Verkostungsnotiz
Die Geschichte von Jérôme Galeyrand klingt wie ein Weinmärchen: einst Käseverkäufer, heute einer der spannendsten Winzer der Côte de Nuits – 2020 mit einem Stern im Guide des Meilleurs Vins de France geadelt. Sein Gevrey-Chambertin „En Billard“ stammt aus 0,26 Hektar direkt neben dem Fasskeller, gepflanzt 1987. Ein Wein, der leise spricht, aber eindringlich.
- Farbe & Aussehen
- Transparentes Karminrot – klar, fein, ganz im puristischen Stil des Hauses.
- Nase
- Ein umwerfend charmanter, eleganter Duft: Kirsch-Clafoutis, Sauerkirschen und reife Waldbeeren, dazu Zimt, feines Holz, Vanille, ein Hauch Süßholz und etwas Eisenstein. Reif, warm, offen.
- Gaumen
- Geradlinig, würzig und reif mit vornehmlich dunklen Noten, saftiger Waldfrucht, etwas Tabak und Eisen, Kräutern, Gewürzen und einem Anflug von Pfeffer.
- Abgang
- Ein tiefer, langer Gevrey mit angenehmer Fülle, Finesse und eindrucksvoller Länge – seidig statt schwer.
- Terroir & Herkunft
- Die Ortslage En Billard liegt in unmittelbarer Nähe des Kellers in Gevrey-Chambertin, dem Herzstück der nördlichen Côte de Nuits. Galeyrands Domaine in Saint-Philibert umfasst heute 5,25 Hektar von Marsannay über Fixin bis Gevrey – gewachsen aus einer ersten Parzelle von gerade einmal 0,05 Hektar im Jahr 2002.
- Rebsorte & Vinifikation
- Reiner Pinot Noir aus 1987 gepflanzten Reben. Die Weinbergsarbeit ist biologisch, teils biodynamisch. Zu 80 % entrappt, spontan nach einigen Tagen kühler Vorvergärung vergoren – ausschließlich mit einheimischen Hefen. Der Ausbau erfolgte über 12 bis 16 Monate in gebrauchten 228-Liter-Eichenfässern mit bis zu 20 % Neuholz. Keine Schönung, keine Enzyme, nur leichte Filtration bei Bedarf und kaum Schwefel.
- Speiseempfehlungen
- Die würzige Tiefe und seidige Textur verlangen nach ebenso feiner Küche: Entenbrust mit Kirschjus, Rehrücken mit Wacholder, Coq au vin oder ein simpler Teller Époisses – eine Hommage an Galeyrands Käsevergangenheit.
- Besonderheiten
- Terroir-Transparenz ohne technologische Maske: Galeyrand vinifiziert ohne Industriehefen, Schönungsmittel oder Enzyme – das Ergebnis ist ein Gevrey, der nach seinem Boden schmeckt. Aus nur 0,26 Hektar entsteht hier eine Rarität, die unter Kennern heiß begehrt ist.
Ein Gevrey-Chambertin ohne Pomp, aber mit Substanz: reif, würzig, eisenhaltig – und mit der Präzision eines Winzers, der jedes seiner wenigen Fässer persönlich kennt.





