Nota de cata
Es gibt Champagner, die man trinkt, und Champagner, die man liest wie ein Landschaftsfoto. Dieser gehört zur zweiten Kategorie. Die Côte des Bar liegt näher an Chablis als an Reims – und genau das schmeckt man: Kimmeridge-Kalk, darin die Fossilien der Auster Exogyra virgula, 150 Millionen Jahre alte Erinnerung, die sich im Glas als salzige, jodige Schärfe meldet. Delphine Brulez, die das 1910 gegründete Haus in vierter Generation führt, gibt ihren Weinen mindestens fünf Jahre auf der Hefe – zwei mehr, als das Gesetz verlangt – und verzichtet konsequent auf jede Dosage. Was bleibt, ist Champagner ohne Schminke, von kristalliner Präzision.
- Color y aspecto
- Goldgelb mit feinem, leicht kupferfarbenem Einschlag; die Perlage steigt lebendig und dicht.
- Nariz
- Eine spannende Doppelbewegung aus Frische und Anflug von Oxidation: Zitronensaft und -zeste, frisches Kernobst, dazu mürbe Äpfel wie eine Reminiszenz an den Herbstkeller. Darunter Grafit, zerstoßener Stein, Austernschalen und eine feine jodige Spur – der Kalk meldet sich unmissverständlich zu Wort, gebremst von einer leichten, reizvollen Reduktion.
- Boca
- Rund, frisch und intensiv zugleich. Rote Kelleräpfel, reifes Steinobst und Kräuter treffen auf kalkige Mineralität, einen hauchfeinen Gerbstoff und deutliche Salzigkeit. Das Mousseux ist lebendig, aber fein; die Säure gibt Halt, ohne zu spitzen. Ein junger Wein mit Rückgrat und klarer Handschrift.
- Final
- Lang und präzise, mit nachhallender Zitrusfrische, Gestein und salzigem Nachhall – ein Finale, das eher nach Ebbe schmeckt als nach Süße.
- Terroir y origen
- Noé-les-Mallets, Côte des Bar: Reben auf bis zu 320 Metern Höhe, südostexponiert, auf Kimmeridge-Kalk und Mergel mit Tonerde-Auflage – geologische Geschwister des Chablis. Diese südliche Champagner-Lage erzeugt mineralische Präzision und unerwartete Tiefe.
- Variedad y vinificación
- Zu je 50 % Pinot Noir und Chardonnay. Der Grundwein gärt in gebrauchten Burgunder-Fässern mit wilden Hefen, die Moste werden in vier feinen Pressdurchgängen getrennt. Die Assemblage wurde im Edelstahl zusammengeführt, der Wein reifte von Sommer 2023 bis Oktober 2025 auf der Hefe und wurde Brut Nature – vollkommen ohne Dosage – degorgiert.
- Maridajes
- Die jodige, kalkige Seite verlangt nach Meer: Austern, Carpaccio vom Seezungenfilet, gegrillte Jakobsmuscheln. Auch zu Comté oder einem jungen Ziegenkäse zeigt sich die nussige Reife von ihrer besten Seite.
- Particularidades
- Ausschließlich Jahrgangschampagner, ausschließlich Brut Nature – und seit 2017 bio-zertifiziert (praktiziert seit 2011). Delphine Brulez schneidet nach der sanften Simonit-Sirch-Methode; der Mykorrhiza-Anteil im Boden stieg unter ihrer Führung von 18 auf 70 Prozent. Die 375-ml-Halbe macht daraus die vielleicht ehrlichste Art, Kimmeridge-Kalk solo zu erkunden.





