Verkostungsnotiz
- Farbe & Aussehen
- Ein leicht transparentes Granatrot, das schon im Glas verrät: Hier ist nichts schwer, nichts dicht. Der Wein wirkt kühl und klar, wie ein Blick in einen Bergbach.
- Nase
- Rote Beeren, aber nicht die üblichen Verdächtigen. Rote Johannisbeeren, Berberitzen und Himbeeren treffen auf Veilchen, einen Hauch Süßholz und rosa Pfeffer. Darunter liegt etwas Kühles, Fast-Steiniges – zerriebener Kalk und Kräuter, die an einen windigen Hang erinnern.
- Gaumen
- Der Name ist kein Zufall. Dieser Wein tanzt. Eine elektrisierende Säure trifft auf mineralische Spannung, die einen kurz innehalten lässt. Aromatisch erinnert er an einen Vintage Port – die reife Frucht, der Gewürzkuchen – nur ohne Süße, ohne Schwere. Stattdessen: herbe Noten, festes Tannin, ein Nachdruck, der nach vorne schiebt und doch ätherisch bleibt.
- Abgang
- Steinig und kühl bis zum letzten Moment. Kein warmer, weicher Ausklang, sondern ein Finale, das die Zunge prickeln lässt und den Gaumen lange beschäftigt.
- Terroir & Herkunft
- Cornudella de Montsant, das nördlichste Dorf der Appellation, 700 Meter über dem Meer. Hier wachsen 50 bis 60 Jahre alte Reben auf hellrotem Lehm mit Gipsadern – ein Boden, der sich deutlich vom berühmten Schiefer des Nachbarn Priorat unterscheidet. Die Höhenlage sorgt für kühle Nächte und einen langsamen Reifezyklus. Das Ergebnis: Frische statt Fülle, Spannung statt Opulenz.
- Rebsorte & Vinifikation
- Ein Pas de deux aus Garnacha und Cariñena – dazu etwas Garnacha Peluda. Die Trauben bleiben ganz, werden mit den Füßen gestampft und vergoren mit indigenen Hefen zur Hälfte in Amphoren, zur Hälfte im Edelstahl. Sechs Monate Reife, dann abgefüllt. Kein Holz, keine Kosmetik.
- Speiseempfehlungen
- Die kühle Frucht und die herbe Struktur verlangen nach Gerichten mit Tiefe, aber ohne Schwere: mit Kejab Manis lackierter Schellfisch mit Blutwurst-WanTan, Rote-Bete-Salat mit Garam Masala und Paneer-Käse oder Hähnchen mit Safran-Berberitzenreis und Okraschoten.
- Besonderheiten
- Tatjana Pećerić war Tänzerin, bevor sie Winzerin wurde – und man schmeckt es. Dieser Wein hat die Leichtigkeit einer Choreographie: präzise, fließend, schwerelos. Während viele Montsant-Weine auf Konzentration setzen, geht es hier um Transparenz und Trinkfluss. Ein Wein, der zeigt, dass die Appellation mehr kann als Kraft.


