Verkostungsnotiz
Wer Geduld hat, wird belohnt – diese Regel gilt beim Cottá doppelt. Andrea Sottimano lässt seinen Nebbiolo bis zu vierzig Tage auf der Maische, längst nachdem andere abgepresst hätten. Heraus kommt ein Barbaresco, der jetzt schon überschwänglich duftet, aber erst in einigen Jahren seine wahre Gestalt zeigen wird. Die Cottà, gleich beim Weingut in Neive gelegen, gilt als die fruchtbetonteste der fünf Einzellagen des Hauses – und genau das macht den 2023er so unwiderstehlich jung.
- Farbe & Aussehen
- Transparentes Rubinrot, glänzend und mitteldicht – typisch jugendlicher Nebbiolo ohne jede Trübung.
- Nase
- Kraftvoll und fleischig im Auftakt: Stockrosen und eine fast brühige Tiefe, dann bricht die Frucht durch – Amarenakirschen, Hagebutten, Granatapfel. Dahinter Tabak, eine Spur Jod, dezenter Rauch und eine ätherische Note, die an Sandelholz erinnert. Ein Kraftwerk, das große Gläser verlangt.
- Gaumen
- Seidiger Antrunk, dann Saft und Zug: reichhaltige, extraktreiche Frucht, getragen von einer fein ziselierten Säure, die sich weit über den Gaumen spannt. Das Tannin ist engmaschig, samtig, mit aromatisch herbem Oberton – spürbar, aber niemals hart.
- Abgang
- Lang, vibrierend, mit Druck und transparenter Aromatik. Ein Jungspund mit klarem Reifeversprechen – karaffieren ist Pflicht, besser noch: einige Jahre Flaschenreife.
- Terroir & Herkunft
- Die Cottà in Neive, an der Grenze zur Gemeinde Barbaresco, ist die historische Kernlage des Hauses – hier sitzt das Weingut selbst. Südwestexposition und Kalk-Ton-Böden mit sandigen Anteilen geben Fülle, Struktur und das markante Gerbstoffgerüst. Viele Rebstöcke in den Sottimano-Lagen sind fünfzig bis sechzig Jahre alt.
- Rebsorte & Vinifikation
- Reiner Nebbiolo, handgelesen und spontan vergoren. Die lange Maischestandzeit mit untergetauchtem Tresterhut holt Farbe und Struktur aus den Schalen; der Ausbau erfolgt rund 18 bis 22 Monate in französischen Barriques, nur zum Teil neu. Abgefüllt wird ungefiltert.
- Speiseempfehlungen
- Zu geschmorter Ochsenbacke, Rinderbraten in Barolo, Tajarin mit weißem Trüffel oder reifem Castelmagno. Auch Wildragout und kräftige Pilzgerichte stehen ihm gut.
- Besonderheiten
- Sottimano bewirtschaftet seine Weinberge seit über vierzig Jahren bio-zertifiziert – Herbizide und synthetische Dünger waren hier nie ein Thema. Im Keller: wilde Hefen, keine Filtration, keine Eile. Die Kombination aus üppiger Cottà-Frucht und dieser geduldigen Langsamkeit macht den Wein zu einem der ehrlichsten Barbareschi seiner Generation.





