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Rhône: Jahrgänge & Bewertungen

Die Rhône trägt einen Namen, aber sie erzählt in jedem Jahr zwei Geschichten. Im Norden, zwischen Vienne und Valence, wächst Syrah auf schmalen Granitterrassen, das Klima hat einen kontinentalen Einschlag, und die Reife kommt spät. Rund fünfzig Kilometer weiter südlich beginnt eine andere Welt: eine weite, mediterran geprägte Landschaft, in der Grenache den Ton angibt und meist mit Syrah, Mourvèdre und Cinsault verschnitten wird. Von dort kommen Châteauneuf-du-Pape, Gigondas und Vacqueyras ebenso wie der weitaus größte Teil der Erzeugung unter den Herkünften Côtes du Rhône und Côtes du Rhône Villages; der Norden steuert die kleinen, teuren Appellationen bei, von Côte-Rôtie und Condrieu über Saint-Joseph und Crozes-Hermitage bis Hermitage und Cornas.

Weil Rebsorte, Boden und Wetter so weit auseinanderliegen, fällt ein Jahrgang hier regelmäßig anders aus als dort. 2017 war im Norden eine lange, warme Saison ohne ernsthafte Zwischenfälle, während im Süden kalter Regen zur Blüte den Grenache verrieseln ließ und die Erträge um 30 bis 65 Prozent einbrachen. Umgekehrt gilt 1998 im Süden als Referenzjahr, während im Norden Aprilhagel das Plateau von Côte-Rôtie beschädigte. 1999 kehrt das Bild noch einmal um. Wer die Rhône nach Jahrgängen kauft, braucht deshalb zwei Spalten, nicht eine.

Die Zahlen auf dieser Seite sind Regionsdurchschnitte. Sie sagen, wie wahrscheinlich gutes Lesegut in einem Jahr war, nicht, wie eine einzelne Flasche schmeckt; in schwierigen Jahren entscheidet die Arbeit im Weinberg weit mehr als das Wetter, und die Abstände zwischen den Erzeugern werden größer statt kleiner. Wo die Kritiker uneins sind, steht das hier so; die Trinkreife-Hinweise geben den Stand 2026 wieder.

Legende: WS = Wine Spectator, getrennte Jahrgangstabellen Nord und Süd (1) (2) · JD = Jeb Dunnuck mit Reifecodes, E früh reif, Y jung, aber zugänglich, T tanninbetont und verschlossen, R trinkreif, U uneinheitlich, O im Abbau (3) · WCI = Wine Cellar Insider, getrennte Tabellen ab 1978 (4) (5). Ergänzend Vinous, Berry Bros. & Rudd, Inter Rhône und das Syndicat von Châteauneuf-du-Pape.

Was davon gerade im Haus liegt: unsere Châteauneuf-du-Pape-Auswahl im Überblick.

Rhône-Jahrgänge im Überblick: Nord und Süd
2024
20239394
20229495
20218788
20209693
20199694
20189292
20179792
20169799
20159997
20148988
20139189
20129293
20119291
20109898
20099694
20088688
20079195
20069293
20059497
20049093
20039493
20028276
20018994
20008893
19999690
19989097
19969080
19909697
19899393
19789898

Punkte-Bänder: unter 88 88–90 91–93 94–96 97+ ohne Wertung  ·  je Jahr: links Nord-Rhône · rechts Süd-Rhône (Wertungen wie im Text: Wine Spectator bzw. Cellar-Quellen)

2024

Vinous Noch ohne Wertung in den großen Tabellen. Im Norden war es das nasseste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, der Mehltaudruck erzwang zwölf bis sechzehn Behandlungen, und die Erträge blieben bei 37 Hektoliter je Hektar, in Hermitage bei 28. Im Süden verrieselte erneut der Grenache; Châteauneuf-du-Pape kam auf knapp unter 25 Hektoliter, den niedrigsten Wert seit 2018. Die Weine gelten als frisch und moderat im Alkohol, im Süden weniger gleichmäßig als 2023, aber mit Substanz für die Lagerung.

