
Un vino rosso con l'undici percento di alcol viene definito strizzando l'occhio dal suo vignaiolo "il mio rosé": si tratta di un Negroamaro dal colore rosso rubino brillante, che va servito fresco. Dietro a Petracavallo ci sono Vito D'Onghia e suo padre Peppino, che dal 2015 imbottigliano in proprio presso la Masseria San Francesco a Mottola ciò che la famiglia ha venduto come uva per generazioni. I loro vigneti si trovano a ben 300 metri di altitudine nella Terra delle Gravine, dove la terra rossa poggia su calcare chiaro e le notti sono decisamente più fresche rispetto alla costa jonica. Si lavora con certificazione biologica e secondo le rigide regole dell'associazione di vignaioli VinNatur: fermentazione spontanea in acciaio inox, nessuna chiarifica né filtrazione, solo un velo di solfiti all'imbottigliamento. Nascono così vini rossi succosi e sorprendentemente snelli da uve Primitivo e Negroamaro, che mostrano la Puglia dal suo lato più agile e disinvolto.
Mehr über Petracavallo
Die Torkel des Großvaters
Vito D’Onghia hatte Apulien schon verlassen und im Ausland gearbeitet, als ihn das Heimweh nach den Weinbergen der Familie wieder einholte. Zurück in Mottola formulierte er den Satz, der bis heute das Programm des Weinguts ist: Er wolle einen Wein trinken wie den, den ihm sein Großvater als Kind zu kosten gab. 2015 füllten Vater und Sohn erstmals selbst ab, fast eine Wette zwischen den beiden, denn Peppino D’Onghia hatte sein Leben lang Trauben erzeugt und verkauft, nie eigenen Wein. Gepresst wird bis heute auch auf der alten vertikalen Familien-Torkel des Großvaters, und die Überzeugung dahinter ist ernst: keine Herbizide und keine Pestizide, Gründüngung zwischen den Zeilen, Handlese in kleinen Kisten. Der Betrieb ist EU-bio-zertifiziert und gehört wie Cinque Campi aus der Emilia der Winzervereinigung VinNatur an, die ihren Mitgliedern Rückstandsanalysen und Weinbergskontrollen abverlangt.

Rote Erde über Kalk: die Terra delle Gravine
Mottola sitzt auf einem Hügelrücken hoch über dem Ionischen Meer, die Einheimischen nennen den Ort den „Balkon Apuliens”. Hier, wo die Murgia-Hochfläche von tiefen Karstschluchten, den Gravine, zerschnitten wird, liegen die Weinberge von Petracavallo auf rund 300 Metern: rote Erde über hellem Kalkstein, kalkig-tonige Böden, nachts kühlt es spürbar ab. Genau diese Höhe erklärt, warum die Weine bei aller süditalienischen Sonne so viel Frische behalten. Die Masseria selbst trägt Geschichte im Namen: 1220 soll der heilige Franziskus auf dem Rückweg aus Ägypten hier übernachtet haben, weshalb ein Baron das Gut im 19. Jahrhundert in „San Francesco” umbenannte und eine Kapelle stiftete. Vito entschied sich für seine Weine gegen den Heiligen und für den älteren Flurnamen: Petra Cavallo.

Früh gelesen, kühl ins Glas
Il Negroamaro Puglia IGP 2024 ist das Paradebeispiel des Hausstils: früh gelesen, elf Prozent Alkohol, null Gramm Restzucker, dazu Waldbeeren, Amarenakirsche und mediterrane Kräuter im Duft. Auf dem Etikett nennt Vito ihn scherzhaft „meinen Rosé”, im Glas ist er ein leuchtender, leicht gekühlt getrunkener Rotwein für lange Abende. Der Primitivo Puglia IGP 2024 zeigt, wie viel Eleganz im Primitivo steckt, wenn man ihn lässt: zwölf Tage Maischestandzeit, Spontangärung mit eigenen Hefen im Edelstahl, sechs Monate Stahl und ein Jahr Flaschenreife ergeben Brombeere, Pflaume und einen Hauch Rosmarin bei dreizehn Prozent, getragen von feinem, kühlem Tannin. Beide Weine kommen weder geschönt noch filtriert auf die Flasche, geschwefelt wird minimal und erst zur Füllung.
Kunst auf dem Etikett, Handwerk in der Flasche
Neben den puristischen Rebsortenweinen leistet sich das Weingut eine verspielte Seite: Für die „Linea Pop” malt der Mottoleser Künstler Luigi Notarnicola seit 2019 Etiketten, auf denen ein riesiger Fuß („Big Foot”) oder Abschiedsbriefe („Bye Bye”) den Ton angeben, und mit dem fast verschwundenen Fiano Minutolo holen die D’Onghias eine alte apulische Weißweinsorte zurück in den Weinberg. Wer wissen will, warum gerade Apuliens Naturweinszene so viel Aufmerksamkeit bekommt, fängt am besten bei diesen beiden Flaschen an.


