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Enric Soler

Enric Soler, Winzer von Cal Raspallet im Penedès

1997 wurde er zu Spaniens bestem Sommelier gekürt. Enric Soler hätte es sich bequem machen können – stattdessen erbte er 2004 einen Weinberg und wagte den Neuanfang. Auf Cal Raspallet stehen die ältesten Xarel·lo-Reben der Welt: gepflanzt 1945 von seinem Großvater. Mit knapp drei Hektar und 10.000 Flaschen im Jahr bleibt alles handwerklich. Seit 2005 bewirtschaftet er biodynamisch. Was ihn antreibt? Die Überzeugung, dass Xarel·lo neben den besten Weißweinen der Welt bestehen kann.




Mehr über Enric Soler

Vom Sommelier zum Winzer

Spaniens bester Sommelier 1997 – ein Titel, der Türen öffnet. Enric Soler führte eine renommierte Sommelier-Schule in Barcelona, verkostete die großen Weine dieser Welt und wusste genau, was ihm fehlte: ein eigener Weinberg. Als sein Großvater 2004 starb, stand er vor der Wahl – die geerbte Parzelle verkaufen oder selbst anbauen. Er entschied sich fürs Wagnis. In Sabanell, einem Weiler im Alt Penedès nahe Barcelona, übernahm er Cal Raspallet, ein katalanisches Bauernhaus aus dem späten 19. Jahrhundert. Im Keller darunter: Platz für seine ersten Fässer.

Die Xarel·lo-Reben, die sein Großvater 1945 gepflanzt hatte, waren fast 80 Jahre alt – und Enric erkannte ihr Potenzial. Eine Rebsorte, die im Cava meist untergeht oder mit zu viel Holz überschminkt wird, sollte hier endlich zeigen, was in ihr steckt.

Holzfässer im Keller von Cal Raspallet

Vinya dels Taus – Der Weinberg der Maulwürfe

Der Name seines Flaggschiff-Weins erzählt eine Geschichte: Vinya dels Taus bedeutet auf Katalanisch „Weinberg der Maulwurfshügel“. Wer die Parzelle besucht, versteht sofort warum – in manchen Phasen ist der Boden übersät davon. Den alten Reben schadet das nicht. Ihre Wurzeln reichen tief in den kalkhaltigen, sandigen Untergrund, wo sie selbst in trockenen Jahren Wasser und Nährstoffe finden.

Gerade einmal 0,89 Hektar umfasst dieser Weinberg, der im Hintergrund einen spektakulären Blick auf das zerklüftete Montserrat-Gebirge bietet. Das Mittelmeer als klimatischer Puffer liegt nur 30 Kilometer entfernt. Die kühlen Nächte auf 400 Metern Höhe bewahren die Säure – ein Vorteil, den auch Familia Nin-Ortiz im nahen Priorat zu nutzen weiß. Kein Zufall: Ester Nin, die hinter Clos Erasmus und ihrem eigenen Weingut steht, berät Enric seit Jahren bei der Vinifikation.

Alte Xarel·lo-Rebe mit Marienkäfer bei Cal Raspallet

Biodynamie und Burgundy-Ambitionen

Seit 2005 arbeitet Enric biodynamisch – Marienkäfer auf den knorrigen Rebstöcken sind kein Zufall. Die Ernte erfolgt von Hand in 15-Kilo-Kisten, die Gärung spontan mit wilden Hefen, ohne Korrekturen am Most. Im Keller experimentiert er mit verschiedenen Gebinden: Betoneier für den Improvisació, der zusätzlich Maischekontakt erhält, gebrauchte Eichenholzfässer für Frische, neue 300-Liter-Fässer für Struktur.

Der Nun Vinya dels Taus markierte einen Wendepunkt für Stillwein-Xarel·lo im Penedès: burgundischer Ehrgeiz, Eichenholzausbau mit Lagerpotenzial, schneller Erfolg unter Sommeliers. Der Espenyalluchs verzichtet auf das Betonei und setzt auf ein puristischeres, mineralisches Mundgefühl – fast salzig, kühl, mit einer Tiefgründigkeit, die Zeit braucht.

Klein, präzise, kompromisslos

Von anfänglich einem Wein und 2.000 Flaschen ist die Produktion auf vier Weine und gut 10.000 Flaschen gewachsen – mehr als zwei Jahrzehnte später noch immer ein Mikrobetrieb. Die Weine sind regelmäßig rasch ausverkauft, die Bewertungen in Wine Advocate und Guía Peñín hoch. Wer eine Flasche Nun im Keller reifen lässt, wird belohnt: Komplexität und Frische, die sich über Jahre entfalten.

Enric Soler hat bewiesen, was er als Sommelier ahnte: Xarel·lo kann mit den besten Weißweinen der Welt mithalten.

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