Aus diesem Jahrgang bei uns: Clos des Papes – Châteauneuf-du-Pape Blanc 2024 · Du Coulet – Côtes Du Rhône „Petit Ours“ rouge 2024 · Roche-Audran – Côtes du Rhône Blanc 2024 · Roche-Audran – Côtes du Rhône Rouge 2024 · Roche-Audran – Côtes du Rhône blanc „Cuvée César“ 2024.

2023

WS Nord 93, Süd 94. Im Norden brachte das Frühjahr Regen und Mehltau, im Juli schlug Hagel in Cornas ein, und im August lagen die Temperaturen sechzehn Tage in Folge über 32 Grad. Der Regen um den 18. September fiel dann sehr ungleich: Côte-Rôtie kam mit gut 20 Millimetern davon, in Hermitage, Crozes-Hermitage und Cornas gingen über 100 Millimeter an einem Tag nieder. Der Süden hatte das ruhigere Jahr; die Weine überraschen beiderseits mit Frische, im Süden saftig und weich, im Norden schlank und klar.

JD Nord 93 (Y), Süd 91 (Y). Früher zugänglich als 2022 und vermutlich weniger langlebig.

Aus diesem Jahrgang bei uns: Clos des Papes – Châteauneuf-du-Pape Blanc 2023 · Du Coulet – Côte-Rotie „Tupin's“ 2023 · Du Coulet – Côtes Du Rhône „No Wine's Land“ blanc 2023 · La Nerthe – Châteauneuf-du-Pape Blanc 2023 · Les Bruyères – Crozes Hermitage blanc, Aux Bêtises 2023 · Les Bruyères – Crozes Hermitage rouge Beaumont 2023 · Les Bruyères – Crozes Hermitage rouge Georges 2023 · Marcoux – Châteauneuf-du-Pape Blanc 2023 · d'Ouréa – Gigondas 2023 · d'Ouréa – Vacqueyras blanc 2023 · d'Ouréa – Vacqueyras rouge „Les Vignes du Parc“ 2023.

2022

WS Nord 94, Süd 95. Hitze und Trockenheit prägten beide Hälften, mit drei Hitzewellen über 40 Grad im Juli und August. Der Regen vom 15. August rettete den Jahrgang, im Süden allerdings begleitet von schwerem Hagel, der besonders auf La Crau Schäden anrichtete; einzelne Cuvées wurden gar nicht erst ausgebaut. Trotz der Extreme blieben die Weine frisch und moderat im Alkohol, im Süden üppig und seidig, im Norden strukturierter und noch verschlossen.

JD Nord 95 (T), Süd 91 (E). Châteauneuf-du-Pape erntete 27,5 Hektoliter je Hektar.

Aus diesem Jahrgang bei uns: Clos des Papes – Châteauneuf-du-Pape Rouge 2022 · Du Coulet – Cornas „Brise Cailloux“ 2022 · La Nerthe – Châteauneuf-du-Pape „Clos de Beauvenir“ Blanc 2022 · Les Bruyères – Crozes Hermitage rouge Les Croix Vieilles Vignes 2022 · Maison Stephan – Côte Rôtie „Côteaux de Bassenon“ 2022 · Marcoux – Côtes du Rhône Rouge 2022 · Roche-Audran – Côtes du Rhône Villages Visan Rouge 2022.

2021

WS Nord 87, Süd 88. Der schwächste Jahrgang der jüngeren Rhône-Geschichte, und einer der wenigen, die beide Hälften gleichermaßen trafen. Der Frost vom 7. und 8. April kostete den Norden über ein Drittel der Ernte, in Côte-Rôtie rund die Hälfte; in Châteauneuf-du-Pape reichten die Verluste von 40 bis 80 Prozent. Im Norden gerieten viele Rotweine schlank und unreif, während die Weißweine zu den Lichtblicken zählen; im Süden gelang einigen Erzeugern ein frischerer, um etwa ein Grad leichterer Stil.

JD Nord 84, Süd 86. Für Châteauneuf-du-Pape werden acht bis zwölf Jahre genannt.

