Verkostungsnotiz
- Farbe & Aussehen
- Ein transparentes Rubinrot, hell leuchtend und klar – die Farbe verrät schon im Glas, dass hier Finesse vor Fülle geht.
- Nase
- Zunächst zurückhaltend, dann mit geduldiger Anmut: reife Walderdbeeren, dunkle Himbeeren, dazu Kirsche und ein Spritzer Granatapfel. Die für das Haus typische reduktive Note ist hier wunderbar eingebunden – sie fügt sich ein, statt aufzutrumpfen. Ein feiner Vanillehauch schwebt darüber, ohne dass Holz jemals dominieren würde.
- Gaumen
- Feinkörniges Tannin spannt sich um einen festen Kern saftiger, vornehmlich dunkler Frucht. Bemerkenswert ist die Kombination aus angenehmer Fülle und heller, agiler Säure – Spannung und Mineralität geben dem Wein eine belebende, fast tänzelnde Linie. Er wirkt jetzt schon ausbalanciert, wird sich aber über Monate und Jahre noch deutlich öffnen.
- Abgang
- Präzise und geradlinig, mit dunkelbeerigem Nachhall und mineralischem Nachdruck. Ein Abschied, der still bleibt – und gerade deshalb im Gedächtnis hängt.
- Terroir & Herkunft
- Der Forstberg zieht sich in das Seitental der Elig hinein und liegt in südwestlicher Ausrichtung auf 120 bis 190 Metern. Geprägt ist die Lage von Grauwacke und Schiefer, teils mit Lösslehm – der Oberboden stark lehmig. Wie im ganzen Weingut speichern die Schieferböden die Tageswärme, während kühle Ahrtaler Nächte die Frische bewahren. Genau dieses Wechselspiel verleiht den Weinen von Bertram-Baltes ihre burgundische Anmut bei eigenem Gepräge.
- Rebsorte & Vinifikation
- Reiner Spätburgunder (Pinot Noir). Julia Bertram und Benedikt Baltes arbeiten alle Lagen nach denselben Maßstäben: penible Auslese des Leseguts, Spontangärung in offenen Edelstahlfermentern, Ausbau in gebrauchten Stück- und Halbstückfässern. Chaptalisiert wird schon lange nicht mehr; die einzige Zugabe ist eine minimale Schwefelmenge vor der Füllung. Der Forstberg ruht über zwei Winter im Fass – bei gerade einmal 11 Prozent Alkohol.
- Speiseempfehlungen
- Seine feine Frucht und lebendige Säure machen ihn zum natürlichen Begleit – Entschuldigung: zur naheliegenden Wahl für gebratene Entenbrust, Rehrücken mit Preiselbeeren, gefüllte Champignons oder Rindertataki. Leicht gekühlt zeigt er sich am wandlungsfähigsten.
- Besonderheiten
- Ein Lagenwein von nur elf Prozent Alkohol, der dennoch Tiefe besitzt – das ist die Handschrift von Bertram-Baltes, die die alte Ahr-Formel „je reifer, desto besser“ konsequent auf den Kopf stellen. Hinzu kommt die betont reduktive Ausbaustilistik, die dem jungen Wein eine verschlossene, fast geheimnisvolle Anmut gibt und Geduld mit Luft und Zeit belohnt.
Ein leiser, aufregender Spätburgunder: Wer ihm eine Stunde Karaffe gönnt, wird mit einem der eigenwilligsten Pinot Noirs Deutschlands belohnt – von einem Weingut, das nach der Flut von 2021 wieder aufstand und heute besser ist denn je.





