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Vietti

Ein Filmemacher, ein Bildhauer, ein Maler – sie alle haben Etiketten für dieses Weingut gestaltet. Vietti in Castiglione Falletto verbindet seit 1873 Weinkultur mit Kunst. Seit 1974 zieren Originalwerke die Flaschen – darunter eine Zeichnung von Pasolini.
Alfredo Currado schuf 1961 einen der ersten Barolo-Crus und rettete sechs Jahre später den Arneis vor dem Aussterben – als „Vater des Arneis“ in die Geschichte eingegangen.
Mehr über Vietti
Wenn Pasolini Etiketten malt
Die Geschichte klingt erfunden: 1970 saßen Alfredo Currado und seine Frau Luciana mit befreundeten Künstlern um einen Tisch in der Langhe. Der Wein floss, die Gespräche wurden philosophisch. Am Ende des Abends stand eine Idee: Die Kunst im Keller verdient Kunst auf der Flasche. Seither haben Maler wie Claudio Bonichi, Bildhauer wie Pietro Cascella und sogar der Filmemacher Pier Paolo Pasolini Etiketten für Vietti geschaffen. Jede Flasche trägt ein Unikat – kein Marketing-Gag, sondern gelebte Überzeugung, dass Wein und Kunst aus derselben Quelle schöpfen.

Der Mann, der den Arneis rettete
1967 galt die Nebbiolo-Traube als König des Piemonts, während der Arneis dem Vergessen anheimfiel. Alfredo Currado sah das anders. Er vinifizierte die alte weiße Sorte erstmals sortenrein – gegen den Rat vieler Kollegen. Der Roero Arneis wurde zum erfolgreichsten Weißwein der Region, und Currado erhielt einen Titel, den kein Diplom verleiht: Vater des Arneis. Diese Mischung aus Respekt für Geschichte und Mut zum Experiment prägt Vietti bis heute. Wer den Perbacco probiert – technisch ein Langhe Nebbiolo, qualitativ ein verkappter Barolo – versteht, dass hier Kategorien nicht einengen, sondern inspirieren.
Crus, bevor es Crus gab
Als Alfredo Currado 1961 beschloss, Trauben aus einzelnen Weinbergen getrennt zu vinifizieren, schüttelten die Nachbarn den Kopf. Barolo war Barolo, egal woher die Trauben kamen. Der Rocche di Castiglione und der Barbaresco Masseria wurden zu den ersten Cru-Weinen der Region. Heute besitzt Vietti 75 Hektar in den wertvollsten Lagen: Brunate, Lazzarito, Ravera, Cerequio, Monvigliero, Villero. Jeder Weinberg erzählt seine eigene Geschichte, jeder Barolo schmeckt nach seinem Ursprung. Die Einzellagen-Philosophie, die Currado gegen alle Widerstände durchsetzte, ist längst Standard – auch bei Chiara Boschis, deren E. Pira & Figli zu den wenigen von Frauen geführten Barolo-Betrieben zählt.

Von Castiglione in die Welt
Das mittelalterliche Dorf auf dem 350-Meter-Hügel war 1873, als Carlo Vietti das Weingut gründete, ein verschlafener Ort. Sein Sohn Mario begann mit dem Export nach Amerika und in die Schweiz. Alfredo und Luciana machten den Namen international bekannt. 2016 übernahm die amerikanische Krause-Familie das Weingut, 2025 wurde Vietti zur Azienda dell’Anno (Weingut des Jahres) von Doctor Wine gewählt. Die Produktion von 600.000 Flaschen beliefert heute Weinliebhaber weltweit – vom Barolo Castiglione als zugänglichem Einstieg bis zu den raren Riserven aus Villero. Vier Generationen Handwerk, ein halbes Jahrhundert Künstleretiketten, neun Crus auf 75 Hektar: Vietti bleibt, was es immer war – ein Haus, das Grenzen verschiebt, ohne die Wurzeln zu vergessen.
























