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Guiberteau

Some vineyards must be discovered twice. The hill of Brézé near Saumur was famous in the 19th century, then fell into almost complete obscurity — and Domaine Guiberteau is among the addresses that have brought it back.
Few people embody this return more clearly than Romain Guiberteau, who abandoned his law studies to take back into his own hands the family vines that had been leased out for two decades. Since 1996, he has been vinifying Chenin Blanc and Cabernet Franc on pure limestone — whites of uncompromising minerality, reds of cool clarity. What his grandfather Robert began in 1954 with a few parcels on the Brézé is today counted among the most sought-after estates of the Loire.
Mehr über Guiberteau
Der Absprung aus dem Hörsaal
Romain Guiberteau war auf dem Weg, Jurist zu werden, als ihn der Hügel zurückholte. Sein Urgroßvater Clément Manguin hatte das Gut zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegründet; sein Großvater Robert, Mitbegründer der Saumurer Genossenschaftskellerei, kaufte 1954 die ersten Parzellen am Brézé — darunter den Clos des Carmes, den der Gastronom Curnonsky zu den größten Lagen der Loire zählte. Als Robert sich 1976 zurückzog, wollte keines seiner Kinder das Gut weiterführen; die Reben wurden verpachtet, der Name verschwand von den Etiketten.
Zwanzig Jahre später warf Romain sein Studium hin und verhandelte die Weinberge Parzelle für Parzelle zurück. 1996 füllte er den ersten eigenen Jahrgang ab — was als familiäre Trotzreaktion begann, wurde innerhalb weniger Jahrgänge zu einer der am strengsten zugeteilten Adressen Saumurs.
Ein Hügel aus Tuffeau
Brézé ist kein Dorf mit Weinbergen ringsum, sondern ein einzelner Kalkrücken, der sich spürbar über das umliegende Land erhebt. Unter der dünnen Krume liegt Tuffeau — jener poröse, kreidige Kalkstein der Turon-Zeit, der Wasser wie ein Schwamm speichert und es in trockenen Sommern langsam an die Reben zurückgibt. Über die Hälfte der knapp neunzehn Hektar des Guts steht auf diesem Hügel, mit Reben zwischen vier und achtzig Jahren.
Was hier mit chenin blanc entsteht, schmeckt nach zerriebener Kreide und Zitrusschale, salzig, fast schneidend in der Jugend — eine Mineralität, die kaum ein anderer Loire-Weißwein in dieser Schärfe erreicht. Denselben Tuffeau bearbeitet, flussaufwärts in Vouvray, auch Huet: zwei Güter, ein Gestein, und in beiden Fällen Chenin als kompromissloser Übersetzer des Bodens.

Die Schule von Clos Rougeard
Bevor Romain Guiberteau seinen eigenen Stil fand, lernte er bei Nady Foucault von Clos Rougeard — dem Gut, das Saumur überhaupt erst wieder auf die Landkarte der großen Weine setzte. Unter Foucaults Anleitung kelterte er 5.000 Flaschen Rotwein, die sich mühelos verkauften und ihm zeigten, wohin die Reise gehen konnte.
Im Keller bleibt er zurückhaltend: Die Trauben werden vollständig entrappt, die Gärung läuft spontan mit den eigenen Hefen, der Ausbau geschieht in Foudres und gebrauchten Barriques, bei den Weißen oft mit blockierter Malolaktik, damit die Säure ihre Kontur behält. Schon 2000 stellte Romain auf organic cultivation um; seit 2007 trägt das Gut die AB-Zertifizierung. Eingriffe hält er so gering wie möglich — der Wein soll nach dem Hügel schmecken, nicht nach dem Keller.

Vom Einstieg bis zum Monopol
Den Zugang zu diesem Stil öffnet der Saumur blanc Brézé — ein Chenin vom namensgebenden Hügel, der Frucht, Salz und Zug schon in der mittleren Preisklasse zusammenbringt. Eine Stufe höher steht der Clos des Carmes, die ummauerte Monopollage, die schon Curnonsky rühmte: enger gefasst, tiefer, mit einem fast kühlen Nachhall.
Die andere Hälfte des Guts gehört dem cabernet franc. Im Saumur-Champigny zeigt sich die rote Seite von Brézé: knackige Cassis- und Veilchenfrucht, feinkörnige Tannine, kein Gramm zu viel Holz. 2024 gründete Romain gemeinsam mit seiner Tochter Camille das Négociant-Projekt Chai de la Dive — ein Zeichen, dass die Geschichte des Hügels, anders als in den 1970er-Jahren, diesmal eine Fortsetzung hat.



