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Heinrich

Gernot und Heike Heinrich Winzer Burgenland

Sie lernten sich in einem Salzburger Biergarten kennen. Gernot und Heike Heinrich haben ihr Weingut von zwei auf hundert Hektar ausgebaut, Parzelle für Parzelle, oft die schwierigen Lagen, die andere aufgaben. Seit 2006 arbeiten sie biodynamisch, Demeter-zertifiziert, und haben 2009 respekt-BIODYN mitgegründet. Orange Wines mit vierzehntägiger Maischestandzeit, Ausbau in Amphoren und Holzfässern vom lokalen Fassbinder: Die Heinrichs machen keine halben Sachen.




Mehr über Heinrich

Ein Biergarten, zwei Hektar und ein Plan

Gernot studierte Önologie, obwohl seine Eltern ihn von dem harten Winzerberuf abhalten wollten. Heike kam aus Fashion und PR. 1990 starteten sie mit zwei Hektar eigenen Reben in Gols, parallel zum kleinen Familienbetrieb. Was folgte, war kein geerbter Aufstieg, sondern Arbeit: Sie kauften die steilen, steinigen Parzellen, die andere abgaben – am Leithagebirge mit seinen kühlen Kalksteinhängen, auf der Parndorfer Platte mit Schotter und Rotschiefer. Heute sind es hundert Hektar, die komplett biodynamisch bewirtschaftet werden.

Das Tempo dieser Entwicklung täuscht über die Geduld hinweg, die dahintersteckt. Die Heinrichs haben Rudolf Steiners Vorträge gelesen wie andere die Bibel – gemeinsam, Abend für Abend. Die Begegnung mit dem Biodynamik-Experten Andrew Lorand im Jahr 2006 gab den letzten Anstoß zur Umstellung. Drei Jahre später gründeten sie mit anderen Pionieren den Verband respekt-BIODYN, der heute zu den strengsten biodynamischen Zertifizierungen Österreichs zählt.

Gernot Heinrich im Keller mit großen Holzfässern

Blaufränkisch und die vergessenen Lagen

In den 1990er Jahren war Österreich für Blaufränkisch etwa so bekannt wie für Surfstrände. Die Heinrichs gehörten zu den Ersten, die österreichische Rotweine exportierten – und bewiesen, dass diese Rebsorte mehr kann als bäuerlichen Tischwein. Ihre Einzellagen Alter Berg, Edelgraben und Gabarinza zeigen die Bandbreite: vom kühlen Kalkstein des Leithagebirges bis zum wärmeren Schotterboden bei Gols.

Der Blaufränkisch Leithaberg DAC bringt diese Herkunft präzise auf den Punkt – straff, mineralisch, mit Würze statt Marmelade. In unmittelbarer Nachbarschaft arbeiten Anita und Hans Nittnaus mit derselben Überzeugung – auch sie setzen auf Blaufränkisch und biodynamische Methoden. Das Burgenland hat eine neue Generation von Winzern hervorgebracht, die Rotwein ernst nehmen.

Die Freyheit, orange zu denken

Die Freyheit-Linie ist Gernots Spielwiese für Orange Wines. Vierzehn Tage Maischestandzeit für Weißweine – das klingt nach Experiment, schmeckt aber nach Präzision. Die Graue Freyheit aus Pinot Gris, Pinot Blanc und Chardonnay überrascht mit Textur und Grip, ohne ins Oxidative zu kippen. Der Muskat Freyheit duftet nach Litschi und Rosenblättern, bleibt aber trocken und straff.

Daneben steht die naked-Linie als Einstieg ins Heinrich-Universum. Der naked rosé aus Zweigelt und Blaufränkisch ist knochentrocken, der naked orange zeigt, was Maischekontakt aus Neuburger herausholen kann. Keine Filtration, keine Schönung, spontan vergoren – purer Wein zum ehrlichen Preis.

Gernot und Heike Heinrich bei Tonamphoren im Keller

Amphoren, Schwerkraft und Klaus Pauscha

Im modernen Keller der Heinrichs regiert die Schwerkraft: keine Pumpen, kein Stress für den Wein. Die Tonamphoren ersetzen zunehmend die kleinen Holzfässer – sie ermöglichen Mikrooxidation ohne Holzaromen und bringen die Herkunft transparenter ins Glas. Daneben stehen große Holzfässer vom Fassbinder Klaus Pauscha aus der Region, aus gebrauchtem Holz, das den Wein atmen lässt statt ihn zu parfümieren.

Für die Klassiker Pannobile und Salzberg bleibt das Holz unverzichtbar. Der Pannobile 2016 – eine Cuvée aus Blaufränkisch, Zweigelt und Sankt Laurent – zeigt nach Jahren im Keller erst, was Zeit und gutes Holz bewirken können: samtig, komplex, mit Noten von Tabak und dunklen Kirschen. Das ist kein Naturwein für Anfänger, sondern einer für den besonderen Abend.

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