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Fritsch

„Ich bin eben nicht so gut wie die Natur.“ Der Satz fasst zusammen, was Karl Fritsch antreibt. Im Weinberghof Fritsch am Wagram, 60 Kilometer westlich von Wien, geht es nicht um Kontrolle, sondern um Begleitung. Seit 2006 bewirtschaftet er seine 25 Hektar biodynamisch – als Gründungsmitglied von respekt-BIODYN gemeinsam mit Gleichgesinnten wie Gernot Heinrich.
Die südexponierte Lössterrasse des Wagrams mit ihren kalkreichen Böden liefert ideale Bedingungen für Grüner Veltliner und Roter Veltliner – letzterer erreicht bei Fritsch regelmäßig 94 Falstaff-Punkte. Dazu kommt sein geheimer Trumpf: der Pinot Noir.
Mehr über Fritsch
Vom Kriegskind zum Weinpionier
Die Geschichte des Weinberghofs beginnt mit einer Flucht. Karl Fritsch senior, 1940 in Wien geboren, kam als Fünfjähriger während der Bombenangriffe zu Verwandten nach Oberstockstall. Was als Notlösung begann, wurde zur Berufung: Ein fesselnder Vortrag des Weinbaupioniers Lenz Moser in Krems entzündete die Leidenschaft für den Rebensaft. Mitte der 1960er Jahre, als die meisten Wagramer Kollegen ihren Wein noch im Gebinde verkauften oder in Doppler füllten, hatte Fritsch senior bereits fünf Bouteillen-Weine im Angebot – und wagte sich als einer der ersten an Rotwein am Wagram.
1989 gründete er die Winzervereinigung „Wagramer Selektion“, einen dem Qualitätsstreben verpflichteten Zusammenschluss, dem er zehn Jahre als Obmann vorstand. Ende 2007 wurde der Betrieb in den Kreis der Traditionsweingüter Österreich aufgenommen – eine Anerkennung, die nur wenigen zuteil wird.

Löss, Kalk und die Küste des Tethysmeeres
Der Wagram verdankt seinen Namen der markanten Geländestufe am Rande des Donautals – eine fossile Küstenlinie des Tethysmeeres aus dem Tertiär. Die mächtigen Lössablagerungen der Eiszeit, durchsetzt mit kalkreichem Meeressediment, speichern Wasser und Nährstoffe wie ein natürlicher Schwamm. In den Lagen Steinberg, Schlossberg und Mordthal stehen Reben auf Schiefer und Granit, die dem Grüner Veltliner eine unverwechselbare mineralische Spannung verleihen.
Der Grüner Veltliner Ried Steinberg aus bis zu 63 Jahre alten Reben auf 240 Metern Seehöhe demonstriert das Potenzial dieser Böden: keine vordergründige Frucht, sondern Tiefe, Struktur und Langlebigkeit. Ein Wein, der Jahre im Keller reifen kann und dabei immer komplexer wird.
Die Philosophie der Selbstbescheidung
1999 übernahm Karl Fritsch junior den Betrieb und vollzog 2006 den konsequenten Schritt zur Biodynamie – für ihn gleichbedeutend mit „Begeisterung, Leben, Zuversicht“. Die Mitgliedschaft bei respekt-BIODYN ermöglicht den intensiven Austausch mit Winzern wie Gernot Heinrich im Burgenland oder Clemens Busch an der Mosel, die dieselbe Überzeugung teilen: dass gesunde Böden und ein intaktes Ökosystem die Grundlage für authentische Weine bilden.

Im Keller hängen handgezeichnete Diagramme zu Mondphasen, kosmischen Rhythmen und Elementkräften – keine Esoterik, sondern tägliche Arbeitsgrundlage. Die Versorgung des Bodens mit eigenem Kompost und der Einsatz biodynamischer Präparate bestimmen den Rhythmus des Jahres. In den Weingärten lebt eine Vielfalt an Pflanzen und Tieren, die als natürlicher Puffer gegen Schädlinge wirkt.
Der stille Aufstieg des Roten Veltliners
Während Grüner Veltliner den Ruhm des Wagrams begründet, hat Karl Fritsch eine andere Traube zur Perfektion geführt: den Roter Veltliner. Die Sorte, deren Name auf eine charakteristische Hautfärbung der Beeren zurückgeht, galt lange als Randerscheinung. In der Ried Steinberg erreicht sie regelmäßig 94 Falstaff-Punkte – Werte, die Fritsch zum stillen Star der österreichischen Weißweinszene machen.
Wer es experimenteller mag, greift zum Materia Prima: zehn Monate auf der Maische vergoren, aus Traminer und Veltliner, voller Spannung und unerwarteter Aromen – ein Orange Wine, der polarisiert und begeistert. Und dann wäre da noch der Pinot Noir „P“ – Fritschs Beweis, dass am Wagram auch Rotwein von internationalem Format gedeiht. Burgundische Eleganz trifft auf österreichische Frische.










