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Editorial-Collage zum Terroir von Priorat und Montsant: zwei Handflächen mit schwarzen Llicorella-Schieferplättchen und rotem Lehm mit weißen Gipsadern vor terrassierten Hängen und Olivenhainen

Terroir Priorat & Montsant: der schwarze Kern und sein Ring

Llicorella im Zentrum, Sand, Gips, Lehm und Kalk darum herum — warum wenige hundert Meter über den Charakter eines Weins entscheiden

Auf der Landkarte ist es kaum mehr als eine Linie: Das Montsant legt sich wie ein Ring um das Priorat, an manchen Stellen trennen nur wenige Meter die eine Appellation von der anderen. Im Glas liegt eine Welt dazwischen. Beide Nachbarn arbeiten mit denselben Trauben, Garnacha und Cariñena, doch unter den Rebzeilen wechselt das Fundament — schwarzer Llicorella-Schiefer im Kern, Sand, Gips, Lehm und Kalk im Ring darum. Wer verstehen will, warum ein Wein so schmeckt, wie er schmeckt, findet in diesem Winkel Kataloniens das anschaulichste Lehrstück Spaniens.

Priorat: Terrassen aus schwarzem Stein

Im Süden des Priorat, zwischen den Dörfern El Lloar und Bellmunt, fand der Architekt Alfredo Arribas 2001 brachliegende Terrassen mit Rebstöcken, die über hundert Jahre alt waren und auf eigener Wurzel standen. Die Reblaus hatte sie verschont, weil der Llicorella-Schiefer zu karg und zu steil war, als dass sich der Befall gelohnt hätte. Aus diesen Terrassen keltert Portal del Priorat heute Weine, die das Priorat von seiner eleganten Seite zeigen: Erträge von etwa einem Kilogramm Trauben pro Stock, frühe Lese, Spontangärung, keine neuen Barriques. Der Gotes del Priorat duftet nach Veilchen, Garrigue und nassem Schiefer; der Somni, katalanisch für „Traum“, vereint Cariñena und Syrah zu mediterraner Würze mit kühlender Mineralität. Arribas bringt das Terroir auf einen Satz, den man sich merken kann: Der Schiefer prägt den Wein stärker als das Holz.

Was der Llicorella genau ist und warum er von der Mosel bis ins Douro-Tal Verwandte hat, erzählt unser Kapitel über die Schieferweine Europas.

Gratallops, Porrera, Torroja: die Dörfer der neuen Klassiker

Weiter im Herzen der Appellation, um die Dörfer Gratallops und Porrera, verdichtet sich die jüngere Geschichte der Region. 1989 überredeten Álvaro Palacios und René Barbier ihre Freundin Daphne Glorian, alle Ersparnisse in alte Garnacha-Reben auf siebzehn Terrassen bei Gratallops zu stecken. Daraus wurde Clos i Terrasses — und der Clos Erasmus, der erste 100-Punkte-Wein des Priorat: reiner Llicorella-Schiefer in der Lage Escales, Reben über achtzig Jahre alt, maximal zwölf Barriques im Jahr. Seit 2004 arbeitet Glorian biodynamisch, unterstützt von Ester Nin — womit die nächste Geschichte beginnt. Nin, die bei Clos Erasmus erste Erfahrungen sammelte, keltert mit Carles Ortiz unter Familia Nin Ortiz an Steillagen rund um Porrera, die so schroff sind, dass sie mit Maultieren gepflügt werden — eine Methode, die dort seit den 1960er Jahren niemand mehr praktiziert hatte. „Biodynamic since day one“ steht auf jedem Korken; der Nit de Nin wächst nordexponiert auf reinem Schiefer mit teils über hundertjährigen Reben, und der Planetes Blanc aus der seltenen Cariñena Blanca zählt zu den eigenständigsten Weißweinen Spaniens.

In Gratallops selbst zeigt Trossos del Priorat, was der Name verspricht: „Trossos“, katalanisch für „Stücke“ — acht Parzellen mit eigenem Mikroklima auf 21 Hektar biologisch bewirtschaftetem Llicorella. Önologin Eva Escudé hält es mit einem Satz, der die Hierarchie der Region auf den Punkt bringt: „Einer der größten Irrtümer ist es, dem Önologen zu viel Bedeutung beizumessen — das Wichtigste ist, hervorragende Trauben zu haben.“ Und in Torroja arbeitet Terroir al Limit, gegründet von dem Münchner Dominik Huber gemeinsam mit dem Südafrikaner Eben Sadie: fünfzehn Hektar biodynamisch, Ganztrauben-Vergärung ohne Pigeage, eine der frühesten Lesen der Region, die Weine nach burgundischem Vorbild in Orts- und Lagenweine gegliedert. An der Spitze steht Les Manyes, mit 100 Punkten ausgezeichnet: ein Priorat von Finesse, das nach Veilchen und nassem Schiefer duftet.

