Verkostungsnotiz
- Farbe & Aussehen
- Strohgelb mit zart orangenem Schimmer, seidenmatt – ein Farbton, der schon die sechs Tage Maischestandzeit erahnen lässt.
- Nase
- Zunächst verschlossen, fast trotzig, mit reduktiv-nussigen Anflügen – unbedingt karaffieren. Dann öffnet sich ein leiser, facettenreicher Wein: Kamille, Heublumen, Kräutertee, dazu mürber gelber Apfel, Zitronenblüte und Orangenabrieb. Ein Hauch weißer Pfeffer, grüne Mandarine – im Glas stetig im Wandel, nie ausgesprochen.
- Gaumen
- Keine üppige Frucht, sondern ihr Extrakt: Schalen, Kerne, Würze. Das pudrig-weiche Gerbstoffbett kleidet den gesamten Mund aus, fast flauschig, dann überraschend kühl und ätherisch. Die Säure wirkt mild, ist aber treibend – ein sanft pulsierender Bass, der den Wein trägt.
- Abgang
- Lang und kühl-nachhallend, geprägt von Kräuterwürze und Zitruszesten, mit feinem, fast salzigem Zug.
- Terroir & Herkunft
- Die Trauben wachsen auf gut 400 Metern Höhe oberhalb von Bozen – in nach Nordwesten exponierten, waldbeschatteten Lagen am Kohlerer Berg. Kühle Fallwinde und vulkanische Böden aus Porphyr, Basalt und Granit schenken Südtiroler Weißwein hier eine ungewohnte Frische: Spannung statt Fülle.
- Rebsorte & Vinifikation
- Cuvée aus Sauvignon Blanc, Chardonnay und Viognier aus einem gemischten weißen Satz – die Anteile wechseln von Jahr zu Jahr. Handgelesen, gemeinsam eingemaischt, sechs Tage auf den Schalen mit rund 60 Prozent Kämmen. Danach ein Jahr auf der Vollhefe im Holzfass, anschließend elf Monate im Beton. Martin Gojer arbeitet seit 2009 biodynamisch, gärt spontan und verzichtet auf Schönung und Filtration.
- Speiseempfehlungen
- Textur und Würze suchen Substanz auf dem Teller: gebratener Blumenkohl mit Tahini, Forelle mit Kräuterbutter, risotto mit Bergkäse oder gebratener Fenchel. Auch zu Käsespätzle eine reizvolle Kombination.
- Besonderheiten
- Benannt nach Martins Tochter – und im Weinberg grasen acht Ouessant-Zwergschafe zwischen den Pergola-Reben. Die Caroline ist ein stiller Wein, der sich Zeit nimmt: Wer ihn kopfüber in die Karaffe stürzt und ihn dann beobachtet, erlebt, wie ein Weißwein aus Südtirol in zwei Stunden mehr erzählt als mancher Jahrgang in einer ganzen Flasche.


