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Charles Joguet

Ein Maler, der Weinberge zum Sprechen brachte. Charles Joguet übernahm 1957 das Familiengut in Chinon und revolutionierte die Appellation: Statt die Trauben zu verschneiden, vinifizierte er jede Parzelle einzeln – eine Methode, die er sich von Burgund abgeschaut hatte. Die Domaine Charles Joguet bewirtschaftet heute 35 Hektar, davon 30 Hektar Cabernet Franc und 5 Hektar Chenin Blanc. Seit 2016 ist das gesamte Weingut bio-zertifiziert. Kellermeister Kevin Fontaine führt die Philosophie fort: Weine, die ihr Terroir zeigen, nicht den Winzer. Die Rotweine verbinden saftige Frucht mit erdiger Tiefe und feinem Tannin – Chinon in seiner elegantesten Form.
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Vom Künstler zum Winzer
Als sein Vater 1957 starb, stand Charles Joguet vor einer Entscheidung: Kunstakademie oder Weinberg. Er wählte beides. Der junge Maler und Bildhauer brachte einen frischen Blick mit: Warum sollte Chinon seine Trauben an Négociants verkaufen, wenn die Böden doch so verschieden waren? Er begann, jede Lage separat zu vinifizieren – Clos de la Dioterie, Clos du Chêne Vert, Les Varennes du Grand Clos. Was in Burgund längst Standard war, galt an der Loire als revolutionär. Michel Bettane nannte die Domaine 2020 „das beste Weingut von Chinon“.

Terroir in Tuffstein
Die Keller erstrecken sich über einen ganzen Hektar – handgehauene Höhlen aus Tuffstein, Jahrhunderte alt, mit Werkzeugspuren an den Wänden. Die Temperatur schwankt weniger als ein halbes Grad im Jahr. Darüber liegen die Weinberge: Der Clos de la Dioterie mit seinen 90 Jahre alten Reben auf Kalkstein, der Clos du Chêne Vert mit einer Eiche, die Benediktinermönche im 12. Jahrhundert pflanzten. Jede Parzelle erzählt eine andere Geschichte – Sand bringt knackige Frucht, Lehm dunkle Würze, Kalk die salzige Mineralität.
Neue Generation, gleiche Philosophie
1985 übergab Charles Joguet an die Familie Genet, 1997 folgte der vollständige Verkauf. Anne-Charlotte Genet leitet heute das Marketing, ihr Vater Jacques die Geschäfte. Kevin Fontaine, geboren in Saumur, kam 2006 als Kellermeister – nach Stationen in Neuseeland, Südafrika und Kanada. „Wir wollen, dass unsere Weine vom Terroir erzählen, nicht von uns“, sagt er. Seit 2008 findet die malolaktische Gärung im Fass statt, was Harmonie und Fruchtklarheit verstärkt. Bio-Zertifizierung seit 2016 war nur die Formalisierung dessen, was längst Praxis war.

Cabernet Franc für Geduldige
Die Weine brauchen Zeit. Der Les Varennes du Grand Clos zeigt nach Jahren rote Johannisbeere und einen Hauch Cassis, der Clos de la Dioterie entwickelt Schokolade und Graphit. Ähnlich arbeitet Château de Coulaine in der Nachbarschaft – beide Weingüter haben Chinon auf die Landkarte anspruchsvoller Rotweine gesetzt. Kevin Fontaine empfiehlt für junge Weine ein Bordeaux-Glas, für gereifte ein Burgunder-Glas: „Mit dem Alter gewinnen sie an Komplexität.“ Was Charles Joguet als Künstler begann, vollendet sein Team als Handwerk.















