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Marco de Bartoli

Marco de Bartoli

Zwischen 1995 und 2000 war die Kellerei geschlossen – die Behörden behaupteten, ein Wein mit 18 Prozent Alkohol könne nicht als Wein klassifiziert werden. Marco de Bartoli hatte Siziliens Marsala-Welt derart revolutioniert, dass selbst die Bürokratie kapitulierte. Heute führen seine drei Kinder Renato, Sebastiano und Giuseppina das Erbe des ehemaligen Rennfahrers weiter, der 1978 in Samperi bei Marsala seine Vision verwirklichte: authentische Weine aus der phönizischen Grillo-Traube, gereift nach der jahrhundertealten Perpetuum-Methode. Das Herzstück bleibt der Quarantennale – ein 40 Jahre alter Vecchio Samperi, der helle Frische und samtige Komplexität in einem Glas vereint.




Mehr über Marco de Bartoli

Der Rennfahrer, der Marsala rettete

Marco de Bartoli sammelte nicht nur Oldtimer, er fuhr auch zehn Jahre lang Rennen, bevor er in den 1970ern zum Familiengut in Samperi zurückkehrte. Was er vorfand, empörte den impulsiven Sizilianer: eine Marsala-Industrie, die auf Massenproduktion und Kunstgriffe setzte. Während die Konkurrenz mit zugesetztem Alkohol und Süßmitteln arbeitete, suchte Marco alte Solera-Fässer und rekonstruierte den historischen Keller seiner Familie. 1978 füllte er die ersten Barriques – der Grundstein für eine Revolution war gelegt.

Marco de Bartoli im historischen Keller in Samperi

Die Behörden-Posse der 1990er Jahre zeigt, wie radikal Marcos Ansatz war: Seine Weine erreichten durch natürliche Konzentration Alkoholwerte, die das System überforderten. Heute führen seine Kinder das Werk fort – Renato kümmert sich um die Weinberge und den Keller in Samperi, Sebastiano bewirtschaftet die vulkanische Insel Pantelleria, während Giuseppina die Administration leitet.

Grillo – die vergessene Königin Siziliens

Seit den Phöniziern gedeiht die Grillo-Traube auf den kalkreichen Böden um Marsala. Marco erkannte ihr wahres Potenzial: hohe natürliche Säure gepaart mit der Fähigkeit, extreme Alkoholgrade zu erreichen, ohne ihre Eleganz zu verlieren. Der Grappoli del Grillo von 1990 war der erste sortenreine Grillo-Weißwein des Guts – eine Sensation in einer Zeit, in der Grillo nur als Marsala-Grundwein bekannt war.

Die Perpetuum-Methode verleiht dem Vecchio Samperi seine einzigartige Komplexität: Wie bei einem Sauerteig wird junger Wein kontinuierlich zu älteren Jahrgängen hinzugefügt. Das Resultat ist ein Wein, der nie vollständig aufgebraucht wird – ein lebendiges Archiv sizilianischer Weingeschichte.

Von Pantelleria bis zur Weltbühne

1984 erweiterte Marco sein Universum um die Vulkaninsel Pantelleria, wo Zibibbo-Trauben unter extremen Bedingungen gedeihen. Der Bukkuram „Sole d’Agosto“ entsteht aus Trauben, die unter der sizilianischen Sonne zu natürlichen Rosinen schrumpfen – ein Passito von hypnotischer Intensität.

Marco de Bartoli Weinberge auf Pantelleria

Die New York Times empfahl De Bartolis Marsala als einen der besten Süßweine der Welt, Condé Nast Traveler kürte das Weingut 2020 zu einer der besten Weinregionen. Wie auch Arianna Occhipinti im Südosten der Insel zählt De Bartoli zu den Pionieren der sizilianischen Natural-Wine-Bewegung – beide setzen kompromisslos auf autochthone Rebsorten und authentische Weinbereitung.

Das flüssige Gedächtnis Siziliens

Der Vecchio Samperi Quarantennale verkörpert vier Jahrzehnte Weingeschichte in einem Glas. Dieser 40 Jahre alte Wein vereint scheinbare Gegensätze: Die Frische junger Grillo-Trauben verschmilzt mit der samtigen Komplexität jahrzehntelanger Reifung. Ein Paradox, das nur durch Marcos radikalen Ansatz möglich wurde – Marsala ohne Zusätze, ohne Kompromisse, ohne Konzessionen an den Zeitgeist.

Heute bewirtschaftet die Familie 30 Hektar in biologischem Weinbau, erntet ausschließlich von Hand und setzt auf einheimische Hefen. Die 3.500 Rebstöcke pro Hektar werden im traditionellen Alberello oder modernen Guyot erzogen – Methoden, die Marcos Vision von authentischem sizilianischem Wein treu bleiben.

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