Verkostungsnotiz
Ein Schäumender aus Kirchberg am Wagram – und einer, der zeigt, dass Karl Fritsch nicht nur den stillen Meister des Roten Veltliners gibt. Der Purist ist der ungebändigte, verspielte Teil seines Kellerrepertoires: ein Pet Nat, der den Wagramer Löss nicht als schwere Bühne, sondern als Trampolin nutzt. Leicht, reif und von einer Cremigkeit, die man in dieser Kategorie nicht selbstverständlich finden darf.
- Farbe & Aussehen
- Apricot mit fein eingestellter, lebendiger Perlage – schon im Glas ein Wein, der nach Sommer aussieht, ohne kitschig zu wirken.
- Nase
- Ein lebhaftes Gewirr aus roten Johannisbeeren, Erdbeeren und Himbeeren, dahinter Aprikose und ein Schuss Grapefruitschale. Weiße und rosa Blüten, ein Hauch Muskatnuss, Kräuter, etwas Rauch und die warmen Noten von Brotkruste und Hefe geben der Frucht ein erdiges Fundament.
- Gaumen
- Saftig und reif, mit cremiger Textur und erstaunlich feiner Perlage. Die rotbeerige, an reifes Steinobst gemahnende Aromatik ist dicht verwebt mit Kräutern, Zitruszesten und hefiger Würze. Ein runder, charmanter Trunk, der die 12,5 % Alkohol mühelos trägt.
- Abgang
- Fruchtig-herbal, mit feiner Bitternote der Zeste und einem hefigen, brotigen Nachhall – sauber und trocken bis zuletzt.
- Terroir & Herkunft
- Die Reben stehen auf 280 bis 300 Metern in Kirchberg am Wagram, im mächtigen, kalkdurchsetzten Löss der südexponierten Geländestufe – einer fossilen Küstenlinie des Tethysmeeres, die Wasser und Wärme gleichermaßen speichert. Genau dieses Polster verleiht den roten Sorten ihre Reife, ohne die Frische zu opfern.
- Rebsorte & Vinifikation
- 60 % Zweigelt, je 20 % Cabernet Sauvignon und Merlot, von Hand gelesen, nach kurzer Standzeit gepresst und spontan vergoren, über zwölf Monate ausgebaut. Biodynamisch bewirtschaftet – Fritsch ist Gründungsmitglied von respekt-BIODYN.
- Speiseempfehlungen
- Ein Chamäleon am Tisch: zu Vitello Tonnato, Tomatenbruschetta mit viel Basilikum, Thunfisch-Tatar oder einem Teller gereifter Ziegenkäse. Auch solo auf der Terrasse eine ernstzunehmende Ansage.
- Besonderheiten
- Rotweintrauben als feinperlige Rosé-Interpretation – und das mit einer Tiefe, wie man sie selten in dieser unbeschwerten Kategorie findet. Biodynamischer Anbau trifft hier auf pure, unprätentiöse Trinkfreude.
Gut gekühlt öffnen, fröhlich sein, Flasche leer.


