Verkostungsnotiz
Andrea Sottimano gehört zu den stillen Geduldigen des Barbaresco. Während andere längst abpressen, bleibt sein Nebbiolo bis zu vierzig, manchmal sechzig Tage auf den Schalen. Der Currá ist das Ergebnis dieser Langsamkeit: ein Wein von 55 bis 70 Jahre alten Reben aus der kleinen Cru südwestlich von Neive, der 24 bis 30 Monate in gebrauchten burgundischen Pièces ruhte – nur fünfzehn Prozent neues Holz, gerade genug für Halt, nie für Dominanz.
- Farbe & Aussehen
- Transparentes Rubinrot, klar und leuchtend im Glas – trotz aller Dichte zeigt der Wein die noble Transparenz, die großem Nebbiolo eigen ist.
- Nase
- Dunkelfruchtig und konzentriert: eine ganze Klaviatur dunkler Kirschen, dazu Maulbeeren und Brombeeren. Darunter liegen Bitterschokolade, dunkler Tabak und etwas Leder, ausbalanciert von milden Gewürzen wie schwarzem Kardamom und Piment. Schon in der Jugend ein kleines Kraftpaket.
- Gaumen
- Kraftvoll und dicht im Antrunk. Das Tannin ist fest und griffig – man meint, den Wein fast kauen zu können. Fleischig-herbe Noten und eine hochfeine Bitterkeit fassen die rubinschimmernde Frucht fest ein, während eine reife, hell leuchtende Säure den Wein nach vorn treibt und ihm Zug verleiht.
- Abgang
- Lang, dunkel und ernsthaft, mit nachhallender Kirschfrucht, feiner Bitternote und dem Versprechen weiterer Entwicklung. Am schönsten ab drei bis fünf Jahren Flaschenreife – doch schon heute aus großen Gläsern ein Erlebnis.
- Terroir & Herkunft
- Die Lage Currà liegt südwestlich von Neive auf kalk- und tonhaltigen Böden mit Südwest-Ausrichtung. Die alten, von Rino Sottimano großteils in den 1970er- und 80er-Jahren gepflanzten Rebstöcke bringen niedrige Erträge und die extraktreiche, langlebige Seite des Hauses.
- Rebsorte & Vinifikation
- Reinsortiger Nebbiolo, selektiv von Hand gelesen. Spontangärung mit wilden Hefen, langer Maischekontakt von bis zu sechzig Tagen, malolaktische Gärung im Fass, wenn der Keller im Frühjahr von selbst warm wird. Ausbau in gebrauchten Pièces, unfiltriert und ungeschönt gefüllt.
- Speiseempfehlungen
- Ein Wein für den festen Tisch: geschmorte Rinderschulter in Barolo, Tagliatelle mit Trüffel, Lammkarree mit Rosmarin oder gereifter Parmigiano Reggiano. Auch Wildschweinragout findet in seiner dichten Tanninarchitektur einen ebenbürtigen Gegenpart.
- Besonderheiten
- Das Weingut bewirtschaftet seine Reben seit über vierzig Jahren bio-zertifiziert – ohne Herbizide und synthetische Dünger, schon als das in den 1970ern noch eine Minderheitenposition war. Unter den fünf Einzellagen-Barbareschi des Hauses steht Currá stets für den straffsten, extraktreichsten und langlebigsten Ausdruck – ein Barbaresco mit dem langen Atem, den Sottimano zum Prinzip erhoben hat.