Aus diesem Jahrgang bei uns: Clos des Papes – Châteauneuf-du-Pape Rouge 2021 · Marcoux – Châteauneuf-du-Pape Vieilles Vignes 2021 · Marcoux – Châteauneuf-du-Pape rouge 2021 · d'Ouréa – Vacqueyras rouge 2021.

2020

WS Nord 96, Süd 93. Ein Jahr, in dem der Norden klar vorne liegt. Das Frühjahr gehörte zu den wärmsten je gemessenen und blieb frostfrei, die Lese begann so früh wie seit 2003 nicht mehr, und kühle Nächte hielten trotz Hitze die Säure. Die nördlichen Weine sind elegant und fein texturiert, jung zugänglich und dennoch auf zwanzig bis fünfundzwanzig Jahre angelegt; im Süden war der Trockenstress größer, und die Weine geraten weich, aber uneinheitlicher.

JD Nord 97 (Y), Süd 93 (R).

Aus diesem Jahrgang bei uns: Du Coulet – Cornas „Billes Noires“ 2020 · Du Coulet – Côtes Du Rhône „No Wine's Land“ rouge 2020 · Marcoux – Châteauneuf-du-Pape Vieilles Vignes 2020 · Marcoux – Châteauneuf-du-Pape rouge 2020 · Roche-Audran – Côtes du Rhône Rouge „Cuvée César“ 2020.

2019

WS Nord 96 (halten), Süd 94. Im Norden reduzierten Wind zur Blüte und ein Hagelschlag am 15. Juni in Crozes-Hermitage die Menge örtlich um bis zu 80 Prozent, während die übrigen Crus verschont blieben; Augustregen löste blockierte Reifeverläufe, und die Rotweine sind dicht und präzise. Im Süden trug ein nasser Winter die Reben durch eine Saison, in der sieben von zehn Tagen über 30 Grad lagen; Grenache und Mourvèdre reiften ausgezeichnet, doch dem Jahrgang fehlt laut Tabelle das Rückgrat der ganz großen Jahre.

JD Nord 96 (T), Süd 95.

Aus diesem Jahrgang bei uns: Marcoux – Châteauneuf-du-Pape rouge 2019 · Roche-Audran – Châteauneuf-du-Pape 2019 · Roche-Audran – Côtes du Rhône Villages Visan Rouge Marius „Père Mayeux“ 2019.

2018

WS Nord 92, Süd 92. Der Süden trug die Last: Nasse Frühjahrsmonate und schwacher Mistral ließen den falschen Mehltau eskalieren, die Luftfeuchte war die höchste seit 1973, und der Grenache verlor in manchen Lagen bis zur Hälfte der Ernte. Der Norden kam nach den Ernteberichten mit gesundem, vollem Lesegut durch. Die Weine sind weich, samtig und säurearm; JD und WCI setzen den Norden mit 95 beziehungsweise 96 Punkten deutlich über den Süden, während WS beide gleich bewertet.

JD Nord 95 (Y), Süd 89.

Aus diesem Jahrgang bei uns: Du Coulet – Côte-Rotie „Tupin's“ 2018 · Maison Stephan – Côte Rôtie „Côteaux de Tupin“ 2018.

2017

WS Nord 97 (halten), Süd 92. Der klarste Nord-Süd-Bruch der jüngeren Zeit. Im Norden verlief die Saison lang, warm und trocken, mit kühlen Nächten und gut getimtem Spätregen. Im Süden brachte ein kalter, regnerischer Mai zur Blütezeit schwere Verrieselung beim Grenache, danach fiel bis Mitte November praktisch kein Regen mehr; die Erträge brachen um 30 bis 65 Prozent ein, Gigondas besonders stark. Die Kritiker gehen hier auseinander: JD bewertet den Süden sogar knapp über dem Norden.

JD Nord 95 (T), Süd 96 (T).

Aus diesem Jahrgang bei uns: Du Coulet – Cornas „La Géniale Patronne“ 2017 · La Nerthe – Châteauneuf-du-Pape „Cuvée des Cadettes“ Rouge 2017.

