Verkostungsnotiz
Steffen Christmann – einst Rechtsanwalt, heute VDP-Präsident und einer der prägenden Winzer Deutschlands – spricht gern vom „Primaballerino unter den Rieslingen“: kraftvoll, aber elegant, in perfekter Balance. Genau das ist der Meerspinne 2022. Die Lage, schon 1456 im Zinsbuch der Weißenburger Mönche als Herkunft ausgezeichneter Weine verzeichnet, gilt bis heute als die beste von Gimmeldingen – und dieser Jahrgang zeigt warum.
- Farbe & Aussehen
- Helles Goldgelb mit zarten grünen Reflexen – kühl und präzise im Glas.
- Nase
- Kühle Finesse, vielschichtige Frucht: Zitrus, Quitte, Apfel- und Orangenschale, eingefasst in eine kompakte, prägnante Mineralität. Nach dem Karaffieren gesellen sich Kräuteraromen hinzu, dazu ein Hauch von Ingwer und Koriander.
- Gaumen
- Feingliedrig und zugleich dicht – eine salzige Note und belebende Säure tragen den Wein mit feiner Herbe über die Zunge. Der moderate Alkohol von 12 % Vol. hält ihn schlank und trinkanimierend, ohne je dünn zu wirken.
- Abgang
- Lang, präzise und salzig-mineralisch – der Kalk des Unterbodens hallt nach, lange nach dem letzten Schluck.
- Terroir & Herkunft
- Die Meerspinne liegt auf einem nach Südosten zum Rhein abfallenden Vorhügel am Ausgang des Gimmeldinger Tals. Große Tag-Nacht-Unterschiede – bedingt durch den nächtlichen Kaltluftstrom aus dem Pfälzerwald – sorgen für feine Säuren und Frische. Im Unterboden ruht massiver Kalk, darüber eine Mischung aus Buntsandsteingeröll und kalkhaltigem Löss.
- Rebsorte & Vinifikation
- 100 % Riesling, selektive Handlese in kleine Kisten, Spontangärung im großen Holzfass. Das Weingut wirtschaftet seit 2003 biodynamisch, zertifiziert nach respekt-BIODYN – Christmanns Überzeugung: tiefere Wurzeln, mehr Spannung im Wein.
- Speiseempfehlungen
- Ein Wein für die feine Küche: Tatar vom Taschenkrebs mit Kaviar, Rotbarbe auf Fenchel-Orangengemüse oder vegetarisches Sushi mit Nori, Sojasauce und frischem Ingwer. Auch salzige, pikante Gemüsevariationen liebt er.
- Besonderheiten
- Der historische Lagenname kehrte erst 2015 aufs Etikett zurück – zuvor firmierte der Wein als Mandelgarten. In der Jugend unbedingt dekantieren und nicht zu kalt im großen Glas servieren; wer Geduld hat, wird mit wachsender Tiefe belohnt.





