Verkostungsnotiz
- Farbe & Aussehen
- Violett mit purpurfarbenen Reflexen — dunkel, dicht, mit jugendlicher Tiefe trotz der Jahre auf der Flasche. Die Magnumflasche hat dem Wein offenkundig gutgetan: Er wirkt frischer, als man es von 2016 erwarten dürfte.
- Nase
- Zunächst bemerkenswert verhalten — der Wein braucht Luft und einen großen Schwenker. Dann treten Granatapfel, Cranberry, Sauerkirsche und rote Johannisbeere hervor, unterlegt von Holunder, einer Kräuterwürze und einer geradezu archaischen Note aus gebranntem Ton und kalkiger Erde. Dunkler und verschlossener als etwa der 2017er Jahrgang; geduldiges Belüften wird belohnt.
- Gaumen
- Am Gaumen öffnet sich der Wein spürbar: Die Frucht wird saftig und dicht, gewinnt einen süßen, dunklen Fruchtkern. Das Tannin ist geschliffen und rund, die Säure verleiht Spannung und Lebendigkeit, ohne zu beherrschen — reifer, als die Nase zunächst vermuten lässt. Ein Wein von beachtlicher Struktur, der über mehrere Stunden im Glas weitermacht.
- Abgang
- Langer, wärmer Nachhall mit dunkler Beerenfrucht und jener erdigen Tiefenschärfe, die dem Wein seinen Namen verdankt — Morei bedeutet im Trentiner Dialekt dunkel. Der Eindruck bleibt trocken, geraderad, klar gezeichnet.
- Terroir & Herkunft
- Die Einzellage Morei im Campo Rotaliano (Mezzolombardo, Trentino) umfasst 2,5 Hektar alluvialen Schwemmlandes: steinig, dicht, dunkel. Nahe, jäh aufragende Felswände schirmen die Reben vor den kalten Nordwinden ab und speichern tagsüber Wärme, die sie nachts an den Weingarten zurückgeben. Dem Gegenüber — der Lage Sgarzon auf Dolomit-Kalkstein — ist der Morei stets der dunklere, fruchtintensivere Wein. Der Campo Rotaliano selbst ist eine geologische Besonderheit: Eine Talebene zwischen Dreitausendern, in der der Fluss Noce über Jahrtausende Kalk, Porphyr und Gneis aus den Dolomiten abgelagert hat.
- Rebsorte & Vinifikation
- Teroldego — jene Rebsorte, die Elisabetta Foradori ab Mitte der 1980er-Jahre durch jahrelange Massenselektion aus fast vergessenen alten Klonen zurückholte, während ganz Italien auf Cabernet setzte. Für die Cilindrica reifte der Wein zunächst acht Monate auf der Maische in Tinajas — spanischen 420-Liter-Tonamphoren — wurde im Frühjahr 2018 in Betontanks abgezogen und dort den Sommer über geschlichtet. Ein Drittel der Cuvée kam danach für ein weiteres Jahr in Cilindricas, 330 Liter fassende zylinderförmige Amphoren — ohne Maische. Die Reserva unter den Amphorenweinen.
- Speiseempfehlungen
- Die dunkle Frucht und die geschliffene Struktur vertragen kräftige Aromen: Enten-Ragù mit Pasta etwa, oder Borschtsch Risotto. Wer vegetarisch bleibt, serviert dazu Linsensalat mit gerösteten Karotten, Granatapfelkernen und würzigem Labneh — der Wein hält die Würze aus und spiegelt die Granatapfel-Noten des Gerichts.
- Besonderheiten
- Was diesen Wein von anderen Territorien des Teroldego unterscheidet, ist der Cilindrica-Ausbau: das zweite Amphorenjahr nur für ein Drittel der Produktion, ein Verfahren, das dem Wein eine tiefere, ruhigere Frucht verleiht. Dazu kommt die Wahl der Magnumflasche — größeres Volumen, langsamerer Reifeverlauf: Für einen Jahrgang 2016, der auch heute noch jugendlich strukturiert wirken kann, genau die richtige Entscheidung. Das Weingut arbeitet seit Jahren Demeter-zertifiziert; der Teroldego gilt seit Foradoris Rettung als eine der bedeutendsten Rebsorten Italiens.
Eigenständiger Abschlussgedanke: Die Magnum 2016 ist heute ein Argument für Zugeduld — ein Wein, der erst mit dem zweiten Glas zeigt, was die Dolomiten an Dunkelheit und Wärme zugleich hinterlassen können.


