Verkostungsnotiz
- Farbe & Aussehen
- Mittleres, klares Strohgelb, das trotz des Verzichts auf Filtration bemerkenswert durchsichtig wirkt.
- Nase
- Ein Duftbild von selten geradliniger Klarheit: gelber und roter Apfel, Birne und Birnenquitte, dazu weiße Blüten. Eine Kräutertinktur, die entfernt an Chartreuse denkt, schwebt darüber – ohne deren Schwere, eher kühl und lebendig, feingliedrig statt voluminös.
- Gaumen
- Die weißfleischige Frucht trifft auf eine runde, reife Säure, die den Wein über die Zunge gleiten lässt. Eine feine Phenolik verleiht Struktur und einen leichten Zug, während die für Silvaner so typische Gelbwürzigkeit zusammen mit Kräutern die Mitte des Gaumens besetzt. Knochentrocken, schlank, mit elf Volumenprozent von fast asketischer Präsenz.
- Abgang
- Lang und saftig, getragen von der wachen Säure, die in dieser nördlichen Grenzlage niemals zur Neige geht.
- Terroir & Herkunft
- Die Reben wurzeln in der thüringischen Einzellage Kaatschener Dachsberg, hoch über der Saale, auf Verwitterungsmuschelkalk mit Anteilen von Lösslehm. Saale-Unstrut ist Deutschlands nördlichstes Qualitätsweinanbaugebiet, eine Region am klimatischen Limit mit kalten Wintern und langen, kühlen Herbsten. Das karge, steinige Terrain schenkt wenig und erzwingt dadurch jene mineralische Spannung, die diesen Wein auszeichnet.
- Rebsorte & Vinifikation
- Silvaner, eine an Saale und Unstrut seit langem beheimatete, vielerorts unterschätzte Sorte. Selektive Handlese, zwanzig Stunden Maischestandzeit mit Rappen, vierundzwanzig Stunden Pressung in der Korbkelter, dann zwanzig Monate Vollhefelager im Edelstahltank. Spontan vergoren, vor der Füllung einmal abgezogen, minimal geschwefelt, weder filtriert noch geschönt.
- Speiseempfehlungen
- Liebt alles, was selbst Zurückhaltung übt: gebratener Fisch, junger Ziegenkäse, Spargel, eine Schale Misosuppe.
- Besonderheiten
- Carl-Friedrich L. Walther, Mosel-geschult und bei Klaus Zimmerling in Dresden in die Lehre gegangen, arbeitet biozertifiziert und von Hand. Sein Credo nennt er »Slow-Winemaking, Low-Tech« – eine Haltung, die er auf einer Weintour durch Piemont und Südtirol fand und die seither jede Flasche seines kleinen Sortiments prägt. Dieser Silvaner ist ihr stilles, geradliniges Herzstück.





