Verkostungsnotiz
Es gibt Gewürztraminer, die einen mit Parfüm erschlagen. Und dann gibt es diesen. Vom oberen Hang der Steingrubler in Wettolsheim kommt ein Wein, der die ganze Üppigkeit der Sorte zeigt – und sie gleichzeitig bändigt. Maurice und Jacky Barthelmé bewirtschaften ihre 25 Hektar seit 1997 biodynamisch; dass ihre Reben auf knapp hundert Parzellen verteilt sind, zahlt sich hier aus: Die Steingrubler, eine steinige Südostlage auf Mergel-Kalk-Sandstein, gehört zu ihren sechs Grand Cru Lagen, und die rund 30 Jahre alten Reben liefern Frucht von ungewöhnlicher Dichte.
- Farbe & Aussehen
- Goldgelb, leuchtend und klar im Glas – schon optisch reifer als mancher Jahrgangskollege.
- Nase
- Sortentypisch, aber bemerkenswert klar: Birne, Mirabelle und Pfirsichkompott, dazu Mango und Litschi. Darüber legen sich Orangen- und Zitronenschalen, Quitte und Orangeat, dann die Würze – Muskat, heller Tabak, Kurkuma, ein Hauch Pfeffer. Nichts davon drängt sich in den Vordergrund; alles wirkt geordnet, fast kühl.
- Gaumen
- Cremig, saftig, reif – und doch voller Zug. Eine lebhafte Säure und eine kühle, fast salzige Mineralität lassen die liebliche Restsüße nahezu vergessen. Auch die 13,5 % Alkohol, bei elsässischem Gewürztraminer oft ein Stolperstein, bleiben erstaunlich unauffällig. Tabakige und pfeffrige Noten durchziehen die gelbe Frucht; der Wein hat Kraft und Körper, bewegt sich aber mit erstaunlicher Leichtigkeit.
- Abgang
- Lang, würzig und mineralisch geprägt, mit nachhallender Zitrusschale und pfeffriger Frische – das Steinige der Lage bleibt zuletzt stehen.
- Terroir & Herkunft
- Die Steingrubler ist eine steinige, nach Südosten ausgerichtete Parzelle am oberen Ende des Hangs bei Wettolsheim, mit Mergel-Kalk-Sandstein im Boden. Im Elsass steht Gewürztraminer traditionell auf kalkhaltigen Böden – die Barthelmés haben über Jahrzehnte beobachtet, welche Sorte wohin gehört, statt einem Schema zu folgen.
- Rebsorte & Vinifikation
- Reiner Gewürztraminer aus etwa 30 Jahre alten Reben, Grand Cru Steingrubler, Jahrgang 2022. Das Weingut arbeitet seit 1997 biodynamisch und ist Demeter-zertifiziert – in den steilsten Lagen wird mit Pferden statt Traktoren gearbeitet.
- Speiseempfehlungen
- Die Kombination aus Würze, Restsüße und Spannung macht ihn zum Kandidaten für asiatische Gerichte mit Schärfe – etwa Thai-Curry oder würzige Entengerichte. Auch zu kräftigem Münster oder gereiftem Blauschimmelkäse eine glückliche Fügung, ebenso zu Entenleber-Terrine.
- Besonderheiten
- Das Rätselhafte an diesem Wein: Er vereint die opulente Aromatik, für die Gewürztraminer gefürchtet und geliebt wird, mit einer inneren Kühle, die man eher einem Riesling vom Granit des Schlossbergs zutrauen würde. Ein Wein, der tänzeln kann, obwohl er Gewicht hat.




