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Rémi Jobard

Rémi Jobard prüft einen Wein im historischen Steinkeller in Meursault

Sechs Stunden dauert eine Pressung – manchmal zwölf. Die Domaine Rémi Jobard in Meursault praktiziert eine Langsamkeit, die im modernen Weinbau selten geworden ist. In den historischen Gewölbekellern reifen die Weine in 600-Liter-Stockinger-Fässern statt in kleinen Barriques – das Ergebnis sind kristallklare Chardonnays von bestechender Mineralität, frei von aufdringlichen Röstaromen. Sarah Marsh MW bringt es auf den Punkt: „Spitzenqualität unter dem Radar.“




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Die Kunst der langsamen Pressung

Zwei gewaltige Pressen stehen im Keller der Domaine Rémi Jobard – beide dimensioniert, um die Trauben mit geringstmöglichem Druck über viele Stunden zu verarbeiten. Morgens geerntete Chardonnay-Trauben werden mindestens sechs Stunden gepresst, nachmittags gelesene Trauben oft über Nacht, volle zwölf Stunden lang. Diese schonende Methode extrahiert nur den feinsten Most, frei von Bitterstoffen und unerwünschten Phenolen. Das Resultat offenbart sich im Glas: eine Reinheit der Aromen, die selbst erfahrene Burgund-Kenner überrascht.

Weinberge der Domaine Rémi Jobard in Meursault bei Sonnenuntergang

600 Liter gegen 228

Wo andere Winzer auf die klassischen 228-Liter-Barriques setzen, wählt Rémi Jobard einen anderen Weg. Seine Weine reifen in 600-Liter-Fässern des österreichischen Küfermeisters Stockinger – gebaut aus französischer, österreichischer und slawonischer Eiche. Das größere Volumen bedeutet weniger Holzkontakt pro Liter Wein, der Sauerstoffaustausch geschieht langsamer und kontrollierter. „Das Holz soll den Wein unterstützen, nicht dominieren“, erklärt Jobard seine Philosophie. Die Weine verbringen rund 15 Monate in diesen Gebinden, gefolgt von weiterer Ruhezeit im Tank. Nur etwa ein Fünftel der Fässer wird jährlich erneuert. Das Ergebnis: Weine mit feiner Textur und schmelzigem Tannin, die vom Terroir erzählen statt vom Fass. Ähnlich kompromisslos arbeitet Boris Champy in den Hautes-Côtes de Beaune, wo ebenfalls Transparenz vor Opulenz steht.

Premier-Cru-Lagen mit Charakter

Rémis Weinberge erstrecken sich über neun Hektar in Meursaults besten Lagen. Mehr als zweieinhalb Hektar Village-Weinberge liefern Sous La Velle, Chevalières, Narvaux und En Luraule – jeder Lieu-dit mit eigenem Profil. Dazu kommen Parzellen in drei legendären Premier Crus: Les Charmes mit seiner samtigen Opulenz, Les Genevrières – benannt nach den Wacholderbüschen, die hier einst wuchsen – mit seiner straffen Mineralität aus alten Reben, und Le Poruzot-Dessus hoch am Hang zwischen 230 und 280 Metern, wo tonreiche Böden kraftvolle, lagerfähige Weine hervorbringen. Der Genevrières zeigt die ganze Bandbreite von Jobards Können: dicht und mineralisch, dabei nie schwerfällig.

Rémi Jobard beim Probieren im historischen Gewölbekeller mit Stockinger-Fässern

Bio seit den Neunzigern

Lange bevor biologischer Weinbau in Burgund zum Trend wurde, stellte diese Domaine um. 1994 verschwanden Kunstdünger und Pestizide, 1998 folgten die Herbizide. Heute ist das gesamte Weingut Ecocert-zertifiziert, die Rebzeilen werden manuell bearbeitet, begrünt und nicht mehr gedüngt. Der Cordon-Schnitt begrenzt die Erträge auf natürliche Weise. „Wir haben das Privileg, großartiges Terroir in Meursault zu besitzen“, sagt Jobard. „Alles was ich im Weinberg und im Keller tue, dient dazu, dass dieses Terroir transparent und unverschleiert zum Ausdruck kommt.“ Die Unfiltriertheit seiner Weine unterstreicht diesen Anspruch – sie gewinnen ihre Stabilität durch zwei Winter der Reifung statt durch technische Eingriffe.

Unter dem Radar zur Spitze

Der Meursault En Luraule schmeckt wie ein Premier Cru zu Village-Preisen. Selbst der Bourgogne Aligoté aus der Lage En Buzigny mit alten Reben besitzt eine Tiefe, die überrascht. Master of Wine Sarah Marsh notierte: „Rémis Weine wurden über ein Jahrzehnt zunehmend präziser und intensiver. Das ist Spitzenqualität unter dem Radar.“ Wer sich Zeit nimmt – und diese Weine brauchen Zeit zur Entfaltung –, wird mit Weißburgunder belohnt, die in ihrer kristallinen Klarheit, ihrer kühlen Frucht und prägnanten Mineralität zum Besten gehören, was Meursault hervorbringt.

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