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Coreografia

Tatjana Pećerić vom Weingut Coreografia

Bevor der erste Tropfen in die Flasche kam, tourte Tatjana Pećerić mit einer serbischen Volkstanzgruppe durch Frankreich. Die Winzerin hinter Coreografia tauschte Tanzschuhe gegen Gummistiefel erst mit 24 Jahren – heute leitet sie den Keller von Terroir al Límit und erschafft mit ihrem eigenen Projekt Weine, die an Choreographien erinnern: präzise, fließend, schwerelos.

In den Höhenlagen von Cornudella de Montsant, 700 Meter über dem Mittelmeer, gedeihen 50 bis 60 Jahre alte Garnacha- und Cariñena-Reben auf rotem Lehm mit Gipsadern. Die Trauben bleiben ganz, werden mit Füßen gestampft und vergären wild in Amphoren oder Stahltanks. Kein Entrappen, kein Holz, keine Filtration. Was bleibt: Weine von betörender Leichtigkeit, die zeigen, dass Montsant genauso aufregend sein kann wie das berühmte Priorat nebenan.




Mehr über Coreografia

Vom serbischen Volkstanz in den katalanischen Keller

Als junge Frau bereiste Tatjana Pećerić regelmäßig Frankreich – als Tänzerin in einer angesehenen serbischen Folkloretruppe. Zwischen Auftritten entdeckte sie die französische Wein- und Esskultur und war fasziniert von der Idee, dass ein Getränk einen Ort erzählen kann. Mit 24 hängte sie die Tanzschuhe endgültig an den Nagel und zog nach Montpellier, um Önologie zu studieren.

Heute ist sie Kellermeisterin bei Terroir al Límit im Priorat und leitet gemeinsam mit Dominik Huber das Montsant-Projekt Terroir Sense Fronteres. Doch Coreografia ist ihr ganz persönliches Kapitel: ein Projekt, das sie seit 2018 verwirklicht – mit Trauben von einer befreundeten biodynamischen Finca auf 700 Metern Höhe.

Weinberge auf rotem Lehmboden im Montsant

Pas de deux: Ein Tanz zweier Rebsorten

Der Name ihres Weins – Pas de deux – stammt aus dem klassischen Ballett und bezeichnet den Paartanz. Passend, denn der Wein ist ein 50/50-Blend aus Grenache und Carignan von 50 bis 60 Jahre alten Reben. Die Garnacha vergärt mit wilden Hefen in Tonamphoren, zusammen mit etwas Garnacha Gris vom selben Weinberg. Die Cariñena fermentiert spontan im Stahltank. Sechs Monate reifen beide Komponenten getrennt, bevor sie vermählt und unfiltriert abgefüllt werden.

Was im Glas landet, erinnert tatsächlich an eine Choreographie: fließend, transparent, dabei erstaunlich vielschichtig. Rote Beeren, ein Hauch von Veilchen, darunter die salzige Mineralik des Gipsbodens. Weine, die man nicht analysiert, sondern einfach trinkt – und sich wundert, wie schnell die Flasche leer ist.

Terracotta-Amphoren im Keller

Cornudella de Montsant: Das kühlste Eck der Appellation

Während viele Montsant-Weine aus den südlicheren, wärmeren Dörfern La Figuera oder Capçanes stammen, bezieht Tatjana ihre Trauben aus Cornudella de Montsant ganz im Norden der DO. Die Höhenlage bringt kühlere Temperaturen und größere Tag-Nacht-Unterschiede, was zu frischeren, floraleren Weinen führt.

Die Böden aus rotem Lehm durchzogen von Gipsadern unterscheiden sich von den berühmten Llicorella-Schieferplatten des Priorat – doch Tatjana ist überzeugt: Die besten Terroirs des Montsant sind genauso aufregend wie die des berühmten Nachbarn. Ihre Weine, allen voran der Pas de deux 2018, zählen zu den am höchsten bewerteten der Region.

Infusion statt Extraktion

Tatjanas Stil steht im Kontrast zu vielen kraftvollen, konzentrierten Weinen der Region. Sie praktiziert „Infusion Winemaking“: Die Trauben werden nicht entrappt, es gibt kein Umpumpen oder Untertauchen der Maische. Die Mazeration erfolgt sanft, angetrieben nur durch Fußstampfen. Die Reifung findet in Amphoren oder Edelstahl statt – niemals in Eichenholz.

Das Ergebnis sind Weine von texturaler Sinnlichkeit und tänzerischer Leichtigkeit: Perfekte Speisenbegleiter mit Tiefe und Trinkfluss, die zeigen, was möglich ist, wenn eine Tänzerin Winzerin wird.

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