Verkostungsnotiz
Passetoutgrain, diese altmodische, liebenswerte Burgunder-Appellation, bei der Gamay und Pinot Noir gemeinsam gelesen und vergoren werden, erlebt bei Pierre-Henri Rougeot eine kleine Renaissance. Der junge Winzer aus Meursault – seit 2016 auf Kurs kompromissloser Qualität, bio-zertifiziert seit 2020 – versteht die Kategorie als lebendige Alternative zur Prestige-Hierarchie seiner Heimat. Sein „Les Vercherres“ ist der Beweis: Burgund, das Freude macht, ohne sich ernst zu nehmen.
- Farbe & Aussehen
- Dunkles Rubinrot mit seidenmatter Trübung – ein ungeschöntes, ehrliches Erscheinungsbild, das den puristischen Anspruch des Namens „Sans Sulfite Ajouté“ untermalt.
- Nase
- Ein rotfruchtiges Feuerwerk: Amarenakirsche, kleine Himbeeren, Orangenzesten und das intensive Parfum von Walderdbeeren. Die Frucht ist treibende Kraft, kühl und präzise gefasst, mit jener kristallinen Klarheit, für die Rougeots Keller im Herzen von Meursault bekannt sind.
- Gaumen
- Saftige, satte Frucht, feingliedrig konturiert von einem leuchtend roten, strahlenden Säurenerv, der vom Antrunk bis ins lange Finish trägt. Seidig feiner Extrakt, die Gerbstoffe bleiben dezent zurückhaltend – der Trinkfluss leidet nicht. Bei nur 12,0 % Vol. ein Wein von federnder Leichtigkeit, der Burgund für jeden Tag liefert, ohne ein Proseminar daraus zu machen.
- Abgang
- Lang und vibrierend, rotfruchtig bis in den letzten Zug, mit kühl-saftigem Nachhall, der den Durst eher schürt als stillt.
- Terroir & Herkunft
- Die Parzelle „Les Vercherres“ in Meursault umfasst einen Hektar rund 40 Jahre alter Reben im Mischsatz, gewachsen auf kalkhaltigen Lehmböden. Die Domaine Rougeot Père & Fils bewirtschaftet insgesamt 12,6 Hektar in Meursault, Volnay und Pommard; seit 2021 läuft die Demeter-Umstellung.
- Rebsorte & Vinifikation
- Cuvée aus 70 % Gamay und 30 % Pinot Noir. Handlese in kleinen Kisten, erneute Selektion, dann 100 % Ganztrauben in den Gärbehälter. Die spontane Maischegärung dauert acht bis zehn Tage, begleitet von ein bis zwei Remontagen und Pigeagen täglich. Frei ablaufender Most und Presswein werden vereint und mit der Feinhefe ins Fass gelegt, wo auch der biologische Säureabbau erfolgt. Der Ausbau dauert sieben bis acht Monate in ein- bis fünfjährigen Fässern.
- Speiseempfehlungen
- Leicht gekühlt ein Chamäleon am Tisch: grobe Terrine mit Cornichons, gegrillte Lammkoteletts, Entenbrust mit Kirschen oder einfach Salami und ein Laib Landbrot. Auch Pilzpfanne mit Thymian passt glänzend zur kühl-erdigen Frucht.
- Besonderheiten
- Wie die diagonal gestreiften Etiketten signalisieren: Diese Cuvée wird komplett ohne Schwefelzusatz vinifiziert – ein Bekenntnis zur Reinheit, das im Burgund längst nicht selbstverständlich ist. Dass eine solche Radikalität ausgerechnet in der bescheidenen Passetoutgrain-Kategorie so leichtfüßig gelingt, spricht für das Handwerk dahinter. Flasche leer – Feuerwehr!





