Verkostungsnotiz
Man muss schon in den äußersten Nordosten Deutschlands reisen, um einen Riesling dieser Art zu finden: Saale-Unstrut, das nördlichste Qualitätsweingebiet des Landes, wo kalte Winter und lange, kühle Herbste den Wein in Grenz- und Form bringen. Carl-Friedrich L. Walther, an der Mosel gelernt und bei Klaus Zimmerling in Dresden geschult, presst seinen Riesling aus dem Kaatschener Dachsberg über viereinhalb Stunden in einer hölzernen Korbkelter – Geduld, die man schmeckt.
- Farbe & Aussehen
- Helles, klares Goldgelb, von einem ganz feinen Restkohlensäure-Schimmer durchzogen.
- Nase
- Offen und einladend: kerniges, reifes Kernobst neben frischem Grün, dazu Brioche und Bienenwachs vom langen Hefelager. Gartenkräuter wie Zitronenmelisse, Zitronenschale und ein kühler Hauch Gestein vervollständigen das Bild.
- Gaumen
- Trocken und geradlinig, mit feiner Phenolik und einer Säure, die zugleich rund ansetzt und dann Druck macht – die Kombination aus 22 Stunden Maischestandzeit und langem, sanftem Pressen trägt hier sichtbar Früchte. Aromatisch hell: Kernobst und Agrumen, hinterlegt von salziger Kühle.
- Abgang
- Lang und präsent, der leichte Gripp und die lebhafte Säure bleiben bis zuletzt im Gespräch.
- Terroir & Herkunft
- Die Einzellage Kaatschener Dachsberg liegt hoch über der Saale in Thüringen. Die Reben wurzeln in Verwitterungsmuschelkalk mit Lösslehm-Anteilen – karges, steiniges Terrain am klimatischen Rand des Weinbaus, das niedrige Alkoholwerte (hier 11,5 Vol.-%), wache Säure und klare Aromatik erzwingt.
- Rebsorte & Vinifikation
- Reiner Riesling, selektiv von Hand gelesen, mit 22 Stunden Maischestandzeit samt Rappen, 4,5 Stunden Korbkelter-Pressung und 20 Monaten Vollhefelager im Edelstahl. Vor der Füllung einmal abgezogen, minimal geschwefelt, nicht filtriert, nicht geschönt.
- Speiseempfehlungen
- Kühle, zurückhaltende Küche steht ihm am besten: gebratener Zander, junger Ziegenkäse, grüner Spargel oder eine Schale Misosuppe.
- Besonderheiten
- Ein Riesling aus der Low-Tech-Schule: biozertifizierter Handbau, Korbpresse, Geduld statt Technik. Ergebnis ist eine seltene Mischung aus Strenge und Anschmiegsamkeit – Norddeutschlands Antwort auf die Frage, wie leise ein großer Wein sprechen darf.
Wer cremige Opulenz sucht, sollte weiterziehen; wer Spannung und einen kühlen, steinigen Kern schätzt, wird diesen Wein noch lange im Mund haben – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.