2016

WS Nord 97 (halten), Süd 99 (halten). Das Referenzjahr des Südens: Warme Tage und kühle Nächte erzeugten eine ungewöhnlich große Tagesamplitude, die Reife verlief langsam und gleichmäßig, und die Rotweine sind fruchtdicht und zugleich rassig. Im Norden lief das Jahr schwieriger an, mit verzögerter Blüte und Aprilhagel in Hermitage, der die Menge stellenweise auf ein Drittel drückte; ab Juli kippte das Wetter, und die Weine kamen reif und mit weniger Alkohol als 2015 herein.

JD Nord 92 (T), Süd 99 (T). WCI Nord 95, Süd 98. Alle drei Tabellen setzen den Süden vorn.

2015

WS Nord 99 (halten), Süd 97 (halten). Das Gegenstück zu 2016, denn hier ist der Norden die Referenz. Der Sommer war heiß und trocken, die Nächte kühl, der Regen fiel zum richtigen Zeitpunkt, Krankheitsdruck gab es keinen, und die Erträge blieben normal. Im Süden litten unter schwerem Augustregen die früher reifenden Sorten Viognier und Syrah, während Grenache und Mourvèdre ausgezeichnet ausreiften; der südliche Stil neigt zur Kraft, mit hohen Alkoholwerten und niedriger Säure.

JD Nord 99 (Y), Süd 92 (T). WCI Nord 98, Süd 96.

Aus diesem Jahrgang bei uns: Du Coulet – Cornas „Gore“ 2015 (Magnum).

2014

WS Nord 89, Süd 88. Die Tabellen sind sich nicht einig, wer besser abschnitt, wohl aber, welches Unglück wo zuschlug. Im Norden traf Hagel Cornas, Hermitage und Crozes-Hermitage, und in Côte-Rôtie richtete die Kirschessigfliege Schaden an, was örtlich auf halbe Erträge hinauslief. Im Süden war der September nasser und Botrytis zwang zu strenger Auslese, dafür lieferte der Grenache nach dem Ausfall des Vorjahres wieder normal.

JD Nord 87 (E), Süd 87 (E). Die Weine sind beiderseits leichter als üblich.

2013

WS Nord 91, Süd 89. Der Norden liegt in allen drei Tabellen vorn, und der Grund liegt im Süden. Dort war das Frühjahr das kälteste seit Jahren, im April fielen 217 Millimeter Regen, und der Grenache, der in Châteauneuf-du-Pape rund drei Viertel der Rebfläche stellt, verrieselte massiv; der Ertrag sank auf 26 Hektoliter je Hektar, und gelesen wurde bis in den Oktober hinein. Im Norden blieb die Menge klein, doch die Weißweine gerieten ausgezeichnet. 2013 ist mithin ein Rotwein-Problem, kein Jahrgangsproblem.

JD Nord 89 (T), Süd 87 (R).

2012

WS Nord 92, Süd 93. Im Norden folgte auf einen sehr trockenen Winter ein nasses Frühjahr mit schwieriger Blüte und kleinen Erträgen, das ein starker September rettete. Im Süden tötete der Februar mit minus zwölf Grad einzelne alte Grenache-Stöcke ab, von Mai bis September herrschte nahezu Dürre, und die Produktion lag 20 bis 30 Prozent unter Normal. Die Weine sind rund und gut proportioniert, im Norden allerdings nicht auf lange Lagerung angelegt.

JD Nord 91 (E), Süd 92 (R).

2011

WS Nord 92, Süd 91. Der Norden war die verlässlichere Adresse: Auf eine ideale Blüte folgten kaltes, feuchtes Wetter im Juni und Juli und ein ordentlicher August, und der Syrah erreichte gute phenolische Reife. Im Süden waren April bis Juni sehr heiß und trocken, danach brachten Juli und August reichlich Regen, und erst ein Altweibersommer rettete die Reife. Das südliche Bild bleibt uneinheitlich, weil der Grenache leicht ausfiel und Syrah und Mourvèdre die Verschnitte tragen mussten.

JD Nord 93 (R), Süd 90 (R). Beide Hälften sind heute austrinkbereit.

