Ein trockener Rheingau-Riesling aus dem Hause der Familie Kühn, die seit 1786 in Oestrich-Winkel Riesling kultiviert – kristallin, mineralisch und von kühler Präzision.
Abfüller: Weingut Peter Jakob Kühn, Mühlstraße 70, 65375 Oestrich-Winkel / Germany
Im Glas
Farbe
Helles, kühles Zitronengelb mit grünlichen Reflexen und feiner Glanzkante.
Aroma
Feine Noten von Zitrusfrucht, grünem Apfel und weißem Pfirsich, dazu kühle Schiefer- und Quarzitmineralik sowie ein Hauch von Kräuterwürze.
Geschmack
Straff und geradlinig mit lebendiger Säure, dichtem Extrakt und salzig-mineralischem Rückgrat; im Abgang lang, klar und von bemerkenswerter Tiefe.
Charakter
Ein Großes Gewächs von kühler Eleganz und struktureller Festigkeit – transparent, präzise und mit deutlicher Herkunftssignatur aus der Lage St. Nikolaus.
Dazu
Ideal zu gedünstetem Steinbutt mit Kräuterbutter, zu gebratenem Kalbfleisch mit Zitrone und Kapern oder zu einer Auswahl gereifter Hartkäse.
Besonderheiten
Aus Demeter-zertifiziertem Anbau auf 21 Hektar im Rheingau; die Lage St. Nikolaus zählt zu den VDP-Großen-Lagen des Weinguts, und der Verzicht auf schweren Holzeinsatz lässt Schiefer und Quarzit unverstellt durchscheinen.
Verkostungsnotiz
Charakter
Ein Grosses Gewächs von geradezu architektonischer Klarheit. Der 2020er zeigt die Handschrift des Hauses: kristalline Frucht, eine Säure, die wie ein Stahlgerüst trägt, und eine Mineralität, die an feuchten Schiefer erinnert. Trocken, straff, ohne jede Schwere – ein Riesling, der nicht mit Opulenz beeindruckt, sondern mit Spannung und Länge. Zwölf Generationen Erfahrung fließen hier in einen Wein, der Zeit braucht und Zeit verträgt.
Terroir & Herkunft
Die Lage St. Nikolaus gehört zu den Filetstücken von Oestrich-Winkel im Rheingau. Hier, wo der Rhein seine breiteste Stelle erreicht und die Reben auf Schiefer und Quarzit wurzeln, entstehen Rieslinge von besonderer Tiefe. Der VDP hat die Lage als Grosse Lage klassifiziert – die höchste Stufe deutscher Weinberge. Seit 2009 wird das Weingut nach Demeter-Richtlinien bewirtschaftet, was im konservativen Rheingau lange als Provokation galt und heute als Qualitätsmerkmal anerkannt ist.
Rebsorte & Vinifikation
Riesling in seiner reinsten Rheingauer Form. Peter Bernhard Kühn, der im Elsass bei Zind-Humbrecht und in Burgund gelernt hat, bringt ein feines Gespür für Säurestruktur mit. Im Keller gilt Zurückhaltung: Spontanvergärung, kein schweres Holz, minimaler Eingriff. Das Ergebnis sind Weine, die nicht nach Methode schmecken, sondern nach ihrem Ursprung – transparent, geradlinig, mit jener salinen Note, die große Rheingau-Rieslinge auszeichnet.
Speiseempfehlungen
Die straffe Säure und die mineralische Tiefe machen diesen Wein zum idealen Partner für gedämpften Steinbutt mit Beurre blanc, gebratene Jakobsmuscheln auf Blumenkohlpüree oder Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat. Auch zu asiatischen Gerichten mit Ingwer und Zitronengras zeigt er sich souverän. Wer ihn jung trinkt, dekantiere ihn großzügig – oder warte fünf, besser zehn Jahre, bis sich die Aromatik vollends geöffnet hat.