Verkostungsnotiz
Der Botschafter trägt seinen Namen zu Recht: Die TEXSOM Awards 2025 verliehen ihm eine von nur 56 Platinum-Medaillen – und ein Schluck ins Glas erklärt, warum. Hier kommt Albariño nicht als fröhlicher Terrassenwein daher, sondern als Wein von Ernst und Tiefe, geformt von uraltem Granit und Atlantikluft des Val do Salnés.
- Farbe & Aussehen
- Sattes, leuchtendes Goldgelb mit strahlender Brillanz – ein Glas, das schon optisch ankündigt: Das hier ist mehr als ein frischer Jungwein.
- Nase
- Tiefgründig und vielschichtig. Reifer Pfirsich, Nektarine, Mandarine und Mirabelle bilden das gelbfruchtige Fundament, darüber Abrieb von Bergamotte und Grapefruit. Dann das Maritime: Gischt, Austernschale, Salzzitrone. Frische Kräuter – Kerbel, Zitronengras, Minze – dazu fein algige Noten, die bei Belüftung mit Erbsensprossen und Kresse immer neue Schichten freigeben.
- Gaumen
- Die Frucht tritt kurz hervor, dann übernimmt eine straffe, messerscharfe Linie: Salzzitrone, Grapefruitabrieb, ausgeprägte salzige Mineralität, kühl und steinig. Feiner Hefeschmelz und ein Hauch kalten Rauchs geben Tiefe, Kräuter und salzige Spannung prägen die Mitte. Erstaunlich leichtfüßig bei aller Konzentration – ein Wein, der über Textur und Herkunft überzeugt statt über Frucht.
- Abgang
- Enorm lang, präzise und klar geführt, mit nachhallendem Salz- und Kräuterspiel. Das Ende bleibt kühl und geradlinig – als würde eine letzte Woge Gischt über den Gaumen ziehen.
- Terroir & Herkunft
- Eine Einzellage von nur 0,5 Hektar im Val do Salnés, dem Herzen der Rías Baixas. Rebstöcke im Schnitt 60 Jahre alt, tief verwurzelt in Böden granitischen Ursprungs mit lehmigem Charakter. Westlage zum Atlantik: kühle Nachmittagsbrisen, langsame Reife, knackige Säure. Die traditionelle Pergola-Erziehung schützt die Trauben vor intensiver Sonne und sorgt für Durchlüftung im regenreichen Galizien.
- Rebsorte & Vinifikation
- Reinsortiger Albariño, trocken. Manuelle Lese mit Selektion am Sortiertisch, vollständige Entrappung und kalte Mazeration. Vergärung bei kontrollierten 12–15 °C, danach zwei Jahre Ausbau auf der Hefe mit regelmäßigem Aufrühren – ein Jahr im Granittank, das zweite im Stahltank. Ein seltener Handgriff, der dem Wein seinen cremigen Schmelz und seine Rauchigkeit gibt.
- Speiseempfehlungen
- Ein Meister an der Küste: Austern, gegrillte Jakobsmuscheln, Herzmuscheln oder Pulpo a la gallega. Auch zu Thunfisch-Tartar, gänzenden Langustinen oder einem schlichten Ziegenkäse mit Kräutern eine Reise wert.
- Besonderheiten
- Das Künstleretikett »Cabeza de Serpe« von Francisco Leiro macht jede Flasche zum Sammlerstück. Dahinter ein Albariño der Extraklasse: Weniger Frucht, mehr Gestein, Salz und Geduld – die vielleicht charakterstärkste Interpretation der Sorte, die die Fariña-Brüder aus ihren alten Parzellen ziehen.


