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Sottimano

Vierzig Tage auf der Maische – wo andere längst abpressen, wartet Andrea Sottimano noch. Die Azienda Agricola Sottimano in Neive gehört zu jenen Barbaresco-Adressen, die nicht laut sein müssen. Seit Rino Sottimano Ende der 1960er das Hofgut in Cottà erwarb, wächst hier Nebbiolo auf knapp zwanzig Hektar.
Heute führen Andrea, Elena und Claudia das Weingut. Bio seit über vierzig Jahren, spontan vergoren, ungefiltert. Fünf Einzellagen-Barbareschi: Cottà, Currà, Fausoni, Pajorè, Basarin.
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Der lange Atem des Nebbiolo
Was Andrea Sottimano von vielen Kollegen unterscheidet, ist seine Bereitschaft zu warten. Während in den meisten Kellern die Mazeration nach zwei bis drei Wochen endet, lässt er seinen Nebbiolo bis zu sechzig Tage auf den Schalen. Der Wein nimmt sich, was er braucht – Farbe, Tannin, Struktur. Die anschließende malolaktische Gärung passiert nicht im beheizten Tank, sondern wenn der Keller im Frühjahr von selbst warm wird. Manchmal dauert sie bis in den Herbst.
Diese Langsamkeit prägt den Charakter aller Sottimano-Weine. Der Currà Barbaresco etwa, gewachsen auf fünfundfünfzig bis siebzig Jahre alten Reben, verbringt vierundzwanzig bis dreißig Monate in gebrauchten burgundischen Pièces. Nur fünfzehn Prozent neues Holz – gerade genug, um Struktur zu geben, ohne den Wein zu dominieren.

Fünf Hügel, fünf Charaktere
Die fünf Crus liegen verstreut über die Gemeinden Neive und Treiso. Jeder hat sein eigenes Temperament: Cottà, wo das Weingut seinen Sitz hat, liefert die fruchtbetontesten Weine mit Noten von roter und schwarzer Frucht. Fausoni ist der weichste, floralste. Currà zeigt Extraktion und Langlebigkeit. Pajorè in Treiso bringt burgundische Eleganz mit strenger Balance. Und Basarin, dessen Trauben manchmal zum Langhe Nebbiolo deklassiert werden, wenn der Jahrgang es verlangt.
Rino Sottimano hat die meisten dieser Lagen selbst in den 1970er und 80er Jahren bepflanzt. Heute sind viele Rebstöcke fünfzig bis sechzig Jahre alt – ein Kapital, das sich nicht kaufen lässt. In Neive, wo auch Olek Bondonio einige seiner Parzellen bewirtschaftet, teilt man die Überzeugung, dass große Barbareschi aus alten Reben entstehen.

Bio seit den Anfängen
„Ich habe immer fest daran geglaubt, hart im Weinberg zu arbeiten, um große Weine zu machen“, sagt Rino. Was heute als Selbstverständlichkeit gilt, war in den 1970ern eine Minderheitenposition: keine Herbizide, keine synthetischen Dünger. Das Gras zwischen den Rebzeilen wird zwei- bis dreimal im Jahr gemäht, im Herbst jede zweite Reihe gepflügt. Die bio-zertifizierte Bewirtschaftung ist kein Marketing, sondern gelebte Praxis seit über vierzig Jahren.
Im Keller setzt Andrea diese Philosophie konsequent um. Spontangärung mit wilden Hefen aus Weinberg und Keller. Keine Filtration, keine Schönung. Der Basarin Barbaresco etwa kommt so ins Glas, wie er gewachsen ist – mit all seiner Lebendigkeit und gelegentlichen Unberechenbarkeit.
Die neue Finesse
Kritiker haben den Wandel bemerkt. Wo früher reichlich neues Holz die Weine prägte, dominiert heute das Terroir. Ein Journalist eines großen italienischen Weinführers formulierte es so: „Andrea setzt neue Maßstäbe. Er wird seine Seite in der Geschichte des Barbaresco schreiben.“ Die Sottimanos nehmen solches Lob gelassen – sie haben schließlich noch viel Zeit. Vierzig Tage Mazeration lehren Geduld.





















