zugänglich, behielten aber ihre Alterungsfähigkeit.

Drei Crus, drei Charaktere
Elf Hektar bewirtschaftet das Weingut heute in den besten Lagen von Barolo, Monforte und Serralunga – ausschließlich biologisch zertifiziert seit 2014. Der Nebbiolo findet hier drei verschiedene Bühnen:
Der Barolo Cannubi stammt aus dem Herzstück der Appellation. Nur 0,7 Hektar, bepflanzt 1982 mit den Klonen Michet, Lampia und Rosé. Ein Wein von monumentaler Kraft und schier endloser Tiefe – etwa 300 Kisten pro Jahr, nicht mehr.
Der Barolo Mosconi wächst auf drei Hektar in Monforte d’Alba auf 400 Metern Höhe. Die kühleren Nächte schenken ihm Eleganz und feingliedriges Tannin. Der Barolo Via Nuova vereint Parzellen aus drei Gemeinden – denselben, in denen auch Vietti seine legendären Cru-Barolos erzeugt.
Bio als Überzeugung
Chiara war die erste im Cannubi, die auf biologischen Anbau umstellte. Doch dabei blieb sie nicht stehen: Sie initiierte das Cannubi Bio Projekt und überzeugte bis 2015 rund 80 Prozent der Winzer in dieser prestigeträchtigen Lage, ebenfalls auf Bio umzustellen. Ein diplomatisches Meisterwerk in einer Region, die Veränderungen skeptisch gegenübersteht.

Familie und Zukunft
2010 kehrte Bruder Giorgio nach dem Verkauf von Giacomo Borgogno zu E.Pira zurück – mit Ehefrau Daniella und den drei Töchtern Beatrice, Elena und Vittoria. Die zehnte Generation steht bereit.
Doch Chiara wäre nicht Chiara, wenn sie nur Wein machte. Mit dem Projekt Des Martin rettete sie das verlassene Bergdorf Valliera und produziert dort heute Castelmagno-Käse. Eine Frau, die nächtliche Grünernten durchführte, um ihre Nachbarn nicht zu verschrecken – und heute eine ganze Appellation zum Umdenken bewegte.

















