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Champagne




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Winzer-Champagner: Was das bedeutet

Ein Récoltant-Manipulant baut seine Trauben selbst an und vinifiziert sie im eigenen Keller – im Gegensatz zu den großen Häusern, die Trauben von hunderten Zulieferern assemblieren und dabei vor allem Markenkonsistenz anstreben. Ein Winzer-Champagner hingegen kontrolliert den gesamten Prozess, vom Rebschnitt im Februar bis zum Dégorgement Jahre später, und bringt so die Eigenheiten seines Terroirs ungefiltert in die Flasche. Das Ergebnis sind Champagner, die schmecken wie der Ort, an dem sie gewachsen sind – nicht wie ein Logo.

Vier Terroirs, 25 Winzer

Auf der Côte des Blancs tritt die Belemniten-Kreide direkt an die Oberfläche und erzeugt die präzisesten Blanc de Blancs der Welt. Larmandier-Bernier arbeitet hier seit 1999 biodynamisch auf reiner Kreide, De Sousa pflügt Grand-Cru-Parzellen in Avize mit Pferden, und Pertois-Lebrun rüttelt seine Flaschen noch von Hand – Parzellenarbeit mit einer Granularität, die selbst unter Winzer-Champagnern ungewöhnlich ist.

Die Montagne de Reims umgibt ein bewaldetes Plateau, dessen Nord- und Südhänge gleichermaßen Grand-Cru-Qualität liefern – eine Besonderheit, die dem Pinot Noir hier eine besondere Bandbreite verleiht. Marguet kartiert Einzellagen in Ambonnay mit einer Detailtiefe, die an Burgund erinnert, während Brochet seine gesamte Produktion von maximal 11.000 Flaschen aus einer einzigen 2,5-Hektar-Parzelle gewinnt. Lacourte-Godbillon geht so weit, die Eichenfässer aus dem Wald neben den eigenen Weinbergen zu fertigen – Holz vom selben Terroir wie die Reben.

In der Vallée de la Marne erfährt der lange unterschätzte Pinot Meunier seine verdiente Rehabilitation. Georges Laval bewirtschaftet dort seit 1971 biologisch, Jahrzehnte bevor der Begriff „Naturwein“ existierte. Tarlant besitzt wurzelechte, ungepfropfte Chardonnay-Reben aus den 1880ern – weniger als 0,1% aller Champagner-Reben haben die Phylloxera ohne Pfropfung überlebt. Und Jérôme Blin hat seine Traktoren durch zwei Comtois-Kaltblüter ersetzt und zeigt mit Einzellagen wie Meunier sur Sable und La Pouillote, dass Meunier auf den richtigen Böden Champagner von erstaunlicher Terroirtiefe erzeugen kann.

Die Côte des Bar, 110 Kilometer südlich von Épernay auf Kimmeridge-Kalkstein gelegen, ist heute das Epizentrum der Winzer-Champagne-Bewegung. Drappier bewirtschaftet Keller aus dem 12. Jahrhundert und belebt vergessene Rebsorten wie Arbane und Fromenteau. Olivier Horiot baut in Les Riceys – dem einzigen Dorf der Champagne mit drei Appellationen – alle sieben zugelassenen Sorten an und vereint sie in seiner Cuvée 5 Sens. Clandestin destilliert die geologische Vielfalt der Region in zwei kontrastierende Abfüllungen: Boréal vom Nordhang, Austral vom Südhang – derselbe Boden, verschiedene Welten.

Warum Brut Nature

Die Mehrheit unserer Champagner ist Brut Nature oder Extra Brut, also null bis minimal dosiert. Das heißt: Nach dem Dégorgement kommt kein Zucker in die Flasche, nichts wird kaschiert oder geglättet. Was man schmeckt, muss im Weinberg gewachsen sein. Brut Nature ist weniger ein Stil als ein Transparenz-Versprechen – oder, wie Mélanie Tarlant es formuliert: „Dosage stört die Botschaft des Terroirs.“

Mehr über die geologischen Grundlagen unserer Champagner: Champagner & Terroir · Jahrgangsbewertungen seit 1970: Champagne Jahrgänge

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