
Vier Gesteinsarten auf fünf Hektar, eine von Wald umschlossene Mulde, 350 Meter über dem Rheintal. Das VDP-Weingut Odinstal in Wachenheim ist ein geologisches Unikum der Pfalz. Betriebsleiter Andreas Schumann nutzt diese Vielfalt aus Basalt, Muschelkalk, Keuper und Buntsandstein für Terroir-Vergleiche, die selbst erfahrene Weinkenner ins Staunen versetzen. Sein Credo: Identische Kellertechnik, unterschiedliche Böden – und plötzlich schmeckt man die Geologie. Biodynamisch arbeitet das VDP-Weingut seit 2006, Demeter-zertifiziert ist es seit 2013. Seit 2024 bewirtschaftet das Gut zusätzlich die Herxheimer Kalklagen Himmelreich und Honigsack, übernommen vom Weingut Schumacher, mit den ersten Spätburgundern des Hauses. Die Reben reifen hier 20 Tage später als im Tal – mehr Zeit für Komplexität, mehr Ausdruck im Glas.
Mehr über Odinstal
Die Waldlichtung mit vier Böden
Wo andere Weingüter einen Bodentyp bewirtschaften, hat Andreas Schumann gleich vier. Die Monopollage Wachenheimer Odinstal verdankt ihre geologische Vielfalt den Verwerfungen des Rheingrabens: Basalt vom nahegelegenen Pechsteinkopf, Muschelkalk, Keuper und gelber Buntsandstein liegen hier auf engstem Raum nebeneinander. Umschlossen von sieben Hektar Mischwald und vier Hektar magerer Wiesen, ohne weinbautreibende Nachbarn, findet die Biodynamie hier ideale Bedingungen – keine Abdrift von Spritzmitteln, keine Kompromisse.
Der Riesling GG Monopol 2022 bringt diese Komplexität ins Glas: rauchige Mineralität, präzise Säure, ein Wein, der seine Herkunft auf 350 Metern Höhe spürbar macht.

Schumann – der Winzer mit dem 501-Shirt
Andreas Schumann, Jahrgang 1978, trägt T-Shirts mit der Aufschrift „501″ – das Hornkieselpräparat der Biodynamie, sein tägliches Werkzeug. Er lernte bei Müller-Catoir und beim biodynamischen Pionier Bürklin-Wolf, studierte in Geisenheim und fand 2004 im Odinstal seine Berufung. Eigentümer Thomas Hensel hatte das verwilderte Gut in den 1990ern erworben und suchte jemanden, der die Biodynamie von Anfang an mitdenkt.
Das Wichtigste geschieht für Schumann im Weinberg. Im Keller folgt er dem Prinzip der Nicht-Intervention: Spontangärung ohne Temperaturkontrolle, langer Hefeausbau, minimaler Schwefeleinsatz. Die Weine werden so trocken, wie sie wollen – meist knochentrocken. Seine „Nakt“-Serie geht noch weiter: ungeschwefelt, mit Maischekontakt. Der Riesling bleibt dabei die Hauptrebsorte, aber auch Auxerrois, Weißburgunder und Silvaner profitieren von der kühlen Höhenlage.
Auf 350 Metern ticken die Uhren anders
Die Höhenlage prägt alles. Während im Tal die Lese längst läuft, reifen die Trauben im Odinstal noch drei Wochen. Diese verlängerte Vegetationsperiode schenkt den Weinen Frische und Spannung. Für Rotwein ist es hier oben zu kühl, dafür gedeihen Sorten, die kühle Nächte lieben: Gewürztraminer, Weißburgunder, Auxerrois und natürlich Riesling.
Den Rotwein liefert seit 2024 ein zweiter Standort. Anfang des Jahres übernahm Odinstal die Weinberge des Weinguts Schumacher in Herxheim am Berg, nördlich von Bad Dürkheim, samt einem 600 Jahre alten Gewölbekeller. Das Himmelreich, VDP.Grosse Lage, liegt auf tertiärem Kalk mit etwas Löss, von hohen Steinmauern umschlossen und spürbar wärmer als das Odinstal. Hier stehen Riesling aus den Jahren 1978 bis 1986, Spätburgunder, Chardonnay, Weißburgunder und Auxerrois. Der Honigsack, VDP.Erste Lage, ist purer Kalk mit nur einer dünnen Bodenauflage, bepflanzt überwiegend mit Spätburgunder. Von dort kommen die ersten Rotweine des Hauses, das Große Gewächs Himmelreich und die Erste Lage Honigsack, dazu Riesling als GG Himmelreich, als „Tertiär“ sowie als Auslese und Beerenauslese. Mit 0,19 Hektar Riesling von 1984 im Kallstadter Saumagen sind es heute gut zehn Hektar an zwei Standorten.
Auf den Wiesen des Guts weiden die Rinder eines benachbarten Landwirts, sie liefern den Mist und die Hüllen für die Präparate; Bienen von Imker Andreas Kramer bestäuben die Blüten. Das Odinstal ist nicht einfach ein Weingut – es ist ein geschlossener Organismus nach Demeter-Richtlinien.

Terroir-Vergleich als Philosophie
Die Bodenserie der Rieslinge – Basalt, Muschelkalk, Buntsandstein, seit 2024 auch Tertiär aus Herxheim – ist Schumanns Signature. Vier Weine, identisch vinifiziert, und doch grundverschieden im Charakter. Der Basalt vom Pechsteinkopf bringt vulkanische Tiefe und rauchige Noten, der Muschelkalk mineralische Präzision und salzige Länge, der Buntsandstein verspielte Eleganz mit floralen Akzenten, der tertiäre Kalk aus Herxheim Wärme, Opulenz und Würze. Für Weinliebhaber, die Terroir schmecken wollen, gibt es kaum einen besseren Lehrgang als diese vier Weine nebeneinander zu probieren.
Die Bezeichnung „350 N.N.“ auf vielen Etiketten verweist auf die Höhenlage der Monopollage – ein Statement, das die Besonderheit dieses Terroirs unterstreicht. Auch Steffen Christmann, der VDP-Präsident, arbeitet nur wenige Kilometer entfernt nach ähnlichen biodynamischen Prinzipien. In der Pfalz hat sich eine Szene formiert, die zeigt: Große deutsche Weine entstehen dort, wo man dem Boden vertraut und dem Keller misstraut. Odinstal steht dabei für das Kompromisslose – Weine, die ihren Ursprung nicht verschleiern, sondern zelebrieren.
Preisliste Odinstal
32 Weine · Stand 1. November 2026 · Preise inkl. MwSt., zzgl. Versand
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