Verkostungsnotiz
Es gibt Karrieren im Burgund, die man nicht planen kann. Jérôme Galeyrand verkaufte Käse, bevor er 1996 bei der Ernte bei Domaine Alain Burguet half – und seinen alten Beruf an den Nagel hängte. 2002 begann er mit 0,05 Hektar, heute bewirtschaftet er 5,25 Hektar rund um Gevrey-Chambertin. Sein „En Billard“ aus der Ortslage direkt beim Weingutskeller zeigt, warum der Guide des Meilleurs Vins de France ihn 2020 mit einem Stern auszeichnete: ein Gevrey, der leise spricht, aber bleibt.
- Farbe & Aussehen
- Dunkles Granatrot, tief und klar – ein Pinot Noir mit Substanz im Glas.
- Nase
- Duftig und leichtfüßig zugleich. Rote Kirsche und wilde Himbeere funkeln, dazu ein floraler Zug nach Flieder und Muskatblüte. Milde Gewürze, Süßholz, Nelke und ein Hauch dezenter Holzwürze runden das Bild ab.
- Gaumen
- Mittelkräftig, fein gewirkt, alles von der Frucht getragen: dunkle Waldfrucht, die von der Himbeere zur Brombeere oszilliert. Die Tannine sind präsenter als bei Galeyrands übrigen Weinen, bleiben aber im guten mittleren Bereich. Erstaunlich offen und zugänglich für den Jahrgang 2022 – ohne sein Reifepotenzial preiszugeben.
- Abgang
- Fruchtig, gewürzt, mit Griff und Länge – ein Wein, der nach Luft und großen Gläsern ruft und sich gute Zukunft vorbehält.
- Terroir & Herkunft
- Die Ortslage En Billard liegt in unmittelbarer Nähe des Weingutskellers in Gevrey-Chambertin, im Herzen der Côte de Nuits. Die Reben wurden 1983 gepflanzt und liefern Trauben mit der Tiefe, für die diese prestigeträchtige Appellation bekannt ist.
- Rebsorte & Vinifikation
- Reiner Pinot Noir, von Hand gelesen. Die Trauben wurden zu 70 Prozent entrappt, in Tanks vergoren und 24 Monate in gebrauchten Eichenfässern mit rund 25 Prozent Neuholz ausgebaut. Galeyrand arbeitet ohne industrielle Hefen, ohne Schönungsmittel und Enzyme und nur mit so viel Schwefel wie nötig. Lediglich 3.170 Flaschen entstanden.
- Speiseempfehlungen
- Seine Würze und Struktur machen ihn zum Partner für geschmorten Hasen aus dem Ofen mit Maiwirsing und Polenta, aber auch für Überraschendes wie Tagine von Quitten und Dörrpflaumen mit Aubergine oder gebratene Lotte im Speckmantel mit Tomatenkompott und Sternanis.
- Besonderheiten
- Ein Gevrey-Chambertin eines Quereinsteigers, der Terroir ohne technische Maske zeigen will. Seit 2019 sind die Weinberge biologisch zertifiziert, sie werden gepflügt und von Hand gelesen. Die winzige Auflage und die ungewöhnliche Offenheit des Jahrgangs 2022 machen diesen Wein für Kenner doppelt reizvoll.





