Verkostungsnotiz
Ein Großes Gewächs, das nicht brüllt, sondern mit stillem Nachdruck überzeugt: Der Ganz Horn 2022 zeigt, warum Robert Parker bei Rebholz von der „schärfsten und präzisesten Interpretation des Pfälzer Terroirs“ sprach. Knochentrocken, kühles Funkeln, dazu eine Frucht, die tanzt statt drückt – hier spricht ein einzelner, genau vermessener Fleck Erde im Queichtal.
- Farbe & Aussehen
- Helles, funkelndes Goldgelb.
- Nase
- Bereits jetzt duftig und animierend: Orange, Pfirsich und Limone, eingefasst von kompakter Würze, hefigen und rauchigen Anklängen. Mit Luft gesellen sich Ingwer, frisch gepflückte Zitronenmelisse und Salbei hinzu – kühl, klar umrissen, mit spürbarer mineralischer Tiefe.
- Gaumen
- Schlank und anregend, fast leichtfüßig. Zitrusfrucht trifft auf Pfirsich, Orange, junge Ananas und eine feinherbe Grapefruitnote. Trotz Kraft und Saftigkeit wirkt der Wein federnd – die moderaten 12,5 % Vol. sorgen für einen wunderbar geradlinigen Trinkfluss. Wer ihn jung trinken möchte, sollte ihn frühzeitig öffnen und dekantieren – einige Tage der Öffnung steigern Eleganz und Komplexität nochmals.
- Terroir & Herkunft
- Die Parzelle Ganz Horn – schon vor der Weingesetzänderung 1971 als „Siebeldinger Ganshorn“ für Spitzen-Rieslinge bekannt – liegt als vor Kaltluft geschützter Südhang (175 m über NN) im Queichtal, unterhalb des Geilweilerhof. Vom Weingut bewirtschaftet werden 2,1 Hektar der als VDP.GROSSE LAGE klassifizierten 2,5 Hektar. Der Boden ist geologisch jung: Im Pleistozän wurden hier Schotter aus dem Pfälzer Wald abgelagert – eine Mischung aus Buntsandstein, Kies und Lehm, darunter Kiesel aus reinem Quarzkristall.
- Rebsorte & Vinifikation
- Nach selektiver Handlese in mehreren Durchgängen wurden die Trauben entrappt; auf eine 24-stündige Maischestandzeit folgten schonende Pressung, Vorklärung durch natürliche Sedimentation und die Gärung im Edelstahltank. Fünf Monate auf der Vollhefe, Abstich im März 2023, Füllung im Juni 2023 – der Rebholz’sche Purismus; das Weingut ist seit 2005 bio-zertifiziert.
- Speiseempfehlungen
- Onsen-Ei auf geräucherter Kartoffelcrème mit Salbei, Seeteufel mit Orangen-Kürbiskern-Kruste und Rieslingrisotto oder Kalbsfilet im Kräutermantel mit Pastinaken und Zitrusjus.
- Besonderheiten
- Ein GG, das in seiner Jugend bereits offen wirkt – und doch erst im Keller sein volles Gesicht zeigen wird. Die Quarzkiesel der Lage finden übrigens Verwendung im biodynamischen Präparat 501: Terroir, das bei Rebholz wörtlich genommen wird.





