
Antonio Galloni zählte es 2013 im Wine Advocate zu den allerbesten Weingütern Montalcinos. Pian Dell’Orino vereint deutsche Präzision mit italienischer Leidenschaft: Seit Ende der Neunzigerjahre entstehen hier außergewöhnliche Brunello; heute führen Caroline Pobitzer aus Südtirol und der deutsche Önologe Jan Erbach das Weingut. Direkt neben dem legendären Biondi-Santi kultivieren sie streng biodynamisch sechs Hektar Sangiovese auf kalkreichen Tonen, Mergel und Flysch. Ein Rebstock ergibt höchstens eine Flasche Wein. Der Verkostungsraum ist zugleich Jans Musikbibliothek – High-End Stereo trifft auf 96-Punkte-Brunello.
Mehr über Pian Dell'Orino
Wenn deutsche Gründlichkeit auf toskanische Erde trifft
Der Duft von Brennnesseltee schwebt über den Weinbergen – Jan Erbach sprüht seine biodynamischen Präparate. Brunello keltert das Weingut seit dem Jahrgang 1997, heute gehört es zur Brunello Champions League. Caroline Pobitzer hatte das Anwesen außerhalb Montalcinos erworben, Jan Erbach brachte sein Geisenheimer Weinbau-Studium und die Erfahrungen französischer Praktika mit. Das Weingut ist biologisch zertifiziert (ICEA, IT-BIO-006), im Zertifikat steht schon der Brunello 2006 als Wein aus biologischen Trauben. Die beiden arbeiten biodynamisch, und auch das ist zertifiziert, laut Weingut durch AgriBio.

Sechs Hektar, sieben Weinberge, eine Vision
Pian dell’Orino, Pian Bassolino, Scopeta, Cancello Rosso: Namen, die Weinkenner ehrfürchtig aussprechen. Dazu kommen der Versuchsweinberg del Moro und seit 2020 Pian dell’Oro und Olivetello, zusammen sieben Weinberge. Auf 270 bis 500 Metern Höhe wächst ausschließlich Sangiovese Grosso, auf stark kalkhaltigen Tonen und Mergel, blaugrauen Tonen aus dem Pliozän, Alberese und Flysch; Cancello Rosso liegt zur Hälfte auf Terra rossa, und in Pian dell’Orino und Moro stecken Muschelreste im Boden. Caroline und Jan erstellten eigene geologische Karten – intensivere Bodenforschung als fast alle anderen in Montalcino. Die extreme Ertragsreduktion folgt einer simplen Philosophie: Ein Rebstock, höchstens eine Flasche. Der Brunello Vigneti del Versante 2018 mit 96 Punkten zeigt die Früchte dieser Arbeit.

Mondkalender und High-End Stereo
Jans Verkostungsraum überrascht: Vinyl-Sammlung und High-End Stereoanlage zwischen Weinfässern. „Wo das Olfaktorische auf das Auditive trifft“, erklärt der passionierte Musikliebhaber seine ungewöhnliche Kombination. Im Keller herrscht ähnliche Präzision – spontane Gärung in Gärbottichen aus Eichenholz, Reifung in großen Fässern, keinerlei önologische Eingriffe. Der Rebschnitt folgt dem Mondkalender, Kamillentee-Sprühungen ersetzen chemische Behandlungen. Diese Philosophie spiegelt sich im Piandorino 2021 wider – zugänglich, aber von derselben kompromisslosen Qualität geprägt.
Brunellopoli und die Dissidenten von Montalcino
Als 2008 der Brunellopoli-Skandal die Weinwelt erschütterte – Dutzende Produzenten hatten illegale Rebsorten in ihren Brunello gemischt – reagierten Jan und Caroline auf ihre Weise: Sie veröffentlichten die Analysedaten ihrer Ernten. Transparenz statt Verschleierung. Gemeinsam mit Francesco Leanza von Salicutti und Stella di Campalto gründeten sie Sangiovese Per Amico – drei Weingüter, die seit Jahren der offiziellen Messe „Benvenuto Brunello“ fernbleiben. Ihre Botschaft: Authentizität braucht keine Marketing-Events, sondern kompromisslose Arbeit im Weinberg. Der Rosso di Montalcino 2020 verkörpert dieses Credo – sortenrein, biodynamisch, unverschnitten.







