Verkostungsnotiz
- Farbe & Aussehen
- Mittelkräftiges, transparentes Rubinrot mit ziegelroten Reflexen am Glasrand – schon optisch ein Wein von Feinheit, nicht von Schwere.
- Nase
- Distinkte rote Frucht: süße und saure Kirschen, dazu gebrannte Mandeln, gedörrtes Obst und die herbe Note der Schlehe. Ein feines Gewürzband aus schwarzem Kardamom, schwarzem Pfeffer und Piment gibt Tiefe, ohne die kühle Klarheit der Frucht zu überdecken.
- Gaumen
- Selbstbewusster Auftakt, wilde Kirsch- und Himbeerfrucht, flirrend und durchsichtig. Die hocheleganten Gerbstoffe pudern den Zungensaum wie feinstes Magnesium und erzeugen einen geradezu elektrischen Zug. Feinster Extrakt, lebendige Säure – ein Wein von Spannung, nicht von Masse.
- Abgang
- Orchestraler Nachhall, langes Finish, in dem Frucht, Würze und Mineralik noch lange miteinander sprechen.
- Terroir & Herkunft
- Die Trauben stammen von der Einzellage Ravazzol im Marano-Tal, dem historischen Herzen des Valpolicella Classico. Auf 200 bis 300 Metern wurzeln über 60 Jahre alte Rebstöcke in Böden aus Lehm und Kalkstein, durchzogen von Felsen und Geröll. Die Ost-Südost-Ausrichtung der Terrassen sorgt für langsame, gleichmäßige Reifung; die naturgemäß geringen Erträge von fünf bis sechs Tonnen pro Hektar verdichten den Wein auf natürliche Weise.
- Rebsorte & Vinifikation
- Reinsortige Corvina Veronese – für Alessandro Castellani »ein wilder Pinot Noir«. Gelesen wird in bis zu vier Durchgängen über vier Wochen; die Trauben der ersten Selektion werden kurz getrocknet und dann gemeinsam mit den später geernteten gepresst. Die Vergärung erfolgt in offenen 1000-Liter-Holzbottichen, gefolgt von 36 Monaten Reife im geschlossenen Bottich. Vinifiziert wird dieser Wein nur in Jahren, in denen Sommer und Herbst die rechte Balance finden.
- Speiseempfehlungen
- Eine noble Wahl zu Risotto mit Radicchio, Entenbrust mit Kirschen, Lammkarree mit Kräuterkruste oder einem kräftigen Wildschweinragout mit Polenta. Auch zu gereiftem Monte Veronese ein Genuss.
- Besonderheiten
- Ein Valpolicella im Geist des Burgunds: Alessandro Castellani, der sein Handwerk bei Paolo de Marchi in der Toskana schärfte, setzt konsequent auf Frische und Eleganz statt Kraft und Alkohol – mit nur 13,5 % Vol. ein eindrucksvoller Beleg. Dass die Brüder für diesen reinsortigen Wein alte Ravazzol-Reben opfern, die auch Amarone tragen könnten, zeigt den Rang dieser Flasche im Hause. Das Gut wirtschaftet seit 2012 biologisch; zwischen den Zeilen grasen die seltenen Brogna-Schafe.



