Verkostungsnotiz
- Farbe & Aussehen
- Goldgelb mit grünen Reflexen – ein Wein, der im Glas schon verrät, dass er einige Jahre Reife auf dem Buckel hat, aber keineswegs gealtert wirkt.
- Nase
- Schöne Intensität: Pfirsich, Aprikose und Mirabelle treffen auf viel Zitrone. Darunter liegt eine kühle, bestechende Mineralität – steinige Noten, der Duft von Trockengebäck und Muschelschalen, der die Kalkherkunft schon riechbar macht.
- Gaumen
- Kühle Frische und eine betörende, straffe Säure. Zitrone und Salzigkeit verbinden sich zu einer gestochen scharfen, mundwässernden Struktur. Ein zarter Gerbstoff gibt Halt, ohne die Eleganz zu stören. Schlank, kühl, ganz aus einem Guss.
- Abgang
- Druckvoll und lang, mit anhaltendem salzigen Nachhall – ein Finale, das ein erhebliches Reifepotenzial verspricht.
- Terroir & Herkunft
- Hohen-Sülzen liegt im Wonnegau, dem kalkgeprägten Süden Rheinhessens. Hier wächst der Riesling auf Kalkstein und Muschelkalk – Böden, die dem Wein laut H.O. Spanier seine schlanke, kühle, fast salzige Stilistik verleihen. Ein deutlicher Kontrast zum Rotliegenden des Roten Hangs, wo die Schwesterlagen des Hauses wurzeln.
- Rebsorte & Vinifikation
- Reiner Riesling, von Hand geerntet und streng selektiert. Spontan vergoren, im großen alten Doppelstückfass ausgebaut und bis weit ins Frühjahr sur lie belassen. Trocken, mit moderatem Alkohol von 12,0 % Vol.
- Speiseempfehlungen
- Die salzige Spannung verlangt nach Substanz: Seezunge mit Buttersauce, gebratener Steinbutt, Muscheln in Weißweinsud oder Ziegenkäse-Tarte. Auch zu Wiener Schnitzel eine feine, leichtfüßige Kombination.
- Besonderheiten
- Die Treasure Collection ist der lang gehegte Plan von H.O. Spanier: ein 2020 fertiggestellter unterirdischer Reifekeller, der die Bedingungen eines Naturkellers simuliert. Erst nach Jahren der Reifung verlassen diese Weine als Late Release das Gut. Das Ergebnis: ein Riesling, der auf dem Punkt kommt – bei minimalem Aufpreis zum aktuellen Jahrgang.
Fazit: Wer die Geduld des Weinguts zu schätzen weiß, bekommt hier Kalk-Riesling in seinem klarsten Zustand – kühl, salzig, mit Zug und Substanz. Jetzt schon großes Vergnügen, doch die nächsten zehn Jahre werden noch Interessantes erzählen.