2010

WS Nord 98 (halten), Süd 98 (halten). Das einzige Jahr dieser Aufstellung, in dem jede Tabelle beide Hälften an die Spitze ihrer Skala setzt. Der Mechanismus war überall derselbe: Ein kühles, nasses Frühjahr mit schlechter Blüte drückte die Menge auf historisch niedrige Werte, danach folgte ein trockener Sommer mit warmen Tagen und kühlen Nächten, und die späte, langsame Reife erhielt die Säure. In Châteauneuf-du-Pape lag der Ertrag bei 27 Hektoliter je Hektar.

JD Nord 97 (T), Süd 99 (R). WCI Nord 99, Süd 99. Nach sechzehn Jahren zeigt sich der Süden offen, der Norden noch verschlossen.

2009

WS Nord 96, Süd 94 (trinken). Eine warme, trockene Saison mit früher Lese, in der im Norden Regen Mitte August und kühle Nächte die Frische hielten. Im Süden fielen zwischen dem 9. Juni und dem 14. September weniger als 30 Millimeter Regen, weniger noch als im Dürrejahr 2007, und der Alkohol erreichte vielfach 15,5 Prozent. Im Vergleich steht 2009 für Reife und 2010 für Frische: Im Süden liegt 2010 in jeder Tabelle vorn, im Norden sind beide gleichauf.

JD Nord 98 (T), Süd 95 (E). WCI Nord 99, Süd 96.

2008

WS Nord 86 (trinken), Süd 88 (trinken). Eine kühle, graue, nasse Saison, in der die roten Sorten kaum ausreiften. Im Norden blieben viele Rotweine schlank und kräuterwürzig, während die Weißweine mit reifer Frucht und lebendiger Säure überzeugten; in der Tabelle von Andrew Jefford stehen sie mit vier Sternen doppelt so hoch wie die Rotweine. Im Süden rettete erst der Mistral zum Saisonende die kleine Ernte, und viele Erzeuger strichen einzelne Cuvées.

JD Nord 79 (U), Süd 86 (R).

2007

WS Nord 91, Süd 95 (trinken). Das große Grenache-Jahr des Südens: Auf ein feuchtes Frühjahr folgte ein trockener, warmer Sommer mit beständigem Wind, und die Trauben hingen rund 120 statt der üblichen 100 Tage am Stock, ohne Hitzespitzen. Daraus entstanden reife, kraftvolle und zugleich harmonisch tanninierte Weine. Der Norden hatte eine unruhigere Saison, ein Hagelschlag am 21. Juni traf die Côte Brune, und die Weine sind frisch und zugänglich, ohne die Tiefe der Spitzenjahre.

JD Nord 89 (E), Süd 97 (R). WCI Nord 91, Süd 97.

2006

WS Nord 92, Süd 93. Ein Jahr zwischen zwei lauteren Nachbarn und deshalb oft übersehen. Auf einen kalten Winter folgten kühles Wetter zur Blüte im Norden, kräftiger Sommermistral und Niederschlag zur Erntezeit; wer auf volle Reife wartete, machte die besseren Weine. Die nördlichen Rotweine sind reif und frisch bei offener Struktur, im Süden fallen sie klar und ausgewogen aus. Welche Hälfte vorn liegt, beantworten die Quellen unterschiedlich.

JD Nord 92 (R), Süd 93 (R).

2005

WS Nord 94, Süd 97. Im Norden folgte auf einen kalten Winter ein trockener, meist warmer Sommer mit kühlen Nächten; die Weine haben klassische Struktur und genügend Säure für lange Lagerung. Im Süden war es das dritte Trockenjahr in Folge, mit gut getimtem Regen und langsamer, gleichmäßiger Reife; die natürlichen Alkoholwerte lagen zwischen 13,5 und 15 Prozent, und WS stellt den Jahrgang neben 1998 und 1990.

JD Nord 89 (T), Süd 93 (R). WCI Nord 92, Süd 96. Im Norden urteilt JD deutlich zurückhaltender als WS.

