Unter den Weinbergen zwischen Reims, Épernay und Avize liegt Kreide, die im Winter Wasser aufsaugt und es im Sommer langsam an die Wurzeln zurückgibt; aus diesem Untergrund ziehen Pinot Noir, Chardonnay und Meunier ihre Spannung. Unsere Auswahl gilt fast ganz dem Winzerchampagner: Erzeugern, die ihre eigenen Reben bewirtschaften, selbst keltern und selbst abfüllen, und die meisten von ihnen arbeiten biologisch oder biodynamisch. Der Bio-Champagner dieser Auswahl umfasst Lagen- und Dorfweine aus der Montagne de Reims, der Vallée de la Marne, der Côte des Blancs und der Côte des Bar, überwiegend als Brut Nature oder Extra Brut abgefüllt, sodass Boden und Jahrgang deutlich zu schmecken sind. Zu den Häusern, die diesen Stil am konsequentesten vertreten, gehört Bonnet-Ponson in Chamery mit seiner ewigen Reserve und null bis fünf Gramm Dosage.
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Winzerchampagner: Champagner direkt vom Winzer
Auf dem Etikett verrät ein kleines Kürzel, woher der Wein kommt. RM steht für Récoltant-Manipulant, also für einen Winzer, der ausschließlich eigene Trauben verarbeitet und den Champagner im eigenen Keller bis zur fertigen Flaschengärung begleitet. Große Häuser kaufen dagegen Trauben aus vielen Dörfern zu und pflegen einen wiedererkennbaren Hausstil über Jahrzehnte. Ein Winzerchampagner erzählt meist von einem einzigen Dorf, manchmal von einer einzigen Parzelle. In der Champagne werden die Lagen nicht einzeln bewertet: Grand Cru und Premier Cru sind Einstufungen ganzer Dörfer, etwa Avize, Le Mesnil-sur-Oger oder Verzy. Unsere Auswahl dieser Spitzendörfer bündelt die Seite Champagne Grand Cru. Champagne heißt übrigens die Region, Champagner der Wein.
Kreide, Ton und Kimmeridge-Mergel
An den Hängen der Montagne de Reims prägt Pinot Noir die Weine, kräftig und dunkelfruchtig, wie bei Huré Frères aus Ludes. Entlang der Marne liegen die Keller in tonreicheren, frostgefährdeten Tälern, wo der spät austreibende Meunier zu Hause ist; Tarlant in Œuilly und Georges Laval in Cumières zeigen, wie viel Tiefe er gewinnt, wenn man ihn ernst nimmt. Die Côte des Blancs südlich von Épernay steht auf reiner Belemnitenkreide und gehört dem Chardonnay: salzig, zitronig, mit Kreidestaub im Nachhall, wie in den Weinen von De Sousa aus Avize und Larmandier-Bernier aus Vertus. Ganz im Süden, in der Aube, wachsen die Reben der Côte des Bar auf Kimmeridge-Mergel, durchsetzt mit fossilen Austernschalen. Hier arbeiten Olivier Horiot in Les Riceys, Clandestin und Vouette & Sorbée mit einem Pinot Noir, der runder und würziger ausfällt als im Norden.
Bio-Champagner im kühlen Norden
Das Klima der Champagne ist atlantisch feucht und kühl, Pilzkrankheiten bedrängen die Reben jedes Jahr. Wer hier ohne Herbizide und synthetische Spritzmittel auskommt, braucht einen lebendigen Boden, Begrünung zwischen den Zeilen und viel Handarbeit. Die Biodynamiker unter unseren Erzeugern, darunter De Sousa, Larmandier-Bernier und Vouette & Sorbée, stärken mit Präparaten und Kompost das Bodenleben, damit die Wurzeln tief in die Kreide vordringen. Georges Laval bewirtschaftet seine Premier-Cru-Lagen in Cumières seit 1971 biologisch. Das Ergebnis schmeckt man: Weine mit mehr Zug, mehr Salz und einer Reife, die ohne Zucker auskommt.
