Verkostungsnotiz
Antonio Galloni nannte Pian Dell’Orino eines der absoluten Top-Weingüter in Montalcino – und dieser Rosso zeigt warum. Caroline Pobitzer aus Südtirol und der deutsche Önologe Jan Erbach bewirtschaften streng biodynamisch sechs Hektar Sangiovese direkt neben Biondi-Santi, bio-zertifiziert durch ICEA und laut Weingut biodynamisch zertifiziert durch AgriBio. Ihr Rosso ist kein Abfallprodukt des Brunello, sondern ein eigenständiger, präziser Wein: sortenrein, unverschnitten, transparent.
- Farbe & Aussehen
- Klares Rubinrot mit feinem Glanz – sauber, leuchtend, ohne jede Trübung.
- Nase
- Erhaben und dunkel: Brombeere und Pflaume, dazu Cassis und Holunderbeere. Eine schokoladige Note rundet ab, Zimt, Wacholder und zartes Süßholz treten hinzu, fein dahinter Leder und eine dezente Röstaromatik. Das Holz ist vorbildlich eingebunden.
- Gaumen
- Kühl, rassig, mineralisch geprägt. Das Tannin ist zupackend, aber reif und weich, mundfüllend und dennoch nie schwer. Fleischig im Ausdruck, von einem feinen Lakritz-Ton flankiert – ein Wein, der Appetit macht.
- Abgang
- Die Gerbstoffe greifen fest zu und lassen den Gaumen lange nicht los: ein schier unendliches Finale, in dem das gesamte Aromenspiel der Nase noch einmal aufblüht.
- Terroir & Herkunft
- Die Trauben stammen 2017 aus drei Weinbergen: Scopeta auf 320 Metern, dem mittleren Teil von Pian Bassolino auf 370 Metern und Pian dell’Orino auf 500 Metern. Die Böden sind stark kalkhaltige Tone und Mergel, blaugraue Tone aus dem Pliozän, Alberese und Flysch; die Reben waren 14 bis 19 Jahre alt. Erbach und Pobitzer erstellten für ihre Weinberge eigene geologische Karten, eine Bodenforschung, die in Montalcino ihresgleichen sucht.
- Rebsorte & Vinifikation
- Reiner Sangiovese Grosso. Die Ertragsreduktion folgt dem Credo: ein Rebstock ergibt höchstens eine Flasche. Im Dürrejahr 2017 fiel der letzte Regen am 28. April, gelesen wurde vom 28. bis 31. August, bei 20 Hektolitern je Hektar. Der Most gärte spontan bis 30 °C in Eichenholz-Gärbottichen und blieb über drei Wochen auf der Maische; danach reifte der Wein 28 Monate in einem 30-Hektoliter-Eichenfass. Am 19. März 2020 wurden 3.992 Flaschen unfiltriert abgefüllt.
- Speiseempfehlungen
- Lammkarée mit grünen Bohnen und Süßkartoffeln, Flanksteak mit Kartoffel-Kürbisstampf und cremigem Spinat oder als vegetarische Richtung karamellisierte Petersilienwurzel mit Rote-Bete-Feldsalat.
- Besonderheiten
- Nach dem Brunellopoli-Skandal 2008 veröffentlichten Erbach und Pobitzer die Analysedaten ihrer Ernten – Transparenz statt Verschleierung. Mit der Gruppe Sangiovese Per Amico bleiben sie der offiziellen Messe fern. Dieser Rosso trägt dieselbe kompromisslose Handschrift: kühl, präzise, von fossiler Herkunft geprägt – ein Montalcino, der seinen Preis im Glas rechtfertigt.