2004

WS Nord 90 (trinken), Süd 93 (trinken). Im Norden entschied die Ertragsregulierung über das Ergebnis; die besten Weine sind frisch und ausgewogen, andere blieben kantig und grün, während die Weißweine aus Condrieu hervorragend gerieten. Im Süden verzögerten ein kühles, feuchtes Frühjahr und kräftiger Junimistral die Vegetation, das Jahr blieb trocken, aber weit kühler als 2003, und aus einer kleinen Ernte entstanden klar gezeichnete, verlässliche Weine.

JD Nord 85 (R), Süd 89 (R).

2003

WS Nord 94, Süd 93 (trinken). Das Hitzejahr, und eines der wenigen, in denen der Norden in jeder Tabelle vorne liegt. Extreme Hitze und Dürre erzeugten dort eine kleine Ernte mit sehr weiter Qualitätsspanne; die besten Weine stammen aus Hermitage, außerhalb davon fällt der Jahrgang uneinheitlich aus, und den Weißweinen fehlt vielfach die Säure. Im Süden entstanden kraftvolle Rotweine mit rauem Tannin, von denen viele überreif gerieten und schnell alterten.

JD Nord 96 (R), Süd 90 (U). WCI Nord 97, Süd 91.

2002

WS Nord 82, Süd 76, beide über den Höhepunkt hinaus. Das Unwetter vom 8. und 9. September brachte in Châteauneuf-du-Pape rund 400 Millimeter Regen in zwei Tagen; knapp 40.000 Hektar Rebfläche und damit etwa ein Drittel des Anbaugebiets standen unter Wasser, mindestens 22 Menschen kamen ums Leben. Ein führendes Châteauneuf-Gut verwarf die Hälfte der Ernte, ein anderes füllte seinen Wein gar nicht erst ab. Der Norden wurde nicht überflutet, litt aber vor der Lese unter schwerem Fäulnisdruck im Syrah.

JD Nord 78 (O), Süd 55 (O). WCI Nord 70, Süd 60. Der Jahrgang ist zu übergehen.

2001

WS Nord 89 (trinken), Süd 94 (trinken). Im Süden blieb es von Mitte Juli bis Ende September sehr trocken, ein Mistral Anfang September konzentrierte die Zuckerwerte, während die Tannine zurücklagen; wer bis in den Oktober wartete, erntete dichtere Weine, und diese 2001er haben mit den Jahren an Gewicht gewonnen. Im Norden zwang schwerer Regen am 22. und 23. September manche zu vorzeitiger Lese; die Weine zeigen dort feinkörniges Tannin und die florale Seite des Syrah.

JD Nord 89 (R), Süd 95 (R). WCI Nord 92, Süd 98.

2000

WS Nord 88 (trinken), Süd 93 (trinken). Der Abstand zwischen den Hälften ist hier größer als in fast jedem anderen Jahr; auf der Tabelle von Andrew Jefford stehen dem Norden drei Sterne gegen fünf im Süden gegenüber. Im Norden blockierte ab Ende August Trockenstress die Reife, die Erträge waren hoch, die Säure ging im September verloren, und die Weine wirken heute vielfach dünn. Im Süden ergab eine große Ernte üppige, samtige Weine mit überreifem Grenache, denen die Struktur der klassischen Jahre fehlt.

WCI Nord 83, Süd 95.

1999

WS Nord 96 (trinken), Süd 90 (trinken). Das Spiegelbild des Vorjahres. Im Norden hielt ein Hagelschlag Anfang Juni kurz vor der Blüte die Menge klein, die Saison reifte früh und erreichte Rekordwerte beim Zucker; daraus entstanden ungewöhnlich reiche Weine, am stärksten in Côte-Rôtie. Im Süden traf Regen Mitte September die späteren Leser, und während Syrah und Mourvèdre ausgezeichnet abschnitten, erreichte der Grenache nicht das Niveau des Vorjahres. Der Grund für die sechs Punkte Abstand ist ausdrücklich die Rebsorte.

WCI Nord 96, Süd 90.

