Verkostungsnotiz
Alfredo Arribas kam als Architekt ins Priorat – und blieb als Winzer. Sein Credo vom Zeichentisch, weniger ist mehr, trägt er seither in den Weinberg. Der Tros Negre »Notaria« ist dafür ein eindrücklicher Beleg: reiner Grenache von 85 Jahre alten Reben, die auf rund 230 Metern in sandig-kalkigen Böden des Montsant wurzeln, in weiter Pflanzdichte von nur 1.500 Stöcken je Hektar. Ein Weinberg, ein Klon, ein Wein von eigenwilliger Würde – rustikal im Auftritt, feinnervig in der Substanz. Wo viele Weine der Region auf schiere Kraft setzen, sucht dieser Finesse und Trinkfluss, bei bemerkenswert moderaten 13,5 Prozent Alkohol.
- Farbe & Aussehen
- Leicht rostiges Rubinrot mit violetten Anklängen, dazu eine feine, natürliche Trübung – ungeschönt und ehrlich, wie der ganze Wein.
- Nase
- Zunächst zurückhaltend, fast reduktiv, dann entwickelt sich eine Würze, die den Raum einnimmt: Kalk, nasser Waldboden, Unterholz, dazu mediterrane Kräuter wie Salbei und Rosmarin, schwarze Olive, Assam-Tee, Leder, Pfeffer, Wacholder und Lakritz. Mit Geduld im Glas gesellen sich dunkle Kirschen, Hagebutte und Brombeere hinzu.
- Gaumen
- Etwas ruppig und rustikal im Antrunk, mit Tannin, das den Mundraum vollständig auskleidet. Unbedingt dekantieren – das Sediment gehört zum Wein. Die belebende Säure trägt die intensive Würze, die dunkle Frucht bleibt kühl und erdig. Ein maskuliner, ungeglätteter Charakter, der dennoch ausbalanciert wirkt.
- Abgang
- Langanhaltend und würzig; die Aromen der Nase spiegeln sich im Nachhall, das Terroir hinterlässt eine deutlich greifbare, mineralische Haptik.
- Terroir & Herkunft
- Montsant, Katalonien: sandige und kalkhaltige Böden auf rund 230 Metern Höhe. Die 85-jährigen Grenache-Reben wurzeln tief – auf dem Gut arbeitet Arribas überwiegend mit ursprünglichen, wurzelechten Stöcken, manche fast hundert Jahre alt. Die biodynamische Arbeit im Weinberg sorgt Jahr für Jahr für harmonischere Reife.
- Rebsorte & Vinifikation
- 100 % Grenache aus einem einzigartigen Klon. Vergärung im Stahltank mit natürlichen Hefen, anschließend zehn Monate Ausbau in großen gebrauchten Fässern aus französischer Eiche. Die Abfüllung erfolgt unfiltriert – Zurückhaltung im Keller, wo es nur geht.
- Speiseempfehlungen
- Ein Wein für kräftige, erdige Küche: Lammkarree mit Rosmarin, Wildschweinragout, geschmorte Auberginen, Tapas mit schwarzen Oliven und Chorizo oder gereifter Manchego.
- Besonderheiten
- Biodynamisch bewirtschafteter Einzelweinberg mit uraltem Rebmaterial – vergoren mit natürlichen Hefen, unfiltriert abgefüllt. Das Ergebnis ist ein Grenache von seltener Authentizität: intensiv, aber niemals schwer.