Brut Nature, Holzfass und lange Hefelager
Nach dem Degorgieren erhält Champagner meist eine Dosage, ein wenig Zucker in Wein gelöst. Unsere Winzer halten sie klein: Brut Nature bleibt unter drei Gramm Zucker je Liter ohne jeden Zusatz, Extra Brut darf bis sechs Gramm enthalten. Viele Grundweine gären spontan und reifen in gebrauchten Fässern, was ihnen Textur und eine sanfte Oxidation schenkt. Dazu kommt Zeit auf der Hefe, die aus Frucht Brioche, Haselnuss und feine Cremigkeit macht; die Tarlant Cuvée Louis Brut Nature Millésime 1996 lag 26 Jahre auf der Hefe, bevor sie degorgiert wurde.
Champagner für Silvester und die Festtage
Zum Aperitif trägt ein Brut Nature den Abend am besten: Bonnet-Ponson Cuvée perpétuelle RP22AB Non Dosé Premier Cru kommt ohne Dosage aus, schmeckt staubtrocken und salzig nach Backwerk und reifer Frucht und begleitet Austern. Zum Menü passt ein Rosé, etwa De Sousa Rosé Brut mit Cranberry, roter Johannisbeere und Kreide, der zu Geflügel und Entenbrust trägt. Zum Hauptgang verdient ein Jahrgangschampagner den Platz im Glas, wie Larmandier-Bernier Terre de Vertus Premier Cru Blanc de Blancs Brut Nature 2017, der nasse Kreide, Muschelschale und Quitte zeigt; zu den Jahrgangsbewertungen gibt es einen eigenen Beitrag im Weinwissen. Lieferbar sind 139 Jahrgangschampagner von 23 Winzern. Junge Champagner kommen mit 8 bis 10 °C auf den Tisch, Jahrgangschampagner und reife Weine mit 10 bis 12 °C, gekühlt im Eiskübel mit Wasser und Eis in etwa 20 Minuten oder über einige Stunden im Kühlschrank.
Rosé-Champagner
Zum Rosé führen zwei Wege. Beim Rosé de Saignée bleiben die roten Trauben kurze Zeit auf der Maische, bis Saft und Farbe die gewünschte Tiefe haben; beim Rosé d’Assemblage wird Weißwein mit einem Anteil stillen Rotweins aus der Champagne verschnitten. Für die erste Art stehen Larmandier-Bernier Rosé de Saignée Premier Cru Extra Brut, reinsortiger Pinot Noir aus Vertus, Waldhimbeere, Cassis und Hagebutte in der Nase, von Larmandier-Bernier, das seit 1999 biodynamisch arbeitet, und Tarlant Saignée des Tempêtées Rosé de Saignée Brut Nature 2018 von Tarlant, Pinot Noir aus der Einzellage Tempêtée, 16 Stunden auf der Maische, ohne Dosage. Die Assemblage zeigt De Sousa Rosé Brut mit acht Prozent Pinot Noir aus Aÿ, dazu gehört Régis Poissinet Terre de Rosé Extra Brut, ein Fasswein aus Meunier und Chardonnay mit Walderdbeere und leichtem Tanningrip. Die Rosé-Auswahl umfasst gut zwanzig lieferbare Champagner.
Magnum und Großformate
Champagner reift in der Magnum langsamer, weil die doppelte Weinmenge auf denselben Flaschenhals, dieselbe Luftblase unter dem Korken und denselben Korken trifft: je Liter Wein gelangt weniger Sauerstoff in die Flasche, und die größere Masse hält die Temperatur ruhiger. Unsere Auswahl zählt 40 Magnums von 17 Häusern, ab 90 Euro, dazu kommen 8 Doppelmagnums mit drei Litern und ein Methusalem mit sechs Litern. Den Einstieg markiert Régis Poissinet L’émergente Extra Brut Magnum für 90 Euro, aus Chardonnay und Meunier von 35 einzeln vinifizierten Parzellen, biodynamisch erzeugt. De Sousa Réserve Extra Brut Blanc de Blancs Grand Cru Magnum bringt Chardonnay aus Grand-Cru-Lagen mit mindestens 25 Prozent Reserveweinen ins große Format. Larmandier-Bernier Latitude Blanc de Blancs Extra Brut Magnum assembliert bis zu sechs Jahrgänge und liegt als Methusalem ebenfalls bereit. Alle Großformate stehen in einer eigenen Ansicht.
