Die Grenze: wenige Meter, zwei Welten

Aquarell: vier Bodenproben nebeneinander — schwarzer blättriger Schiefer, heller Sand mit rötlichem Gips, roter Lehm mit weißen Gipsadern, körniger Kalk mit Kreidespuren
Vier Fundamente auf engstem Raum: Schiefer, Sand mit Gips, Lehm mit Gipsadern, Kalk mit Kreide.

Wie schnell das Fundament wechselt, zeigt das Schwesterprojekt von Terroir al Limit, das die Grenze in den Namen aufgenommen hat: Terroir Sense Fronteres, „Terroir ohne Grenzen“. Manche Parzellen liegen nur wenige hundert Meter von den Priorat-Hängen entfernt, doch statt auf Schiefer stehen die Reben hier in lockeren, sandig-tonigen Böden, und die weniger strengen Regeln der DO Montsant erlauben mehr Experiment. Im Keller gibt es keinen Entrapper und keine Barriques: Die Trauben werden komplett mit Stielen per Fuß gestampft und in 400-Liter-Terracotta-Amphoren oder Betontanks vergoren, geschönt oder filtriert wird nicht. Im Mittelpunkt steht der Weinberg Les Montalts auf 800 Metern — vier Hektar mit 45 Jahre alten Garnacha-Buschreben, aus denen der Guix Vermell entsteht, „roter Gips“, benannt nach der Farbe des Bodens. Der Negre zeigt wilde Kräuter und rote Beeren, der weiße Brisat aus Macabeu eine salzige Mineralität, die eher an Burgund denken lässt als an das kraftvolle Spanien.

Cornudella de Montsant: das kühlste Eck

Aquarell: große eiförmige Wein-Amphore aus Ton, davor ganze unentrappte Traubenbündel
Amphore statt Barrique: die Vinifikation des Montsant.

Ganz im Norden der DO, in Cornudella de Montsant auf 700 Metern über dem Mittelmeer, sorgen Höhenlage und große Tag-Nacht-Unterschiede für die frischesten, floralsten Weine der Region. Hier, auf rotem Lehm mit Gipsadern, wachsen die 50 bis 60 Jahre alten Garnacha- und Cariñena-Reben, aus denen Tatjana Pećerić — die Kellermeisterin von Terroir al Limit — ihr persönliches Projekt Coreografia keltert; eine Winzerin, die als Tänzerin durch Frankreich tourte, bevor sie in Montpellier Önologie studierte. Ihr Pas de deux ist ein Paartanz aus Garnacha und Cariñena: Die eine vergärt mit wilden Hefen in Tonamphoren, die andere spontan im Stahltank; nach sechs Monaten getrennter Reife werden beide vermählt und unfiltriert gefüllt. Im Glas stehen rote Beeren und ein Hauch Veilchen über der salzigen Mineralik des Gipsbodens.

In derselben Höhenzone, bei Cornudella und Siurana, liegen die Nordlagen von Vins Nus zwischen 700 und 820 Metern auf gelben Lehmböden. „Nackte Weine“ heißt der Name übersetzt, und gemeint ist ein Programm des Weglassens: keine Extraktion, kaum Holz, kein Schwefel — nur Amphoren, Geduld und alte Grenache im Gobelet-Schnitt. Der Siuralta Orange aus Grenache Gris mazeriert kurz in der Amphore, die InStabile-Serie trägt Nummern statt Namen und Calder-Mobiles auf dem Etikett. Für das Haus ist das Montsant keine Kopie des Priorat, sondern dessen Gegenthese: Leichtigkeit statt Wucht, Säure statt Tannin.

Der Süden: hundertjährige Stöcke zwischen Sand und Kalk

Hinter Vins Nus steht derselbe Alfredo Arribas wie hinter Portal del Priorat — und sein eponymes Weingut bewirtschaftet über 80 Hektar zwischen beiden Appellationen, viele Reben auf ursprünglichem Wurzelstock. Seine Parzellenweine buchstabieren die Böden des südlichen Montsant durch: Der Trossos Vells stammt von hundertjährigen Stöcken auf sandigen und tonigen Böden, der Trossos Sants von uralten Grenache-Reben auf kalkhaltigem Untergrund, und der Gotes del Montsant beweist, dass Frische in einer der trockensten Regionen Spaniens aus Höhe, kühlen Nächten und dem richtigen Lesezeitpunkt entsteht.

In Darmós schließlich, auf 125 bis 250 Metern und keine zwanzig Meilen vom Mittelmeer, steht körniger Kalkstein an, durchsetzt mit Lehm und Kreide. Hier führt Josep Maria Anguera die Casa Gabriel weiter — Vinyes d’en Gabriel, deren Reben seit dem 19. Jahrhundert ohne Herbizide und synthetische Dünger auskommen; seit 2004 arbeitet das Gut biodynamisch. Die Wurzeln greifen bis zu acht Meter tief in den Kalk, die Nachbarn sind keine Weinberge, sondern Mandel- und Olivenhaine. Die ältesten Samsó-Stöcke zählen über neunzig Jahre, und ein einzelner hundertjähriger Tempranillo neben dem alten Brunnen trägt bis heute Trauben. Das Flaggschiff Mans de Samsó, reinsortiger Carignan aus den ältesten Parzellen, entsteht in wenigen hundert Flaschen im Jahr.

