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Pranzegg

Acht bretonische Zwergschafe weiden zwischen knorrigen Pergola-Reben, während Martin Gojer durch seine Steillagen klettert. Weingut Pranzegg liegt oberhalb von Bozen, wo Nordwest-Exposition und kühle Nächte Weine mit ungewöhnlicher Frische entstehen lassen.
Seit 2009 arbeiten Martin und Marion biodynamisch auf knapp vier Hektar. Die Ouessant-Schafe halten das Gras kurz und düngen natürlich. Im Keller gärt alles spontan, reift in Beton und Holz, ohne Schönung oder Filtration. Die Weine tragen Namen wie Caroline (nach der Tochter) oder MIAU! (mit Katze auf dem Etikett).
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Die Nordwestseite: Kühle statt Kraft
Wer Südtiroler Weine kennt, erwartet reife Frucht und wärmende Fülle. Pranzegg überrascht mit dem Gegenteil: Die Lagen am Kohlerer Berg und auf dem Ritten sind nach Nordwesten exponiert, beschattet von Wald, durchzogen von kühlen Fallwinden. Porphyr, Basalt und Granit prägen die vulkanischen Böden. Das Ergebnis sind Weine mit Spannung statt Opulenz, mit Säurenerv statt Marmeladenfrucht.
Martin Gojer hat sich bewusst für diese Außenseiterposition entschieden. Während andere Winzer Südtirols um Punkte für konzentrierte Gewächse wetteifern, setzt er auf Trinkfluss und Lebendigkeit. Der Laurenc aus Lagrein zeigt das exemplarisch: keine Muskeln, sondern seidige Tannine und der Duft von Veilchen und nassem Schiefer.

Schafe, Katzen und die K-Frage
Die Ouessant-Schafe sind Marions Revier. Die kleinste Schafrasse der Welt passt perfekt in die engen Pergola-Zeilen, grast den Unterstockbereich ab und ersetzt chemische Unkrautvernichtung. Dazu kommen Hühner, Bienen und Katzen – eine davon hat es auf das Etikett des MIAU! Petnat geschafft.
Die Weinnamen erzählen Geschichten: Caroline, die weiße Cuvée, ist nach Martins Tochter benannt. Der Campill trägt einen verstümmelten Lagennamen – die historische Bezeichnung darf nicht verwendet werden, wenn keine Cabernet-Sorten im Wein sind. Also schreibt Martin Ca___l auf das Etikett, ein ironischer Kommentar zur Bürokratie des Weinrechts.
Rudolf Steiner am Kohlerer Berg
Seit 2009 wirtschaftet Pranzegg nach den Prinzipien der Biodynamie. Martin stellt seine Präparate selbst her, verzichtet vollständig auf synthetischen Pflanzenschutz und Kunstdünger. Die Arbeit in den Steillagen ist körperlich fordernd – vieles geht nur von Hand, Maschinen haben auf den schmalen Terrassen keinen Platz.
Im Keller verfolgt Martin dieselbe Philosophie des Nicht-Eingreifens: spontane Gärung mit wilden Hefen, Ausbau in Betontanks und gebrauchten Holzfässern aus Eiche oder Kastanie. Keine Schönung, keine Filtration, nur eine minimale Schwefelgabe vor der Füllung. Die Weine reifen oft zwei bis drei Jahre auf der Vollhefe, bevor sie in die Flasche kommen.

Pergola und Präzision
Die traditionelle Pergola-Erziehung prägt das Bild der Pranzegg-Weinberge. Diese alte Südtiroler Methode beschattet die Böden, schützt vor Austrocknung und ermöglicht Reife ohne Überreife. Martin hat viele der alten Anlagen erhalten, während anderswo längst auf moderne Spalier-Erziehung umgestellt wurde.
Das Sortiment spiegelt die Vielfalt der Region: Vernatsch und Lagrein für die Roten, dazu weiße Cuvées aus Müller-Thurgau, Sylvaner, Weißburgunder und anderen lokalen Sorten. Der Tonsur kommt von der gegenüberliegenden Talseite und zeigt mineralische Präzision mit hellen Frucht- und Kräuternoten.
In einer Region, die zunehmend auf internationale Rebsorten und gefällige Stilistik setzt, bleibt Pranzegg ein Gegenentwurf. Ähnlich wie Manincor, das nur wenige Kilometer entfernt ebenfalls biodynamisch arbeitet, zeigt Martin Gojer, dass Südtirol mehr kann als Pinot Grigio für den Massenmarkt.