1998

WS Nord 90 (trinken), Süd 97 (trinken). Der Referenzjahrgang des Südens. Nach einem regnerischen Frühjahr fügte sich alles: gleichmäßige Blüte, warmer, sonniger und trockener Sommer, ebensolche Lese, und der Grenache erreichte trotz großer Erntemenge volle Reife. Es ist der Jahrgang, in dem in Châteauneuf-du-Pape die Bewegung zu Sonder- und Einzellagen-Cuvées Fahrt aufnahm. Im Norden richtete Aprilhagel auf dem Plateau von Côte-Rôtie erheblichen Schaden an; die Weine geraten dort klassisch und straff und nähern sich inzwischen ihrem Höhepunkt.

WCI Nord 94, Süd 97.

1996

WS Nord 90 (trinken), Süd 80 (über den Höhepunkt hinaus). Der weiteste Nord-Süd-Abstand der ganzen Reihe, und damit das deutlichste Beispiel dafür, dass eine einzelne Jahrgangszahl für die Rhône nicht ausreicht. Im Norden ergab eine große Ernte Weine mit hoher Säure, deren beste als fein und elegant gelten; im Süden folgten auf einen milden, nassen Winter ein wechselhafter Sommer und kühle Erntetage, woraus leichte, früh trinkbare Rotweine und einige sehr gute Weißweine entstanden. Auch 1997 fiel mit sieben Punkten zugunsten des Nordens aus. Zu kaufen gibt es hier nichts mehr; wer noch Flaschen liegen hat, sollte sie öffnen.

WCI Nord 84, Süd 88. Dort kehrt sich die Rangfolge um, der Rekordabstand ist also eine Lesart von WS und kein gesicherter Befund.

1990

WCI Nord 96 (trinken), Süd 97 (trinken). Im Süden das Jahr, mit dem die moderne Ära von Châteauneuf-du-Pape beginnt: trockener Winter, nasses Frühjahr, warmer und sonniger Sommer, daraus reiche, üppige Weine, die den Ruf der Appellation international neu begründeten. Im Norden fiel der Jahrgang gleichmäßiger aus als der folgende, und die Weine blieben nach mehr als 25 Jahren Flaschenreife konzentriert und lebendig, sollten inzwischen aber getrunken werden.

1989

WCI Nord 93 (trinken), Süd 93 (trinken). Im Norden war das Jahr von hohen Erträgen und einem sehr heißen, trockenen September geprägt, der bis in die Lese hinein anhielt; die Weine haben Charakter und Aromatik, verlangen nach fast drei Jahrzehnten Flaschenreife aber nach dem Korkenzieher. Im Süden reiften die Trauben vollständig aus, doch die hohen Erträge hinterließen bei einem Teil der Weine eine rustikale Textur, die sich nie ganz verlor.

1978

WCI Nord 98, Süd 98. Der alte Maßstab, und zwar auf beiden Seiten zugleich. Ein nasses Frühjahr verzögerte den Start, doch ein warmer, sonnendurchfluteter Sommer machte das mehr als wett. Im Süden gilt der Jahrgang als der beste seit 1961, im Norden brachten Côte-Rôtie und Hermitage Weine hervor, die bis heute als Referenz zitiert werden. Von den südlichen Flaschen ist der größte Teil verblasst; im Norden entscheidet die einzelne Flasche.

Häufige Fragen

Welche sind die 13 Rhône-Rebsorten?

Gemeint sind meist die dreizehn Sorten des Châteauneuf-du-Pape: Grenache, Syrah, Mourvèdre, Cinsault, Counoise, Muscardin, Vaccarèse, Terret Noir, Picpoul, Clairette, Bourboulenc, Roussanne und Picardan. Zählt man die Farbspielarten einzeln, kommt man auf achtzehn.

Was sagt der Jahrgang bei Wein aus?

Er erzählt vom Wetter des Jahres: Wärme und Trockenheit geben Konzentration und Alkohol, ein kühler Verlauf Frische und Säure. An der Rhône laufen Nord und Süd dabei oft auseinander – deshalb bewerten wir sie getrennt.

Welche Weinjahrgänge sind die besten?