Eine Traube, drei NamenWas in Frankreich Carignan heißt und in Spanien Cariñena, nennen sie im Montsant Samsó. Es ist dieselbe Traube, die zusammen mit der Garnacha das Rückgrat beider Appellationen bildet — alte Samsó-Bestände mit kleinen, konzentrierten Beeren gehören zu den größten Schätzen der Region.

Auf einen Blick: die Böden der beiden Appellationen

Stilisierte Karte Süd-Kataloniens: das Priorat als dunkler Kern, das Montsant als Ring darum, mit den Orten El Lloar, Bellmunt, Gratallops, Porrera, Torroja, Cornudella de Montsant, Siurana, La Figuera und Darmós
OrtAppellationBodenWeingut
El Lloar & BellmuntPrioratschwarzer Llicorella-SchieferPortal del Priorat
Gratallops (Escales)Prioratreiner Llicorella-SchieferClos i Terrasses
GratallopsPrioratLlicorella, 8 ParzellenTrossos del Priorat
PorreraPrioratLlicorella-Steillagen bis 700 mFamilia Nin Ortiz
TorrojaPrioratSchiefer, Ganztrauben-InfusionTerroir al Limit
Les Montalts (La Figuera)MontsantSand, roter Gips, 800 mTerroir Sense Fronteres
Cornudella de MontsantMontsantroter Lehm mit Gipsadern, 700 mCoreografia
Cornudella & SiuranaMontsantgelber Lehm, Nordlagen, 700–820 mVins Nus
südliches MontsantMontsantsandig-tonig und kalkhaltigAlfredo Arribas
DarmósMontsantkörniger Kalk, Lehm, KreideVinyes d’en Gabriel

Häufige Fragen

Was unterscheidet Priorat und Montsant?

Vor allem der Boden und die Regeln. Im Priorat dominiert der schwarze Llicorella-Schiefer mit steilen Terrassen und winzigen Erträgen; das Montsant legt sich als Ring darum und bietet Sand, Lehm, Gips und Kalk — dazu weniger strenge Appellationsregeln, die mehr Experiment erlauben. Die Rebsorten sind weitgehend dieselben: Garnacha und Cariñena.

Warum ist Clos Erasmus so berühmt?

Weil er der erste 100-Punkte-Wein des Priorat war — und diese Wertung mehrfach wiederholte. Daphne Glorian keltert ihn aus Garnacha und Syrah von siebzehn Terrassen bei Gratallops, in einer Auflage von maximal zwölf Barriques im Jahr, seit 2004 biodynamisch. Der zugänglichere Laurel stammt aus denselben Händen.

Was ist der Arbre Negre aus dem Priorat?

Ein breit erhältlicher Einstiegs-Rotwein aus Garnacha und Cariñena auf Llicorella-Böden, vertrieben vom Handelsprojekt Vinos para Ti — für viele der erste Kontakt mit dem Namen Priorat. Wer danach wissen will, wie die Region klingt, wenn Winzer sie selbst erzählen, findet den nächsten Schritt in Ortsweinen wie dem Gotes del Priorat oder dem Terra de Cuques.

Was ist Samsó?

Der katalanische Name des Montsant für die Traube, die in Frankreich Carignan und in Spanien Cariñena heißt. Alte Samsó-Reben mit kleinen, konzentrierten Beeren zählen zu den wertvollsten Beständen der Region.

Warum sind Priorat-Weine so konzentriert?

Weil der karge Schiefer die Reben kaum etwas tragen lässt. Bei alten, wurzelechten Beständen liegt der Ertrag mitunter bei einem Kilogramm Trauben pro Stock — wenige Beeren, in denen sich alles sammelt, was der Stein zu geben hat.

Gibt es auch weiße und orange Weine aus der Region?

Ja, und sie gehören zu den spannendsten Kapiteln: Garnatxa Blanca und Macabeu ergeben straffe, salzige Weißweine wie den Quars von Portal del Priorat, die seltene Cariñena Blanca den Planetes Blanc von Familia Nin Ortiz. Als „Brisat“ — katalanisch für maischevergoren — kommen Gerbstoff und Tiefe dazu, etwa beim Brisat von Terroir Sense Fronteres. Und aus der grau-roten Grenache Gris entsteht mit kurzem Amphoren-Maischekontakt der Siuralta Orange von Vins Nus.

Ist Montsant nur der kleine Bruder des Priorat?

Die Winzer der Region sehen es längst anders: Ihre besten Lagen — Gipsadern bei Cornudella, Kalk und Kreide bei Darmós — tragen einen eigenen Stil, leichter und säurebetonter als der Schiefer-Nachbar.

Beide Appellationen führen wir mit einer eigenen Auswahl — alle verfügbaren Weine zeigt die Übersicht Priorat & Montsant.

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