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Editorial-Collage zum Llicorella-Schiefer: eine Hand voller schwarzer, glimmernder Schieferplättchen vor terrassierten Steilhängen mit alten Buschreben und tiefer Abendsonne

Llicorella & Co: Schieferweine Europas

Schwarzer Schiefer im Priorat, Eisen im Bierzo, Steilhänge im Douro — die südliche Seite eines großen Bodens

Wer Schiefer nur mit Riesling verbindet, kennt die halbe Geschichte. Südlich der Alpen und westlich der Pyrenäen trägt dasselbe Gestein andere Namen, andere Farben und andere Rebsorten — und bringt einige der charaktervollsten Rotweine Europas hervor. Die Route führt vom katalanischen Priorat über Maury und den Bierzo bis ins Douro-Tal, mit Abstechern, die man diesem Boden gar nicht zutrauen würde.

Llicorella: der schwarze Schiefer des Priorat

Aquarell: eine Handvoll schwarzer, glimmernder Llicorella-Schieferplättchen

Im Priorat heißt der Schiefer Llicorella. Er ist schwarz, glimmert in der Sonne und ist so karg, dass selbst die Reblaus einst kapitulierte. Portal del Priorat keltert dort Garnacha und Cariñena, deren Wurzeln im schwarzen Llicorella-Schiefer stehen, in Lagen bis über 700 Meter — und bringt die Sache auf einen Satz, den man sich merken kann: Der Schiefer prägt den Wein stärker als das Holz.

Aquarell: einzelne knorrige, wurzelechte alte Buschrebe auf kargem schwarzem Schiefer-Terrassenhang
Zu karg für die Reblaus: wurzelechte alte Buschreben auf Llicorella.
Warum die Reblaus am Llicorella scheiterteAls die Reblaus Ende des 19. Jahrhunderts Europas Weinberge vernichtete, blieben Teile der Priorat-Hänge verschont — der Llicorella-Schiefer war zu karg und zu steil, als dass sich der Befall gelohnt hätte. Deshalb stehen hier bis heute wurzelechte, uralte Reben.

Maury: Süßwein vom dunklen Schiefer

Nordwestlich davon, im französischen Roussillon, liegt Maury im Tal des Agly. Die Parzellen von Terres de Fagayra stehen auf Schiefer und Kalkschiefer; die Böden aus dunklem Schiefer speichern die Wärme, und aus 66 Jahre alten Grenache-Reben entstehen Vins Doux Naturels mit einem mineralischen Zug, den man Süßweinen selten zutraut. Schiefer diszipliniert eben auch die Süße.

Bierzo: Eisen im Stein, Mencía im Glas

Im Nordwesten Spaniens, wo Galicien und Kastilien sich treffen, wachsen die Reben von Sangarida auf eisenhaltigen Schieferböden — einer Mischung aus Eisenoxid, Kalk und Schiefer. Die ältesten Parzellen wurden 1901 und 1910 gepflanzt. Mencía bringt hier rote Frucht mit kühler Würze, Godello eine straffe, steinige Weißwein-Antwort darauf.

Douro: Schiefer als Wärmespeicher

Aquarell-Lehrbild: links Sonne über dunklem Schieferhang am Tag, rechts Mond bei Nacht mit Wärmelinien, die vom warmen Stein zur Rebe aufsteigen
Tagsüber laden, nachts heizen: das Wärmespeicher-Prinzip des Schiefers.

Im portugiesischen Douro-Tal wird das Prinzip Schiefer zur Überlebensfrage: Der Stein speichert die Hitze des Tages und gibt sie nachts ab, während die Steilhänge die Wurzeln tief in den Fels zwingen. Genau so beschreibt Niepoort das Terroir der Quinta de Nápoles — alte Reben, autochthone Sorten und Weine, die Kraft mit Frische verbinden, weil der Boden beides erzwingt.

Die Überraschungen: Extremadura, Loire, Toskana

Dass Schiefer auch abseits der berühmten Täler Charakter stiftet, zeigen drei sehr unterschiedliche Adressen. In der Extremadura bewirtschaftet Habla 200 Hektar karge Schieferböden bei Trujillo — modernes Spanien auf altem Stein. An der Loire beweist Luneau-Papin, dass sogar Muscadet zum Terroir-Wein wird: Melon de Bourgogne wirkt dort wie ein Verstärker für Granit, Schiefer und Gneis, am deutlichsten in der Lage Vera Cruz auf Glimmerschiefer. Und in der Toskana, an den Hängen des erloschenen Vulkans Monte Amiata, wächst der Sangiovese von Bakkanali zwischen 600 und 850 Metern auf Kalkstein, Schiefer und vulkanischen Silikaten.

Auf einen Blick: Europas Schiefer-Süden

Stilisierte Aquarell-Karte Südwesteuropas mit sieben markierten Schiefer-Weinregionen
RegionGesteinRebsortenWeingut
Priorat (Katalonien)schwarzer Llicorella-SchieferGarnacha, CariñenaPortal del Priorat
Maury (Roussillon)dunkler Schiefer, KalkschieferGrenache (VDN)Terres de Fagayra
Bierzo (Spanien)eisenhaltiger SchieferMencía, GodelloSangarida
Douro (Portugal)Schiefer-Steilhängeautochthone SortenNiepoort
Extremadurakarger Schiefer (200 ha)Cabernet Franc, Malbec, SyrahHabla
Muscadet (Loire)Glimmerschiefer, GneisMelon de BourgogneLuneau-Papin
Monte Amiata (Toskana)Schiefer im Vulkan-MixSangioveseBakkanali

Häufige Fragen

Was ist Llicorella?

Der katalanische Name für den schwarzen, glimmernden Schiefer des Priorat. Er ist extrem karg und speichert Wärme — Reben tragen wenig, das aber konzentriert. Die Weine gelten als Inbegriff von „flüssigem Stein“.

Warum stehen im Priorat noch so alte Reben?

Weil die Reblaus die kargen, steilen Llicorella-Hänge teils verschonte. Wurzelechte Bestände von weit über 100 Jahren sind hier keine Rarität, sondern Fundament der Spitzenweine.

Ist Schiefer im Süden derselbe wie an der Mosel?

Geologisch verwandt, klimatisch verschieden. An der Mosel hilft der wärmespeichernde Stein dem Riesling durch kühle Nächte; im Priorat und im Douro zwingt derselbe Mechanismus die Reben zu Tiefwurzeln gegen die Dürre. Wie Schiefer im Norden schmeckt, lesen Sie in Teil 1.

Welche Rebsorten funktionieren auf Schiefer?

Auffallend viele: Garnacha und Cariñena im Priorat, Grenache in Maury, Mencía und Godello im Bierzo, autochthone Douro-Sorten, sogar Melon de Bourgogne an der Loire. Gemeinsam ist den Weinen die steinige, salzige Ader — nicht die Farbe.

Alle genannten Weingüter führen wir mit ihren aktuellen Weinen — jede Erzeugerseite zeigt die verfügbaren Flaschen. Den nördlichen Teil der Geschichte erzählt Teil 1: Wein vom Schiefer — rot, grau, blau.

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