Das eine beste Jahr gibt es nicht: Syrah im Norden und Grenache im Süden reagieren verschieden auf dasselbe Wetter. Die Übersicht oben zeigt Jahr für Jahr, welche Seite der Rhône vorn lag.

Quellen:

1. https://www.winespectator.com/vintage-charts/region/rhone-northern

2. https://www.winespectator.com/vintage-charts/region/rhone-southern

3. https://jebdunnuck.com/vintage-chart/

4. https://www.thewinecellarinsider.com/rhone-wines-cote-rotie-hermitage-chateauneuf-du-pape/northern-rhone-vintage-chart-1978-harvest-growing-season-wine-styles/

5. https://www.thewinecellarinsider.com/rhone-wines-cote-rotie-hermitage-chateauneuf-du-pape/chateauneuf-du-pape-wine-producer-profiles/chateauneuf-du-pape-southern-rhone-vintage-chart-1978-today/

6. https://www.winescholarguild.com/vintage-charts/french-wine-vintage-chart/rhone-valley-vintage-chart

7. https://www.vins-rhone.com/en/rhone-valley-vineyards/rone-valley-vintages

8. https://en.chateauneuf.com/appellation-chateauneuf-du-pape/vintages/

9. https://v1.vinous.com/articles/northern-rhone-2024-one-hill-rises-jan-2026

10. https://v1.vinous.com/articles/northern-rhone-2023-the-art-of-perseverance-jan-2025

11. https://v1.vinous.com/articles/chateauneuf-du-pape-2024-dark-elegance-oct-2025

12. https://v1.vinous.com/articles/chateauneuf-du-pape-2022-bring-it-on-jun-2024

13. https://billing.vinous.com/articles/never-a-dull-vintage-in-the-northern-rhone-dec-2022

14. https://billing.vinous.com/articles/2007-and-2006-rhone-valley-wines-jan-2009

15. https://billing.vinous.com/articles/2005-and-2004-rhone-valley-wines-jan-2007

16. https://billing.vinous.com/articles/2001-and-2000-rhone-valley-wines-jan-2003

17. https://billing.vinous.com/articles/1999-and-1998-rhone-valley-wines-jan-2001

18. https://www.bbr.com/articles/guides/northern-rhone-2024-vintage-report

19. https://www.bbr.com/articles/guides/southern-rhone-2024-vintage-report

20. https://www.bbr.com/editorial/2025/northern-rhone-2023-vintage-report

21. https://www.bbr.com/articles/wine/northern-rhone-2022-vintage-report

22. https://www.bbr.com/editorial/2022/rhone/northern-rhone-2020-vintage-report

23. https://www.bbr.com/editorial/2022/rhone/southern-rhone-2020-vintage-report

24. https://www.bbr.com/articles/wine/rhone-2012-vintage

25. https://www.winespectator.com/articles/deluge-devastates-southern-rhone-languedoc-at-start-of-harvest-9822

26. https://www.winespectator.com/articles/2002-vintage-roundup-1547

27. https://www.winespectator.com/articles/2014-vintage-report-france-wine-harvest-50915

28. https://www.winespectator.com/articles/southern-rhone-france-2017-harvest-blog

29. https://www.winespectator.com/articles/2018-rhone-harvest

30. https://www.winespectator.com/articles/wine-harvest-report-2016-rhone-valley

31. https://www.winespectator.com/articles/wine-harvest-2015-northern-rhone-winemakers-report-a-very-promising-vintage-52325

32. https://www.winespectator.com/articles/wine-harvest-2015-southern-rhone-winemakers-call-it-a-power-vintage-52423

33. https://www.thewinecellarinsider.com/2024/02/2021-chateauneuf-du-pape-report-buying-guide-part-1-wines-a-d/

34. https://worldoffinewine.com/tasting-notes/rhone-2021-vintage-review

35. https://drinkrhone.com/leading_wines_by_vintage/2014_northern_rh%C3%B4ne

36. https://www.winescholarguild.com/blog/tasting-trends/the-2018-vintage-in-france-by-andrew-jefford

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